Heft 23

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Der Autor

Benjamin Finis (21), lebt im schönen Schwarzwald und studiert BWL an der FH Pforzheim. Sein ausgeprägtes politisches Bewusstsein mündet in der aktiven Mitgliedschaft bei einer großen Volkspartei. Bei JMS Altensteig engagiert er sich im Jugendleitungsteam. Sein Herz schlägt für junge mündige Christen, die gesellschaftliche Verantwortung übernehmen.

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Gesellschaft

Geliebtes Deutschland

Kannst du die Nationalhymne singen?
Diese etwas ungewöhnliche Frage wurde mir und meinem Team im letzten Jahr auf den Philippinen gestellt, als wir auf Missi­onseinsatz waren. Die Philippinos hatten nicht nur Interesse an unserem Glauben, sondern auch an unserer Kultur, an unse­rem Land, an unserer Herkunft.

Die Jungs im Team hatten klare Vorteile, da die Hymne zu jedem echten Fußball-Länderspiel oder einer Formel-1-Sieger­ehrung gehört – dagegen brachten viele Mädels nur die erste Zeile zusammen. Auf den Philippinen ist es üblich, jede of­fizielle Veranstaltung mit der heimischen Hymne zu beginnen, diese wird also von Kind und Kegel beherrscht. In Deutsch­land ist dies unvorstellbar. Als beispiels­weise anlässlich des Nationalfeiertags im Deutschen Bundestag die Hymne ange­stimmt wurde, weigerten sich sogar Bun­desminister, also die höchsten Vertre­ter Deutschlands, die Hymne zu singen. Lustlos, die Hände in den Hosentaschen, machten sie deutlich, wie wichtig ihnen ein Bekenntnis zu Deutschland ist. In den letzten Jahren meiner Schulzeit bin ich in Diskussionen immer wieder auf dieses heikle Thema gestoßen … Wie stehst du zu Deutschland?

Warum soll ich stolz darauf sein, ein Deut­scher zu sein? Ich kann doch überhaupt nichts dafür, dass ich Deutscher bin! Au­ßerdem gibt es doch nichts, worauf wir als Deutsche stolz sein können – oder emp­findest du etwa Stolz, wenn du an unsere deutsche Vergangenheit denkst?

»Deutschland über alles«
Stolz auf die Nationalität war ein ganz zentrales Element im Dritten Reich – »Deutschland, Deutschland über alles«, hat es getönt; Stolz auf die arische, reine deutsche Abstammung war nicht nur üb­lich, sondern auch eine zentrale Botschaft der Propaganda. Mit Adolf Hitler hatte es ausgerechnet ein Ausländer (Österrei­cher) geschafft, dem deutschen Volk Stär­ken und Tugenden bewusst zu machen, in einer Zeit, die alles andere als leicht war. Nach dem ersten Weltkrieg war man vor der ganzen Welt gedemütigt worden, hat­te Land und viel Geld zur Sühnung der deutschen Kriegsverantwortung bezahlt. Das Selbstbewusstsein der Deutschen war angekratzt und anfällig für einen Ratten­fänger wie Hitler. Er streichelte die deut­sche Seele und seine nationalistischen Re­den waren wie Balsam für die Gemüter.

Was zunächst wie der Aufbau eines ge­sunden Selbstbewusstseins aussah, wurde durch die nationalsozialistische Ideologie sehr bald völlig pervertiert. An die Stel­le einer gesunden deutschen Identität trat maßlose Überhöhung, und der Macht­anspruch unseres Volkes erwies sich als folgenschwere Irrlehre – als Irrtum, der uns noch heute fast täglich begegnet und beschäftigt. Jeder noch so kleine Funken von Nationalstolz wird direkt in die rech­te Ecke verbannt und scharf verurteilt.

Hohe Verantwortung
Wir müssen uns dessen bewusst sein, dass die Welt uns seit den beiden Weltkrie­gen mit anderen Augen sieht. Deutsch­land hat im vergangenen Jahrhundert viel Negatives ausgelöst, und wir müssen uns dieser großen Schuld bewusst sein. Unser Volk hat sich versündigt und sich dazu noch an Gottes Augapfel Israel vergriffen; mit nichts kann man diese Zeit und die Schandtaten vergessen machen oder die Schuld abstreiten. Vor Gott und den Be­troffenen ist seither viel Buße geschehen, aber deswegen hat die Welt nicht verges­sen, welchen Einfluss der deutsche Natio­nalstolz haben kann.

Umso wichtiger ist es, eine gesunde nati­onale Identität zu entwickeln: einen Pa­triotismus, der nichts mit dem deutschen Nazi-Hochmut zu tun hat und die Ver­gangenheit nicht vergisst; einen Patrio­tismus, der sich abgrenzt von denen, die nichts verstanden haben. Ich will in mei­nem Artikel ganz sicher keine rechte Pro­paganda machen; ich will vielmehr sen­sibilisieren für diesen wirklich schmalen Grat, den wir Deutschen vor uns haben.

Worauf können wir denn wirklich stolz sein?
Bevor du den Artikel weiter liest, möch­te ich dich herausfordern, einmal kurz innezuhalten und zu überlegen, worauf wir Deutschen denn stolz sein können. Es ist ein sehr interessantes Gefühl, über die Geschichte und die Qualitäten unseres Volkes nachzudenken. Nimm dir diesen Moment!

Vielleicht sind dir jetzt einige Dinge ein­gefallen, bei denen denkst, dass sie über­haupt nichts mit dir persönlich zu tun ha­ben. Stimmt – dein Leben war vielleicht (noch) nicht so prägend, dass du den Stolz einer ganzen Nation auf deinen Schultern gespürt hast; meins auch nicht – aber ich empfinde meine Zugehörigkeit zu mei­nem Volk als eine Art Anteilhabe, wie eine Erbschaft, die du dir nicht aussuchen kannst, aber die du annehmen und mit der du leben kannst.

Ich war nicht dabei, als Luther sich in ei­nem erbitterten Kampf mit den deutschen Fürsten durchsetzte und die erste Über­setzung der Bibel in deutscher Sprache veröffentlichte. Ich war auch keiner der Missionare, die in den großen Missions­wellen, besonders von Ostdeutschland aus, in die ganze Welt aufbrachen und viele Völker evangelisiert und nachhaltig verändert haben. Ich habe das beeindru­ckende und weltweit wohl einzigartige Wirtschaftswunder nur im Geschichts­unterricht kennen gelernt und habe auch nicht zu den Trümmerfrauen gehört, die das Land nach den Kriegsjahren wieder aufgebaut haben. Die deutsche Einheit und der Mauerfall sind erste bewusste Er­innerungen aus der Kindheit, da meine Eltern wegen einer Nachricht im Fernse­hen weinten.

Du hattest mit all diesen Entwicklungen und Ereignissen auch nichts zu tun? Dann geht es dir wie mir. Aber obwohl ich nicht dabei war, empfinde ich dennoch Stolz, wenn diese Themen zur Sprache kom­men. Wir sind Erben der Geschichte un­seres Volkes, positiv wie negativ!

Auch heute und ganz aktuell gibt es noch viele Dinge, die mir einfallen, wenn ich daran denke, worauf wir Deutschen stolz sein können. Wir bauen die weltbesten Autos, wir gehören in der Chemie- und Rüstungsindustrie zur Weltspitze, kön­nen uns trotz lahmender Inlandskon­junktur noch immer Exportweltmeister nennen und brauen zudem noch das beste Bier (und trinken auch das meiste davon). Das Oktoberfest gehört zu den größten Volksfesten der Welt, unsere Fußball-Na­tionalmannschaft wurde 2003 Weltmeis­ter (Frauen), und auch die Männer waren 2002 Vize-Weltmeister. Papst Benedikt ist deutsch, ebenso wie viele Führungs­kräfte weltweit, die in Verantwortung ste­hen. Der Name der Stadt Hamburg ziert ein höchst populäres »Sandwich«; der Berliner ist ein bisschen süßer. Ergänzend vertreten der Nürnberger Stollen oder die Frankfurter Würste die deutschen Städte nicht nur kulinarisch weltweit. Unser So­zialsystem zählt zu den besten der Welt, ebenso wie die hohe Spendenbereitschaft, die sich in Deutschland bei Katastrophen immer wieder zeigt.

Die deutschen Tugenden sind weitläufig bekannt und werden besonders dann wie­der zum Thema, wenn die deutsche Nati­onalmannschaft nicht schön gespielt, aber doch gewonnen oder zumindest nicht ver­loren hat. Kampfgeist und Ausdauer, Dis­ziplin, Konsequenz und Zuverlässigkeit –positive (oder zumindest neutrale) Ei­genschaften, für die unser Volk bekannt ist und die ganz sicher be­gehrt sind. Noch einmal auf das Beispiel Fuß­ball zurück: Viele deutsche Trainer trainieren auslän­dische National­mannschaften –warum? Weil man erwartet, dass ein Deut­scher diese Tu­genden echt und leibhaftig vermit­teln kann. Bestes Beispiel hierfür ist Otto Rehha­gel und der völ­lig überraschen­de griechische Europameistertitel 2004. Hierbei geht es nicht darum, die Welt am deutschen Wesen genesen zu lassen, son­dern darum, dir positive Qualitäten unse­res Volkes bewusst zu machen.

Aber warum Nationalstolz?
Wenn du dich nur an dem Wort stößt, dann vergiss dieses Wort! Mir geht es da­rum, dir klarzumachen, dass du Teil eines Volkes bist. Du konntest dir nicht aus­suchen, wo du geboren wirst und welche Nationalität deine Eltern haben. Du hat­test also letzten Endes keine echte Wahl, zu welchem Volk du von Geburt gehören wolltest. Aber ebenso wie du dein Ausse­hen akzeptieren und annehmen musst, so ist auch die Annahme deiner Nationalität Voraussetzung dafür, dass du deine echte Identität findest. Du musst dein Erbe ak­zeptieren, denn es gehört zu dir!

Ich liebe mein Land und ich bin Gott aus vollem Herzen dankbar dafür, dass er mich hierher gesetzt hat. Es ist richtig, dass nicht alles perfekt ist in Deutsch­land, dass es Makel gibt und auch Punkte, auf die man nicht stolz sein kann (wie beispielsweise das BILD Niveau, das unser Land beherrscht, o. a.). Aber die Liebe für mein Land überdeckt die Makel und die Fehler. In Gottes Augen bin ich – und ebenso auch mein Volk – wertvoll und von ihm geliebt. Ich will ein History­maker werden, einer, der Ge­schichte schreibt, ein Mensch, dessen Leben für ein verant­wortungsvolles und echtes Christsein steht, der durch sein Sein und Tun dieses Land verändert.

Lass dich herausfordern, dein Land zu lieben, in Fürbitte für es einzustehen und mit anderen dafür zu kämpfen, dass es Deutschland und jedem Einzelnen in die­sem Land besser geht und eine echte Be­gegnung mit dem Vater stattfindet!

»Noch einmal zurück zu den Philippinen: Ein Junge aus unserem Team hatte aus echter Liebe zu seinem Land die deutsche Fahne dabei. Diese haben wir in jeder Unterkunft gehisst und so immer unter der deutschen Fahne geschlafen … Die Philippinos waren begeistert! ///