Heft 23

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Die Autorin

Sibille Tschanz ist mit Stephan verheiratet. Zusammen leben sie in Bern und sind gerade dabei, den Lehr- und Trainingsdienst »crosswise« aufzubauen (mehr unter www.crosswise.ch).

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Kolumne

Slow Down

Tagebuchauszug: Sommerferien, Datum und Tag vergessen, jegliches Zeitgefühl verloren

// So, endlich habe ich Ferien! – Das hat jetzt wirklich gedauert. Komisch, dass Ferien oftmals noch mehr Stress auslö­sen, als ich bereits habe … Ein kluger Kopf hat mal gesagt, dass die Autostaus nur deshalb »erfunden« wurden, weil ein Stau eigentlich genau das auslöst, was der Mensch unter Ferien versteht und dann doch nicht tut, nämlich verlangsamen.

Stau hin oder her, ich bin nun also mit meinem Mann in einem Bergdorf und habe bereits festgestellt, dass ich einiges vergessen habe. Bin schon wieder damit beschäftigt, mir zu überlegen, wie ich feh­lende Luxusgüter möglichst schnell und billig anschaffen kann. – Aber eben, es ist ein Bergdorf und Zugang zu eben jenen Gütern habe ich nicht.

Ferien. Wohl verdient, lang ersehnt, end­lich da. Meistens bin ich in den Ferien so bescheuert, dass ich Gott zu Hause ver­gesse. Da reise ich ausgepowert in die Fe­rien und unternehme dann so viele Din­ge, dass absolut keine Zeit für Gott bleibt, wo doch er eigentlich wahre Erholung ge­ben kann …

Finde manchmal, Gott ist schon echt ein armer Kerl. In den Ferien habe ich un­glaubliche Angst, was zu verpassen, wenn ich mich zu lange mit Gott hinsetze. Renne dann wie von einer Biene gesto­chen aus dem Bett, um den Tag so rich­tig auszukaufen (im menschlichen Sinne, wohlverstanden!), und falle am Abend erschöpft zurück ins Bett. Erholen und herunterfahren tue ich selbstverständlich auch dann nicht, nein, ich blättere wie irr in irgendwelchen Prospekten herum, um den nächsten Tag möglichst dicht mit Ausflugszielen zu planen.

Habe ich keine Ferien, dann nehme ich mir auch keine Zeit für Gott, weil ich es besser finde, wenn, dann richtig viel Zeit mit ihm zu verbringen – und dazu sind ja die Ferien da, nicht wahr?

Ja, und dann leben wir – gehe davon aus, dass ich nicht die Einzige bin – so dahin als Kinder eines Gottes, den wir kaum kennen, und tun großartige Dinge für ihn. Geht dann etwas gehörig in die Hose, jammern wir herum und beklagen uns bei ihm, als hätte er jemals die Chan­ce gehabt, wirklich zu uns zu sprechen.

Nun gut, zu meiner eigenen Beruhigung sieht es ganz so düster in meinem geist­lichen Leben mit Jesus nicht aus, denn: Ich habe einen Mann! Und dieser Mann liebt das Wort Gottes. Bin mir übrigens ziemlich sicher, dass Gott genau wusste, dass ich alleine zu blöd bin, sein Wort zu verstehen, und es ein Zeichen seiner Liebe zu mir ist, dass er mir einen Bibel­liebhaber an die Seite gestellt hat. Und so kommt es, dass ich doch eigentlich recht viel Zeit mit Gott verbringe und mir das mittlerweile auch sehr Spass macht. Ich meine, schlafen kann ich ja nicht mehr, wenn dieser penetrante Wecker mir in die Ohren plärrt und mein Mann auf der an­deren Seite des Bettes sein Morgengebet anstimmt.

Diese Ferien sind anders. Gott hat das su­per arrangiert. Wir wollen nämlich seine Stimme hören und mit ihm zusammen sein und es scheint wirklich, als wäre das der ideale Ort dazu. Hier, eingekesselt zwischen Bergen, in einem Ort, den man in 10 Minuten gesehen hat, und, ganz wichtig, bei den eher schlechten Wetter­verhältnissen ist es gar nicht mal so au­ßergewöhnlich, viel Zeit mit Gott zu ver­bringen.

Ich bin jedenfalls gespannt, was er spre­chen wird …

Setz dich doch jetzt gerade mal wieder hin mit deinem Gott. Oder glaubst du etwa nicht, dass er sprechen wird? Viel­leicht hätte er zu vielem in deinem Leben sehr viel zu sagen?

Nun, ich kann dir nicht versprechen, dass dir alles gefallen wird, was er sagen wird. In unseren Ferien hat Gott auch Dinge angesprochen, die ziemlich mühsam wa­ren und auch nicht gerade den Jubel in uns freisetzten. Aber wir tun gut daran, uns nicht zu verhärten, wenn er mal was Unangenehmes spricht.

Vertraue Gott, dass er es wirklich gut meint und seinem Sprechen auch seine Gnade folgen wird.

»Deshalb, wie der Heilige Geist spricht: ›Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht …« (Hebräer 3, 7+8) ///