Heft 24

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Die Autorin

Franziska Arnold kommt ursprünglich aus Thüringen und studiert derzeit in Berlin Englisch und Deutsch auf Lehramt sowie Hindi. Sie kann sich für Vielfalt, Farben, Worte, Kinder, Nationen, Kulturen, Sprachen, Schöpfung und (weil sich das für jemanden, der in einer solchen Zeitschrift schreibt, einfach gehört) Jesus begeistern.

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Lyrik

Normal

Kann ich mit dir reden? – Einfach so.
Ohne Eisenbahnschienen und Einbahnstraßen.
Hören, wie es dir geht.
Ohne Gräber überschallen zu müssen und aufzupassen, nicht auf Knochen zu treten.
Darf ich fragen, wo du herkommst?
Ohne Grausames zu erwarten.
Ohne in deiner Geschichte in ekelhaftesten Rollen meine Verwandten zu entdecken.
Kann ich dich anschauen? – Nur mal sehen.
Ohne zu denken: Hakennase und dabei gleich Hakenkreuz.
Darf ich herkommen, wo ich herkomme?
Ohne dass es dir einen kalten Schauer den Rücken hinabsendet.
Ohne dass sich in dir tausend Schwarz-Weiß-Bilder blitzschnell überlappen.
Kann ich dich besuchen?
Ohne mich rechtfertigen zu müssen.
Kann dein Vater an der Börse spekulieren oder Diamanten schleifen?
Ohne dass ich die Stirn runzle.
Kann ich blond sein und blauäugig?
Ohne dich zum Lachen zu bringen.
Kannst du meine Tageszeitung lesen?
Ohne Argwohn.
Dürfte ich dir sagen, woran ich glaube?
Ohne dass du Häuser brennen siehst.
Darf ich deine Sprache erlernen?
Ohne mir Schuldkompensation vorwerfen zu lassen.
Kann ich dir meine Familie vorstellen?
Ohne dass du dunkle Vermutungen anstellst.
Dürfte ich dir einen Botschafter schicken, der nicht mit Steinen beworfen wird?
Und könnte mein Präsident in deinem Parlament ein paar Worte loswerden?
Ohne dass seine Muttersprache geächtet wird.
Können wir uns mal zusammensetzen?
Ohne Berührungsängste.
Ohne Schauergeschichten.
Ohne Klärungsbedarf.
Kann ich die Bilder ausschalten und das Bedürfnis, dich und mich erklären zu müssen?
Ich könnte genauso gut fragen:
Kann ich aufhören, dort geboren zu sein, wo ich geboren bin?
Und ebenso müsste ich dich bitten:
Deine Herkunft abzulegen wie einen alten Mantel. ///