Heft 22
Der Autor
Johannes Sturm ist Studienleiter bei »Destiny Design e. V.« und einer der Ältesten von »People Movement«, einem Team, das vor allem Kindern und Jugendlichen der Stadt Meiningen dient. Sein Anliegen ist es, Leiter auszubilden, die wissen, was sie tun, wie sie es tun, warum sie es tun und für wen sie es tun.
Dieses Heft bestellen
Das komplette Heft bekommst du, in dem du es im Webshop bestellst.
Jahresthema
Das krasse Gesicht des Islam
// Nachdem es in THE RACE 21 um Grundlagen des Islam ging und dabei auch um den Unterschied im Gottesbild von Christen und Muslimen, dreht sich diese Ausgabe um krasse Züge des Islam: Extremismus und Fundamentalismus im Namen des Islam und – daraus resultierend – Verfolgung so genannter Ungläubiger, Glaubensverweigerer oder Konvertiten zum Christentum.
Unser Anliegen ist wiederum nicht, den Islam als Religion schlecht zu machen. Vielmehr sollen die Beiträge Wurzeln und Hintergründe aufzeigen, nämlich das Denken, das völlig eigene Weltbild und die ganz andere Philosophie, die derartigem Handeln zugrunde liegen.
Dass sich unsere westlich geprägte Weltsicht von der islamischen deutlich unterscheidet, zeigt ein Interview mit der Mutter eines muslimischen Selbstmord-attentäters, das die arabischsprachige Zeitung »Al-Sharq Al-Awsat« und wenig später »Die Welt« veröffentlichte. (Bei dem Attentat waren zehn Israelis getötet und viele weitere verletzt worden.) Die Mutter ist stolz auf ihren Sohn und sagt, sie habe ihn zum »Märtyrertod« ermutigt, weil sie ihn liebe. Die Liebe zum Dschihad habe immer stärker sein Wesen bestimmt, und das sei auch sehr gut gewesen, da der Glaube eines Mannes erst in der Selbstaufopferung seine Vervollkommnung erreichen könne. Für den Tod und die Verletzung der Israelis dankt sie Allah, der ihre Gebete erhört habe und ihrem Sohn und damit auch ihrer ganzen Familie große Ehre habe zuteil werden lassen.1 – Eine krasse Sichtweise!
Ich will noch einen weiteren Punkt anführen, der aufgrund der unterschiedlichen Denkweise auch immer wieder für großes Unverständnis sorgt: die Tatsache, dass es im Islam keine Trennung von Staat/Politik und Religion gibt, wie das in der westlichen Welt allgemein üblich ist. Vielmehr soll Religion im Zentrum des öffentlichen Lebens stehen und die gesamte Gesellschaft bestimmen. Die ideale Staatsform, die mehr oder weniger subtil angestrebt wird, ist ein islamischer Staat mit der Gesetzgebung der Scharia; alle anderen Staatsformen sind aufgrund ihres Säkularismus abzulehnen.
Der Islam ist seinem eigenen Anspruch nach selbstverständlich die einzige Allah-gewollte wahre Religion, Lebens- und Staatsphilosophie; von daher wird ein militärischer Angriff auf eine islamische Nation sofort religiös interpretiert als Angriff auf den Islam oder die weltweite islamische Gemeinschaft, auf deren Seite auch Allah selbst steht, worauf dann im Heiligen Krieg gegen nichtmuslimische Nationen, wie z. B. die USA, im Namen der Religion, also im Namen Allahs, vorgegangen wird. Dabei hört man immer wieder, dass führende Vertreter des Islam denselben als »tolerante« Religion bezeichnen. Ehrlicherweise muss man hier aber wiederum ergänzen, dass der Begriff »Toleranz« aufgrund des Weltbilds völlig anders gefüllt wird. Was letztlich Toleranz ausmacht, sind ja grundlegende Menschenrechte, wie z. B. Meinungs- und Religionsfreiheit, wie wir sie in der westlichen Welt verstehen und praktizieren. Interessant ist dabei, dass die islamische Welt mit ihren Vertretern diese Menschenrechts-Charta gar nicht verabschiedet hat wie die westliche Welt; vielmehr existiert hier eine eigene islamische Charta der Menschenrechte, die Menschenrechte zwar formuliert, aber auch feststellt, dass die Menschenrechte nur Geltung haben, sofern es keine anders lautende Bestimmung der Scharia gibt. Somit ist wiederum die Scharia ausschlaggebend dafür, inwieweit Menschenrechte gewährt oder eingeschränkt werden, und von daher ist eine derartige Charta – zumindest aus unserer westlichen Sicht – ziemlich sinnlos und muss wohl als strategische bzw. politische »Annäherung« an den Westen bzw. die westlichen Ressourcen verstanden werden – ohne dabei natürlich auch nur den geringsten Teil der islamischen Philosophie preiszugeben. Dass westliche Politiker heute von einer positiven Entwicklung bei der Etablierung der Menschenrechte in der islamischen Welt sprechen, bringt zum Ausdruck, wie gut diese Strategie (oder Täuschung?) aufgeht.
Gibt es jetzt also »Toleranz« im islamischen Denken? Wohl nur, solange man dem Ideal eines islamischen Staats- und Gesellschaftslebens verpflichtet bleibt oder nichts, aber auch gar nichts, unternimmt, was dieses in irgendeiner Weise in Frage stellen würde. Denn sobald gläubige Muslime Verrat am Islam wittern, können sie – je nach ihrer Auslegung des Korans – durchaus ungemütlich bis äußerst intolerant werden – und das nicht nur gegenüber »Ungläubigen«. Denn Terroranschläge im Namen Allahs richten sich nicht nur gegen westlich geführte, sondern durchaus auch gegen islamische Regierungen, die ihre Politik nicht konsequent nach Koran und Scharia gestalten. Ganz krasse Anti-Toleranz bekommen aber diejenigen zu spüren, die sich vom Islam völlig verabschieden (oder dies wollen): Konvertiten zum Christentum. Denn da sich der Islam nicht nur als Religion, sondern als ganzheitliche Lebens- und Staatsphilosophie versteht, kommt der »Abfall vom Islam« (die Hinwendung und Bekehrung zu Jesus Christus) einem Hochverrat gleich und wird nach islamischem Recht mit dem Tod bestraft, mindestens jedoch mit gesellschaftlicher Ächtung, Familienausschluss oder übler Verfolgung. Und eine derartige Verfolgung macht auch an den Landesgrenzen der islamischen Nationen nicht Halt; sogar in Deutschland werden Menschen verfolgt, weil sie dem Islam den Rücken gekehrt haben. Krass!
Ich glaube, wir sollten aufgrund all dieser Dinge sehr aufmerksam beobachten, was in unserem Land und in Europa vor sich geht: Welche Gerichtsverhandlungen laufen gerade? Warum wollen Muslime z. B. auch in Deutschland den öffentlichen Gebetsruf per Lautsprecher haben? Vielleicht deshalb, weil damit jedes Mal ganz klar proklamiert wird, dass ein im Sinne des Islam geführter Staat die einzig akzeptable Religion und Gesellschaftsform ist? Und ist es vielleicht doch nicht ganz so unwichtig, ob muslimische Frauen in der Öffentlichkeit (z. B. als Lehrerinnen) mit oder ohne Kopftuch auftreten dürfen? Braucht es Koranunterricht an unseren öffentlichen Schulen neben dem bisherigen Religionsunterricht?
Ich gebe zu, dass ich die hier gestellten Fragen noch nicht konsequent zu Ende gedacht habe; aber ich habe mich entschlossen, in Zukunft sehr wachsam zu verfolgen, was in meinem, deinem, unserem Land diesbezüglich vor sich geht. Und dasselbe will ich auch dir und allen Lesern dieser Ausgabe von THE RACE ans Herz legen. Werde sensibel, beobachte, mache eine gründliche Recherche, frage nach …
Das ist unsere Herausforderung, gerade als Verantwortliche und Leiter. ///
1Veröffentlicht am 5. Juni 2002 in der arabischsprachigen Tageszeitung »Al-Sharq Al-Awsat« (London), am 17. Juli 2002 in der deutschen Tageszeitung »Die Welt« (Axel Springer AG).
Deutscher Text: http://www.welt.de/data/2002/07/17/431434.html
Englischer Text: http://memri.org/bin/articles.cgi?Page=subjects&Area=jihad&ID=SP39102

