Heft 25

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Die Autorin

Sibille Tschanz ist mit Stephan ver­heiratet. Zusammen leben sie in Bern und sind gerade dabei, den Lehr- und Trainingsdienst »crosswise« aufzubauen (mehr dazu unter www.crosswise.ch).

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Kolumne

Radikal sein für Gott

Tagebuchauszug vom 01. April 2006

// Gott hat mir wieder mal eine Lektion verpasst. Das hört wohl nie auf. Irgend­was muss ich immer lernen. Habe ich eine Sache gerade mal kapiert, steht die nächs­te schon an.

Mein Mann Steff und ich treffen uns re­gelmäßig mit Freunden und stellen dort einander gerade unsere Leben vor. Klar, dass da so einiges zusammenkommt und ich natürlich abgetaucht bin in der Ver­gangenheit.

Habe was Interessantes bemerkt. Ich woll­te nie so werden wie ich jetzt bin! Hä? Sehr entmutigend! Da strengst du dich an, da­mit du nicht wirst, was du nicht werden willst und dann macht dich Gott genau zu dem! Als Christenkücken hatte ich so meine eigene Vorstellung von einem radi­kalen Leben für Jesus. Ich sah mich mutig und gefährlich durch die Lande streifen. Von vielen gehasst, aber doch insgeheim von allen bewundert. Ich wollte eine Hel­din sein für Gott, eine Frau wie keine zweite die Welt gesehen hat.

Alle, die nicht so lebten, waren für mich langweilige Lauwarmchristen. Pfui. Ich nicht! Ich gehörte zu jenen, die wirklich noch für den Herrn leben.

Gott versucht mir gerade zu zeigen, was leben für ihn auch noch heißen könnte. Leben heißt auch genießen, sich ausdrü­cken, sich freuen, faulenzen, herumhän­gen. Leben ist nicht das, was übrig bleibt, wenn man die sinnlichen und genussvollen Momente wegstreicht. Leben ist nicht die Summe aller Leistung. Leben ist umfas­sender, weiter und – jupidu – viel schöner.

Leben hat auch etwas mit Sein zu tun. Sein vor Gott. Schön sein für Gott. Ge­nießen mit Gott.

Ich lebe neuerdings auch im Kino für den Herrn, beim Hip-Hop, wenn ich fa­natisch Autos fotografiere. Schon schräg so was. Genau das taten diese lauwarmen Christen auch, die ich so sehr verachtete. Vielleicht waren sie mir eben doch einen Schritt voraus. Wer weiß?

Habe jedenfalls gemerkt, dass es oft jene Zeiten sind, in denen Gott zu mir spre­chen kann. Ist doch so: Vor lauter ackern und voranpreschen sind wir für Gott oft unzugänglich. Er wartet dann bis wir eine Verschnaufpause einschalten und einfach mal sind, damit er uns seine Sicht der Dinge aufzeigen kann.

Und was ist mit all deiner Zeit, in der du nicht für den Herrn lebst? Könnte es sein, dass er gerade an jenen Zeiten sehr viel Interesse hat? Diese Momente, in denen du mal etwas total Menschliches machst, oder eben gar nichts? In denen du deinem Hobby frönst oder faul herumhängst?

Meinst du, dass Gott nur an deiner geist­lichen Zeit interessiert ist und alles andere für ihn keine Bedeutung hat? Ist ein Voll­zeit-Christ nicht vielmehr einer, der sein ganzes Leben als von Gott gegeben versteht und in dem Bewusstsein vor Gott lebt?

Ich wünsche dir in diesem Sinne ein radi­kales Sein mit deinem Schöpfer. ///