Heft 26

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Die Autorin

Sibille Tschanz ist mit Stephan ver­heiratet. Zusammen leben sie in Bern und sind gerade dabei den Lehr- und Trainingsdienst »crosswise« aufzubau­en und eine Familie zu gründen.

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Kolumne

Auf der anderen Seite der Bauchwand

Tagebucheintrag vom 01. August 2006

Hallo Kleines!

Da du nun hören kannst, schreibe ich dir eben mal ein paar Zeilen, die ich dir dann vorlesen werde. Mittlerweile kennen wir uns schon 19 Wochen. Ich habe zwar nicht unbedingt gemerkt, dass du da bist, aber festgestellt, dass in mir was abgeht habe ich sehr schnell. Die üblen Geschichten halt: Das Leben an der Kloschüssel und so. Irgendwann habe ich dich dann gese­hen, wobei ich zugeben muss, dass es rela­tiv viel Fantasie brauchte, in dem kleinen Etwas einen Menschen zu sehen. Lange warst du für mich einfach eine Realität, die ich nicht sehen konnte, die mir jedoch einiges abverlangte und meinen Organis­mus ganz schön auf den Kopf stellte.

Jetzt, wenn dein Papa und ich zum Dok­tor gehen, ist das ganz anders. Alles ist da, du bist total fertig, eine eigene Person, de­ren Wachstum ich nicht wesentlich beein­flussen kann. Du wächst, weil du dazu ge­schaffen bist, ganz ohne Zutun. Man hat mir auch gesagt, dass du nun sehr aktiv bist. Schlägst Purzelbäume und so. Nun, ich hoffe natürlich, dass du dich nicht in der Nabelschnur verfängst. Auch wenn ich dich immer noch nicht spüre, sieht man mir nun an, dass du da bist. (Es sei denn, man unterstellt mir ein­fach Verfressenheit.) Ich freue mich schon auf den Moment, wenn du da bist, auf der anderen Seite der Bauchwand, in unserer Welt.

Also eines ist sicher: Schwanger sein ist an­strengend. Alles stellt sich um, das ganze Empfinden ändert sich, und ich hätte mir das ehrlich gesagt ein bisschen romanti­scher vorgestellt. Ein schöner Vorzeige­bauch und ich als werdende Mama groß gefeiert, so was in der Art. Jetzt merke ich, dass mich vor allem die weniger angeneh­men Begleiterscheinungen einer Schwan­gerschaft bestimmen. Und mein Mann muss mich auch gerade ziemlich aushalten und zählt vielleicht insgeheim die Wochen bis der Normalzustand wieder eintrifft. Wobei er natürlich auch nicht so blöde ist, daran zu glauben, dass es diesen Zustand, den wir für normal hielten, jemals wieder geben wird. Neues Leben verändert altes. Das ist einfach so und das ist gut so. Beim vielen Ausruhen und Nachdenken merke ich dann, dass Jesus mal wieder Verwendung findet für meinen Zustand und mir etwas klar werden lässt.

Mein Leben mit Jesus gleicht nämlich auch einer Schwangerschaft. Es ist oft auch nicht so romantisch. Das geistliche Baby wächst zwar, aber sehen kann ich es nicht. Dafür geht bei mir so einiges ab und manchmal lösen diese Prozesschen auch so ein biss­chen Kloschüsselstimmung aus. Nun ja, immerhin lässt es mich hoffen: Irgendwann wird Gott sichtbar machen, was er an Frucht in mich gelegt hat und auf diesen Moment freue ich mich auch, ähn­lich wie ich mich freue auf unser Kind.

»Gott vertrauen heißt: sich verlassen auf das, was man hofft, und fest mit dem rechnen, was man nicht sehen kann.« (Hebräer 11, 1) ///

 

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