Heft 23

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Der Autor

Gernot Rettig ist verheiratet mit Jenny, hat zwei kleine Kinder und lebt seit August ’05 in Rostock, um dort eine Gemeinde zu gründen.

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Jüngerschaft

Die Jünger Jesu - alles Teenies oder was?

// Die Jünger Jesu waren Teenager, als sie dem Ruf ihres Rabbis folgten. So zitiert jedenfalls Günter Krallmann den Theologen J. S. Stewart in seinem Buch »Leidenschaftliche Leiterschaft«: »Soweit wir aus den Evangelien erkennen können, war Simon Petrus der einzige verheiratete Mann in der Gruppe (siehe Markus 1, 30). Wenn man sich vor Augen hält, dass in der jüdischen Gesellschaft das heiratsfähige Alter eines Mannes bei achtzehn Jahren lag, so mag die Einschätzung J. S. Stewarts richtig sein: ›Das Christentum begann als eine Bewegung junger Menschen‹«.1

Warum wäre es wichtig zu wissen, ob die Jünger Jesu Teenager waren oder die vollbärtigen Dreißigjährigen, die wir aus den Jesus-Filmen kennen? Weil Jesus im ersten Fall die Geschicke der Menschheit in die Hände von Menschen gegeben hätte, denen in unserer heutigen Gesellschaft nicht gerade die Attribute Verantwortlichkeit, Stehvermögen oder Zuverlässigkeit zugesprochen werden.

Leider ist es heute so, dass Kinder und Jugendliche häufig als »die Gemeinde von morgen« bezeichnet werden. Jesus sieht das anders. Für ihn war es die Gemeinde von heute. Das sollte uns zu denken geben!Klar wurden die jüdischen Kinder in der damaligen Zeit entsprechend auf die frühe Gründung einer Familie und die damit verbundene Verantwortung vorbereitet. Natürlich hat Jesus ihnen nicht die Verantwortung ohne Vorbereitung übertragen (die Vorbereitung bestand in der dreijährigen Ausbildungszeit und der grundlegenden Prägung im jeweiligen Elternhaus). Aber die Frage in unserer Zeit ist ja nicht, ob die Jugendlichen Verantwortung übernehmen können oder ob sie entsprechend vorbereitet sind, sondern ob sie im jugendlichen Alter überhaupt Verantwortung übernehmen dürfen, und wenn ja, wie groß die Verantwortung sein darf.

In THE RACE Nr. 20 ging es darum, dass Charakter wichtiger ist als Begabung. Daran anknüpfend will ich hier jetzt aber auch deutlich machen, dass ein Jugendlicher seinen Charakter durchaus schon so weit entwickelt haben kann, dass er Leitungsaufgaben übernehmen kann. Es geht ja nicht in erster Linie darum, als Jugendlicher bereits perfekter Leiter zu sein. Nein, selbst bei Jesus haben die »Jungs« einige Fehler gemacht und er musste ihnen hin und wieder ziemlich auf die Finger klopfen. Aber er hat an sie geglaubt. Er hat sie bevollmächtigt. Er hat sie ausgesandt. Und er hat ihnen den Heiligen Geist gegeben (Johannes 20, 22) bzw. sie haben die Kraft aus der Höhe empfangen (Lukas 24, 49; Apostelgeschichte 2, 4). Es war der Geist, der sie befähigte, zu tun, wozu Jesus sie berufen hatte (Apostelgeschichte 1, 4).

Wir dürfen festhalten, dass neben der charakterlichen Komponente die Berufung und Befähigung durch Jesus wichtige Voraussetzungen für den Dienst sind – und Berufung und Befähigung geschieht definitiv unabhängig vom Alter. Wenn nun der Heilige Geist einen Menschen befähigt, die Dinge Gottes zu tun – die Dinge, die in Ewigkeit Bestand haben werden –, ist dann der Geist, der auf die Jugendlichen kommt und der durch die Jugendlichen wirkt, ein anderer als bei den Erwachsenen?

Jugendliche können mehr, als wir manchmal denken. Jesus hat ihnen mehr zugetraut, als wir das tun. Er hat an sie geglaubt, sie gerufen, sie ausgebildet.

Sei als Jugendleiter ermutigt, junge Menschen in Verantwortung zu rufen – und sie natürlich auch zu trainieren. Jesus hat es jedenfalls getan! ///

1 Günter Krallmann: Leidenschaftliche Leiterschaft. Der Auftrag Jesu zur Mission. Wuppertal und Wittenberg: One Way Verlag, 1995, S. 65.