Heft 25

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Der Autor

Dr. rer. pol. Thomas Giudici (43), Studium der Wirtschafts-wissenschaften, 1992 zum Finanzchef des Kantons Basel-Stadt berufen, seit 1996 selbstständiger, international gefragter Unternehmensberater, Referent zu wirtschaftsethischen Themen (www.giudici-consulting.ch). Thomas Giudici hat ein Buch zum Thema geschrieben (www.preisdesgeldes.net) und gibt auch zwei Newsletter zum Thema heraus (http://www.fortune-fax.net und www.mammon-fax.net).

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Heftthema

Zu wenig Geld haben wir immer genug

// Wo auch immer ich hinkomme, mit wem auch immer ich spreche, überall höre ich, dass das Geld knapp ist. Besonders er­staunt mich, dass dies für christliche Krei­se noch mehr zu stimmen scheint als für alle anderen. In meinen Augen ein totaler Widerspruch zu den Aussagen der Bibel, wonach wir uns wegen alltäglicher Dinge wie Essen, Trinken und Kleidung nicht sorgen sollen, weil unser Vater im Himmel genau weiß, was wir benötigen. Da stellt sich doch die Frage, was hier schief gelau­fen ist und vor allem: Was ist zu tun?

Wie viel Geld ist genug?
Das Problem des knappen Geldes ist ein­fach zu lösen, denn wir haben nur zwei Handlungsmöglichkeiten: entweder mehr Geld verdienen und/oder weniger aus­geben. Im Normalfall ist die erste Mög­lichkeit nicht einfach zu realisieren. Viele können ihre Einnahmen nicht steigern. Und aus meiner Sicht empfiehlt es sich für die meisten Menschen auch nicht, noch mehr zu arbeiten, denn sie haben bereits heute zu wenig Zeit für Erholung, Familie, Beziehungen oder ehrenamtliche Tätigkeiten.

Somit bleibt also nur, weniger auszuge­ben. Um das realisieren zu können, müs­sen wir eine Frage beantworten: Welche Bedürfnisse habe ich bzw. wie viel Geld brauche ich, um meine Bedürfnisse zu be­friedigen? Zunächst gilt festzustellen, dass es einen großen Unterschied gibt zwischen dem, was wir benötigen und dem, was wir für nötig halten. Mit Sicherheit erachten wir in den westlichen Wohlstandsgesellschaften mehr für nötig, als tatsächlich lebensnotwendig ist. Dies liegt daran, dass wir seit dem ersten Saugen an Mut­ters Brust ununterbrochen und auf tau­send verschiedene Arten eine Botschaft hören: Mehr ist immer besser! Und diese Botschaft fällt auf guten Boden, denn in unseren Herzen sind Habsucht und Gier tief verwurzelt. Wir wollen immer mehr! So sind wir bereit, viel zu leisten, um uns viel leisten zu können. Und wenn wir uns etwas nicht leisten können, steht ein Heer von Banken, Leasing- und Kreditkartengesellschaften bereit, um uns unsere Wünsche dennoch zu erfüllen.

In der Mammon-Falle
Und so beginnt der Teufelskreis: Wir wer­den ständig getrieben mehr Geld zu ver­dienen. Geldverdienen ist oft mit Mühsal, Ärger, Unfreiheit und einer Vielzahl von Opfern wie Lebenszeit und Gesundheit verbunden. Darum wollen wir viel kon­sumieren, um uns bei der Arbeit bei Lau­ne zu halten. Das Problem ist, dass wir uns nicht nur nicht alles leisten können, sondern auch auf immer mehr verzichten müssen, denn durch eine gigantische Mar­keting-Maschinerie werden in uns ständig neue Bedürfnisse geweckt. Die Unzu­friedenheit geht also nicht weg, sondern nimmt zu. Folglich versuchen wir durch Arbeit, Lotto, illegale Geschäfte, Kredite und Ähnliches mehr Geld zu bekommen, um doch noch mehr konsumieren zu kön­nen. Dadurch wird das Leben immer ein­seitiger auf das Geld ausgerichtet. Die in­nere Leere und die Unfreiheit nehmen zu. Der Teufelskreis beginnt von vorne.

So dreht sich bei den allermeisten Men­schen alles ums Geld. Alle lebenswich­tigen Entscheidungen werden – oft un­bewusst – aus der Geld-Perspektive entschieden: Welchen Beruf man ergreift, wen man heiratet, ob man teilzeitlich in einem diakonischen Dienst mitarbeitet oder vollzeitlich in die Mission geht. Al­les hängt vom Geld ab. Das Geld wird so schleichend zum Herrn im Leben. Das ist bei Christen, die eigentlich einem anderen Herrn dienen wollen und sollen, drama­tisch, denn »niemand kann zwei Herren dienen: entweder er wird den einen has­sen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon« (Matthäus 6,24). Kein Wunder, dass wir vom Alten bis ins Neue Testament vor dem Mammon gewarnt werden, der uns – wie vor uns auch Jesus – durch Geldversprechungen (Macht, Freiheit, Glück) oder Geldsor­gen, Schulden usw. vor sich in die Knie zwingen will. Mammon ist ein tödlicher Konkurrent zu Gott im Kampf um unser Herz und unsere Lebenszeit. Aber er ist kein Gott, sondern ein Fürst dieser Welt, ein Götze, der viele Opfer fordert und sei­ne Heilsversprechen nie einhält.

Wege in die finanzielle Freiheit
Wie können wir siegreich aus diesem Kampf hervorgehen? Was sind die Wege in die finanzielle Freiheit?

1. Ändern der Einstellung zum Geld. »Stellt euch nicht dieser Welt gleich, son­dern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Got­tes Wille ist« (Römer 12, 2). Es reicht bei Weitem nicht, fromm zu reden oder auch noch fromm zu handeln, sondern wir müssen auch fromm denken. Wir müssen die Lügen Mammons in unseren Herzen und Köpfen aktiv, laufend und radikal durch die biblischen Wahrheiten ersetzen: Gott versorgt uns mit allem, was wir be­nötigen. Wir benötigen nicht so viel, wie wir meinen. Mehr ist nicht immer besser. Geld macht nicht glücklich. Geld macht nicht frei. Jesus macht frei.

2. Zuerst trachten nach dem Reich Gottes. Gott hat uns natürliche und erworbene Gaben geschenkt, die er gerne durch sei­ne geistlichen Gaben ergänzt, und er will, dass wir alles für den Bau an seinem Reich einsetzen. Er will uns von unserem Beruf in seine Berufung führen. Dann werden wir Arbeiter Gottes und können berech­tigt von unserem Arbeitgeber erwarten, dass er uns alles gibt, was wir für die Er­füllung des Auftrages brauchen.

3. Gemeinschaftlich leben: Das gemein­schaftliche Leben ist wesentlich kosten-günstiger, als unser teurer, individualisti­scher Lebensstil etwa durch Arbeitsteilung, gemeinsames Nutzen von teuren Ge­brauchsgütern wie z. B. Autos, Werkzeuge und Waschmaschinen oder einfach weni­ger Quadratmeter Wohnfläche pro Person.

4. Leben nach dem Bedürfnisprinzip: Die Frage ist nicht, wie viel wir geben müssen (Stichwort ›Zehnter‹). Diese Frage ist Ausdruck des schon lange überholten alttestamentlichen Abgabeprinzips. Die­ses ist dadurch gekennzeichnet, dass das Volk Gottes in den weltlichen Berufen ar­beitet und Abgaben in den zentralen Tem­pel gibt, wo ein paar Auserwählte (›Voll­zeiter‹) die Beziehung zu Gott pflegen. Im Neuen Testament bilden die Nachfolger Christi selbst den Tempel Gottes und sind die königliche Priesterschaft. So gilt auch ein neues Finanzprinzip: das Bedürfnisprinzip. Wir müssen also definieren, wie viel wir lebensnotwendig brauchen und den Rest (an Geld oder Zeit) können wir für den Bau des Reiches Gottes einsetzen.

Welches ist nun der erste Schritt? Diese Frage kann für jeden anders beantwortet werden. Aber für uns alle gilt: In Bewe­gung bleiben in Richtung finanzielle Frei­heit, so dass wir unsere Mission auf dieser Erde erkennen und erfüllen können und nicht wertvolle Lebenszeit unnötig für Geldsorgen verbrauchen. ///

© Thomas Giudici