Heft 21

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Der Autor

Gernot Rettig ist verheiratet mit Jenny und glücklicher Vater von Sohn Samuel und Tochter Jessica. Er hat ein großes Herz für Jugendleiter und die Vernetzung von Jugendarbeiten. Nach mehreren Jahren in der aktiven Jugendarbeit ist Gernot jetzt Gebietspastor von Treffpunkt Leben Ditzingen. Im August 2005 wird er mit seiner Familie nach Rostock ziehen, um dort eine Gemeinde zu gründen.

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Jüngerschaft

Warum ein Gitarrist Charakter haben sollte

Was hat ein Gitarrist mit Pharisäern zu tun? Hoffentlich nichts! Und das ist gut so. Denn was war der Hauptvorwurf von Jesus, den er immer wieder gegenüber den Pharisäern äußerte? »Ihr seid Heuchler!« (Mt 23,13 und anderswo) – Was meinte Jesus damit?

In der Elberfelder Studienbibel lesen wir: »Im NT wurde jemand als Heuchler be­zeichnet, der in seinem Reden und Han­deln etwas zu sein vorgibt oder vortäuscht, was er nicht ist.« Das heißt im Klartext, dass die Pharisäer nach außen hin vorga­ben, besonders geistlich zu sein, es in ih­ren Herzen aber ganz anders aussah.

Ganz praktisch tritt dies in einem Ge­spräch zwischen Jesus und den Pharisäern zutage. Die Pharisäer waren stolz darauf, Nachkommen Abrahams zu sein – als ob dies irgendein Verdienst in sich wäre. Je­sus erwiderte ihnen, dass es für Gott eine Kleinigkeit wäre, aus Steinen Nachkom­men Abrahams zu machen (vgl. Mt 3,9). Aber darum geht es Gott nicht. Gott ist an den Herzen, dem Charakter, der Men­schen interessiert und nicht an ihrer Her­kunft, ihrem Können oder ihrer Bega­bung.

Was bedeutet das für dich als Leiter? Ganz einfach: Nach welchen Maßstäben setzt du neue Mitarbeiter ein? Danach, wie gut sie eine Sache machen, oder doch eher danach, wo ihr Herz ist? Mal ganz ehrlich – was ist leichter zu erreichen: ein Charakter nach dem Herzen Gottes (de­mütig, liebevoll, vergebend, kritikfähig, unterordnend …) oder die Fähigkeit, Gi­tarre zu spielen?

Ich denke, es ist viel einfacher, eine Sache wie Gitarre spielen zu lernen, als einen Charakter nach dem Herzen Gottes zu entwickeln. Leider machen wir es oft mit neuen Mitarbeitern gerade anders herum. Wir suchen nach begabten Personen und hoffen, dass sich im Zweifelsfall irgendwie der Charakter noch entwickeln wird. Lei­der habe ich diese positive Entwicklung in fast keinem Fall erlebt. Leute mit zwei­felhaftem Charakter, aber einer starken Gabe in irgendeinem Bereich, tendieren viel eher dazu, durch eine kritische oder gar rebellische Haltung in einem Team kontinuierlich Probleme auszulösen, als in einem Team eine gute charakterliche Veränderung zu durchleben.

Deshalb setze ich neue Mitarbeiter vor allem aufgrund ihres Charakters ein und weniger aufgrund ihrer Gabe. Wenn eine Gabe dann noch dazukommt, umso bes­ser. Aber das ist nicht die Voraussetzung. Wie gesagt, die technischen Dinge lassen sich leichter erlernen, als sich ein Charak­ter nach dem Herzen Gottes entwickeln lässt. Aus diesem Grund lebe ich nach dem Prinzip: Charakter ist wichtiger als Gabe! Und deshalb sollte ein Gitarrist zuerst Charakter haben, denn Gitarre lernt er mit der richtigen Einstellung sehr leicht!