Heft 24
Der Autor
Johannes Sturm ist Studienleiter bei Destiny Design und einer der Ältesten von People Movement, einem Team, das vor allem Kindern und Jugendlichen der Stadt Meiningen dient. Sein Anliegen ist es, Leiter auszubilden, die wissen, was sie tun, und die leidenschaftlich mit Jesus unterwegs sind.
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Heftthema
Singles in der Bibel
// Manchmal ist es gar nicht so leicht, in der Bibel genau diejenigen Dinge zu finden, die man finden will. Dabei sind wir doch in der Regel, was den literarischen Zusammenhang und den kulturellen Kontext einer Bibelpassage angeht, als pragmatisch denkende und Predigtstoff erheischende Jesusnachfolger durchaus zu Zugeständnissen bereit … Manche Themenkomplexe werfen aber bei näherer Betrachtung doch unbequeme Fragen auf, die eine tiefer gehende theologische Auseinandersetzung scheinbar unumgänglich machen. Das Lebenskonzept »Single« ist so ein Fall. Denn wenn man die Bibel so liest, kann sich einem schon die Frage stellen, ob es ein »Singledasein«, wie wir es heute kennen, auch schon zu Zeiten von Adam, Noah, Abraham, Mose, David, Jesus, Paulus oder Timotheus verbreitet war. Schweigt die Bibel zu diesem Thema oder gibt es doch den ein oder anderen Anhaltspunkt? (Wenn du weiter liest, gehörst du bald zum erlauchten Kreis der RACE-Leser, die mehr wissen.)
Beginnen wir also mal ganz von vorn. Gott macht den ersten Menschen, Adam. Nur wenige Zeit später sagt er dann: »Es ist nicht gut, dass der Mensch (heb.-wörtlich: der Adam) allein ist.« (1. Mose 2,18) Der erste Mensch sollte also kein Singledasein führen, was ja der Ausbreitung der Menschheit auch durchaus zuträglich war. Das erste Buch Mose fährt dann fort, Familiengeschichten (Elberfelder: »Geschlechterfolgen«; 1. Mose 5,1; 6,9; 10,1 u. ö.) zu erzählen: Noah, Abraham, Isaak, Jakob und seine Söhne – kein Wort davon, dass jemand ganz bewusst als Single gelebt hat. Am ehesten könnte man Josef noch in einer solchen Rolle sehen, bis er der zweite Mann Ägyptens wurde und heiratete. Allerdings hatte er sich sein Singledasein bis zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst selbst verordnet, sondern war gezwungen, als Gefangener und später als Diener des Potiphar, ehelos zu leben.
Das zweite Buch Mose berichtet von Mose und Aaron – beide verheiratet. Auch Älteste und Priester des Volkes Israel waren verheiratet, und nicht einmal der Hohe Priester hatte ein abgesondertes Singledasein zu führen. Auch Samuel, von seinen Eltern Gott geweiht und dann später erfolgreich Richter und Prophet in Israel, blieb nicht ledig, denn in 1. Samuel 8,1 werden seine Söhne erwähnt.
Eine erste Spur von Singledasein findet sich bei der Erwähnung von Mirjam, der Schwester von Mose und Aaron, die als »Prophetin« bezeichnet wird (2. Mose 15,20). Interessanterweise wird sie auch in 1. Chronik 4,29 erwähnt, mitten in der Aufzählung aller männlichen Nachkommen Levis: »Und die Söhne Amrams: Aaron und Mose; und Mirjam. Und die Söhne Aarons: Nadab und Abihu, Eleasar und Itamar …« Mirjam wird sonst nur im Zusammenhang mit Mose und Aaron erwähnt, von daher wäre es möglich, dass sie nicht verheiratet war, sondern in der Großfamilie von Mose und Aaron mitlebte und ihrer Berufung als »Prophetin« nachging.
Danach wird es in der Bibel erst einmal sehr ruhig, was unser Thema anbelangt, denn bei David oder Salomo kann man ob ihrer Frauenfülle nicht gerade von Singledasein sprechen – wenn auch im Falle Salomos eine Parallele zur heutigen Zeit gezogen werden könnte: Salomo musste sich an keine seiner unzähligen Frauen wirklich fest binden, sondern konnte je nach Belieben seinen Gelüsten freien Lauf lassen. So leben auch heute manche Singles eine Partnerschaft nach der anderen, wie es gerade in ihr egozentrisches Lebenskonzept passt. Ein solches Lebenskonzept ist der Bibel aber insgesamt mehr als fremd.
Ein gewisses Singledasein führte sicherlich der Prophet Elia; zumindest wird nirgendwo erwähnt, dass er Frau oder Kinder hatte. In seinem prophetischen Dienst hatte er stark mit Einsamkeit zu kämpfen, manchmal auch mit Schwermut und Angst, weil die gottlose Isebel, die Frau König Ahabs, ihn töten wollte (1. Könige 19,2). Später gesellt sich dann Elisa als Diener (und berufener Nachfolger) zu Elia, sodass er ab diesem Zeitpunkt einen gemeinschaftlichen Lebenskontext hatte, evtl. sogar gemeinsam mit weiteren Prophetenjüngern, die aber erst im Zusammenhang mit Elisa erwähnt werden (2. Könige 2,15).Elisa dürfte ehelos geblieben sein; Nachkommen werden bei der Erwähnung seines Todes (2. Könige 13,20) jedenfalls keine erwähnt. Man kann aber wohl davon ausgehen, dass er in irgendeiner Weise kommunitär mit mehreren Prophetenjüngern zusammenlebte, von denen einige auf jeden Fall verheiratet waren (vgl. 2. Könige 4,1; 6,1; 9,1) – was zeigt, dass eine prophetische Berufung nicht automatisch auch Ehelosigkeit bzw. Singledasein bedeutete.
Wohl ziemlich sicher blieb der Prophet und mehrmalige Minister Daniel Zeit seines Lebens ehelos. Jedenfalls werden in allen Erzählungen sein vorbildlicher Charakter, sein konsequentes Leben mit Gott, seine Weisheit, sein Einblick in die unsichtbare Welt und seine Führungsqualitäten hervorgehoben; auf seine Familie (Frau, Kinder, Nachkommen) wird nirgendwo Bezug genommen.
Die Erwähnung von Jeremias Ehelosigkeit ist sehr interessant, wird sie doch von Gott selbst angeordnet (Jeremia ist die einzige Person in der Bibel, von der dies so direkt berichtet wird). Singledasein bzw. Ehelosigkeit ist damit letzten Endes nicht Jeremias freie Wahl: »Und das Wort des HERRN geschah zu mir: ›Du sollst dir keine Frau nehmen und weder Söhne noch Töchter haben an diesem Ort.‹« (Jeremia 16,1-2) Und Jeremia selbst war nicht immer glücklich mit seinem Alleinsein und klagte in seiner tendenziell depressiven Art auch Gott sein Leid: »Nie saß ich im Kreis der Scherzenden und war fröhlich. Wegen deiner Hand saß ich allein …« (Jeremia 15,17)
Und wie war das bei Jona? Könnte es sein, dass er sich gerade verliebt hatte, als Gott ihm auftrug, nach Ninive zu gehen? Und dass er dann später in Ninive erst recht beleidigt und sauer auf Gott war, als er auch noch seine geliebte Pflanze verlor? (*Spaß*)
Ein Zwischenfazit: »Ehelosigkeit wird im Alten Testament als schmachvoll gewertet (vgl. Jesaja 4,1): Sie ›gilt als Schande, ist doch mit ihr dem Menschen versagt, ein ganzes Leben zu verwirklichen‹ … Ein hebr. Wort für ›Junggeselle‹ gibt es nicht.«1
Im Neuen Testament begegnet uns zuerst Johannes der Täufer. Wie schon so oft im AT, so wird auch hier nicht explizit gesagt, dass er ehelos lebte, auch nicht in den Prophezeiungen über ihn (Lukas 1,13-17). Dennoch kann man wohl annehmen, dass er – zumindest ab dem Zeitpunkt, als er seinen öffentlichen Dienst antrat – ehelos lebte, evtl. auch in gewisser Weise kommunitär mit seinen engsten Anhängern/Jüngern, wie schon Elia und Elisa. Das Konzept wäre hier also (ein freiwilliger?) Verzicht auf Ehe, um sich voll und ganz Gott und der starken prophetischen Berufung hinzugeben.
Und nun endlich ein ganz klarer Fall: Jesus. Er blieb sein ganzes Leben lang ledig. Es ist aber von der damaligen Kultur her anzunehmen, dass er im väterlichen Betrieb mitarbeitete und wohl auch im Haushalt seiner Eltern mitlebte, bis er mit etwa 30 Jahren öffentlich als Rabbi auftrat und Zeichen und Wunder tat. Wie schon gesagt, lebte Jesus wohl nicht in einem Singlehaushalt; und als er öffentlich auftrat, lebte er gemeinschaftlich oder kommunitär mit seinem 12er-Jüngerkreis. Von daher ist sein Singledasein absolut nicht vergleichbar mit der oft starken Beziehungsarmut der Singles in unserer Gesellschaft; denn ein relativ isolierter Lebensstil, vergleichbar dem vieler Singles heute, war damals soziologisch betrachtet kaum denkbar; Familie, Verwandtschaft, Nachbarschaftsbeziehungen, Freundschaften waren zur Zeit Jesu wohl ein so hoher Wert wie es heute die persönliche Unabhängigkeit ist. Von daher kann Jesus vielen Singles heutzutage schon als Vorbild dienen, weil er es geschafft hat, ohne eine Partnerin voll und ganz gesättigt und innerlich ausgeglichen zu sein. Sicherlich durch seine intensive Beziehung zu Gott, seinem Papa (wörtlich »Abba«), sicherlich aber auch durch die engen Beziehungen zu seinen Jüngern, durch Zeiten der Ruhe und ganz bestimmt auch durch die Naturerlebnisse auf seinen zahlreichen Wanderungen – Jesus wusste, was er wann brauchte, was seiner Seele und seinem ganzen Sein insgesamt gut tat und wie er das jeweils bekam. Er schaffte es, zur richtigen Zeit zu dienen und sich auch rechtzeitig zu verabschieden und die Menschen auch mal Menschen sein zu lassen, wenn er selbst Ruhe brauchte (vgl. Lukas 4,43).
Von daher ist er auf alle Fälle ein geniales Vorbild, was die ausgeglichene Lebensführung betrifft. Und doch hatte er nicht wirklich dieselben Probleme und Herausforderungen wie viele Singles heute, weil das Beziehungsnetz damals eben noch wesentlich enger geknüpft war. Jesus thematisiert aber immerhin das Thema Ehelosigkeit in Matthäus 19,10-12 (Gute Nachricht): »Da sagten seine Jünger zu ihm: ›Wenn es zwischen Mann und Frau so steht, sollte man lieber gar nicht heiraten.‹ Aber Jesus antwortete: ›Was ich jetzt sage, können nicht alle verstehen, sondern nur die, denen Gott das Verständnis gegeben hat. Es gibt verschiedene Gründe, warum jemand nicht heiratet. Manche Menschen sind von Geburt an eheunfähig, manche – wie die Eunuchen – sind es durch einen späteren Eingriff geworden. Noch andere verzichten von sich aus auf die Ehe, weil sie ganz davon in Anspruch genommen sind, dass Gott jetzt seine Herrschaft aufrichtet. Das sage ich für die, die es verstehen können.‹« – Interessant dabei ist, dass Jesus Ehelosigkeit nicht abwertet, sondern Ehelosigkeit um des Reiches Gottes willen erstmals als Lebenskonzept neben der Ehe formuliert und stehen lässt. Das große Bibellexikon bemerkt dazu treffend, dass die Art der Ehelosigkeit, die Jesus meint, sicherlich »nichts zu tun hat mit Leibfeindlichkeit oder asketischer Verkrampfung«2.
Und wie steht es mit Paulus? In der Regel geht man ja einfach davon aus, dass er sein ganzes Leben lang ledig war. Es gibt aber auch Stimmen, die propagieren, er sei sehr wahrscheinlich verheiratet gewesen, seine Frau sei aber wohl schon recht früh gestorben; denn nur eine solche Situation würde seinen tiefen Einblick ins Eheleben erklären … Wie dem auch sei – Paulus hat jedenfalls zum Thema Heiraten oder Ledigbleiben einiges zu sagen. Ich beschränke mich hier einmal auf seine Aussagen in 1. Korinther 7,1.2.7-9.32-35 (Gute Nachricht): »Nun aber zu dem, was ihr geschrieben habt! Ihr sagt: ›Das Beste ist es, wenn ein Mann überhaupt keine Frau berührt.‹ Ich dagegen sage: Damit ihr nicht der Unzucht verfallt, soll jeder Mann seine Ehefrau haben und jede Frau ihren Ehemann … Allerdings wäre es mir lieber, wenn alle ehelos lebten wie ich. Aber Gott gibt jedem Menschen seine besondere Gnadengabe. Den einen gibt er diese, den andern eben andere. Den Unverheirateten und den Verwitweten sage ich: Es ist am besten, wenn sie meinem Vorbild folgen und allein bleiben. Aber wenn ihnen das zu schwer fällt, sollen sie heiraten. Das ist besser, als wenn sie von unbefriedigtem Verlangen verzehrt werden … Ich möchte, dass ihr frei seid von falschen Sorgen. Wenn einer unverheiratet ist, sorgt er sich, so zu leben, wie es dem Herrn gefällt. Aber wenn einer verheiratet ist, sorgt er sich um die Dinge der Welt, nämlich wie er seiner Frau gefällt. So zieht es ihn nach zwei Seiten. Ebenso ist es mit der Frau: Wenn sie unverheiratet ist, ist sie darum besorgt, mit ihrem ganzen Tun und Denken dem Herrn zu gehören. Wenn sie dagegen verheiratet ist, sorgt sie sich um die Dinge der Welt, nämlich wie sie ihrem Mann gefällt. Ich sage das nicht, um euch zu bevormunden, sondern weil ich euch helfen will. Denn ich möchte, dass ihr ein anständiges Leben führt und beharrlich und ungeteilt [Elberfelder: ohne Ablenkung] dem Herrn dient.«
Wie Jesus, so kennt also auch Paulus beide Lebenskonzepte: Ehe und Ehelosigkeit. Beide stehen wertfrei nebeneinander, und wenn Paulus auch sein Lebenskonzept besonders herausstellt (da es für ihn weniger Ablenkungen zu beinhalten scheint), so hat er doch die Weite, anzuerkennen, dass nicht alle Menschen so gestrickt sind wie er und Jesus als Verheiratete sogar noch besser nachfolgen können als Ehelose oder Singles. – Das ist für mich eine sehr wertvoller und wichtiger Punkt: Es ist also völlig in Ordnung, Single zu sein, und Gott hat kein Problem damit, wenn du Single bist. Es ist aber genauso in Ordnung, verheiratet zu sein, mit allem, was dazugehört; auch damit hat Gott kein Problem. Problematisch wird es in beiden Fällen erst da, wo wir nicht mehr auf Jesus fokussiert sind.
Sicherlich gibt es noch den ein oder anderen Alleinstehenden/Ehelosen/Single in der Bibel, den ich hier nicht erwähnt habe, das macht aber nichts, da – wie bereits erwähnt – unser heutiges Lebenskonzept »Single« ohnehin nicht eins zu eins übertragbar ist. Zum Weiterdenken deshalb abschließend die folgenden Fragen: Welche zentralen Probleme unserer heutigen Singlegesellschaft würden sehr schnell relativiert werden, wenn wir daran arbeiten würden, unser Beziehungsnetz (gerade als Nachfolger von Jesus) wieder enger zu knüpfen? Was könnte darin deine Aufgabe sein? ///
1 Werner Neuer: Ehe. In: Helmut Burkhardt u. a. (Hrsg.): Das große Bibellexikon. 1. Taschenbuchausgabe, Wuppertal: R. Brockhaus Verlag, Gießen: Brunnen Verlag, 1996, S. 436 f.
2 Werner Neuer: Ehe. In: Helmut Burkhardt u. a. (Hrsg.): Das große Bibellexikon. 1. Taschenbuchausgabe, Wuppertal: R. Brockhaus Verlag, Gießen: Brunnen Verlag, 1996, S. 439.

