Heft 26

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Der Autor

Werner Finis (53) ist verheiratet, Va­ter von vier Kindern und lebt im Süd­schwarzwald. Er hat nach einem lang­jährigen therapeutischen Dienst bei De’Ignis den Wechsel zu CRESCEN­DO (Arbeitszweig von Campus für Christus) vollzogen und arbeitet dort unter klassischen Musikern.

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Heftthema

Ich (miss)brauche dich

Oder: Das Phänomen der Beziehungssucht

// Sind deine Beziehungen von einem ständigen Auf und Ab geprägt? Versuchst du mit aller Macht zu verhindern, dass dich jemand verlässt? Brauchst du, wenn eine Beziehung endet, ganz schnell eine neue, weil du ohne nicht leben kannst? Bist du in wichtigen Lebensbereichen von anderen Menschen abhängig (Geld, Zeit, Freizeitgestaltung)? Bestimmte Bedürfnisse sind vom Schöp­fer in dich installiert worden. Der Körper, die Seele und dein Geist haben Bedürf­nisse, für die festgelegte Befriedigungen geplant sind. Zum Beispiel entsteht bei Müdigkeit das Bedürfnis nach ausrei­chendem Schlaf. Eines deiner absoluten Grundbedürfnisse ist menschliche Nähe. Das Bedürfnis, Beziehung zu suchen und zu bekommen, liegt also sehr tief in jedem verborgen.

Warum entwickelt sich dann eine Sucht – diese Grube, in die du ganz viel Liebe reinschütten kannst und nichts hilft?
Wenn deine Bedürfnisse nicht gestillt werden, entsteht ein Gefühl der Enttäu­schung. Eine häufig wiederholte Enttäu­schung lässt dich innerlich kalt werden. Kaum etwas wird dieses entstandene emotionale Loch in der Zukunft stopfen können, weil es ohne Boden ist. Vielleicht hast du dich sogar auf die negative Erwar­tung festgelegt: Eigentlich mag mich kei­ner, wenn ich wirklich Ich selbst bin. Eine Einladung kriege ich nur, weil ich gute Stimmung verbreite oder wenn meine Begabungen und Fähigkeiten gebraucht werden.

Es entsteht eine Art Hass-Liebe: Du liebst deine Eltern, deine Freunde, du weißt, dass du sie brauchst, aber hasst dich sel­ber für dieses Bedürfnis, weil du deine Abhängigkeit spürst. Daraus wiederum resultiert der Wunsch dich zu lösen und Freunde und Familie von dir wegzu­stoßen. Die drohende Verlassenheit tut weh – die Hoffnung auf befriedigende Gemeinschaft versickert im Sand. Alles in dir schreit, sogar dein Körper kommt in Unruhe.

Sucht ist ein missglückter Versuch zur Selbstheilung!
Um dieses emotionale Loch, dieses De­fizit aufzufüllen, brauchst du andere Menschen. Du musst dir Ersatzlösungen schaffen. Brauchen und missbrauchen lie­gen jetzt sehr eng zusammen. Eine inten­sive Suche nach Nähe und das Bedürfnis, mal in den Arm genommen zu werden, sind gepaart mit wenig Aussicht auf dau­erhafte Beziehung.

Auf der Suche nach Trost lernst du mög­licherweise neue Leute kennen, vielleicht einen ›Vater- oder Muttertyp‹, vielleicht einen geborenen Helfer, jemanden, der gern tröstet. Plötzlich ist alles anders. Wow – wie gut das tut!? Endlich fragt mal jemand nach mir! Du wirst in bestimmte Kreise aufgenom­men, bekommst Aufgaben, die dir entspre­chen und kannst so richtig aufblühen. Der ganze eigene Mangel, deine Einsamkeit, ist vergessen, du lässt dich fallen, du investierst dich megamäßig. Kommst du in eine Grup­pe, in einen Kreis von Gleichgesinnten, so ist die Aussicht auf Trost noch viel höher.

Gerade als Christen fühlen wir uns ja zur Liebe verpflichtet – was für ein Paradies für Menschen, die übermäßig viele Kon­takte und Bestätigungen brauchen. »Bei euch ist es echt cool!« Hier werden alle umarmt, wir machen alles zusammen, wir haben nie Konflikte – jeder bekommt so­viel Nähe wie er braucht! Endlich kann ich mal das geben, was ich habe und wer­de auch dabei gesehen. »Gib alles, sei radikal!« tönt es aus den vielen geistlichen Kehlen um dich herum. Und so machst du dich abhängig – du gibst alles, damit du dazugehören darfst! Dein ganzes Denken dreht sich darum: Wie komme ich an?! Du lässt dich aus­plündern, gibst Dinge von dir weg, die dir früher viel bedeutet haben. Du hast nie gelernt Grenzen zu setzen und weißt auch jetzt noch nicht, wie du wichtige Be­reiche in dir schützen könntest. Dich in irgendeiner Form zu verweigern würde deine Freunde vor den Kopf stoßen. Dein Blick ist total eingeengt, deine Welt ziem­lich klein geworden. ‹br›Obwohl du alles gegeben hast, reicht es nicht aus, den inneren Mangel zum Schweigen zu bringen. So wie du maßlos gibst, erwartest du dasselbe von den ande­ren und überforderst damit die Beziehun­gen. Deine unerträgliche Sucht nach Be­stätigung, Nähe und Gebraucht-Werden ist für deine Freunde zur Last geworden. Was nun?

Gott hat einen Plan
Gott hat eine absolute Revolution für dei­ne ganze Weltsicht und dein ganzes Le­bensgefühl geplant. Stopp! Bist du schon soweit, dass du diese unbrauchbare Not­lösung, bei der du Menschen für deine in­nere Leere aussaugst, an den Nagel oder das Kreuz hängst? Stopp! Erst wenn du das geklärt hast, geht es hier weiter …

a. Heilung deiner Gefühle
Gott kann und will dir ein neues Fun­dament geben, indem er deinen inneren Mangel mit seiner Liebe füllt. So kön­nen deine Sicht von dir selbst und deine Beziehungen wieder in göttliche Bahnen kommen. Das Zentrum deines Denkens kann sich verändern, wenn du die Quel­le im Blick hast und nicht mehr deinen Mangel. Offenbarung 21, 6: »Wer durstig ist, den werde ich umsonst aus der Quelle trinken lassen, aus der das Wasser des Le­bens strömt.«

b. Gesunde Beziehungen
Gott hat uns in ein Beziehungssystem ge­stellt, das auf uns einen heilsamen Einfluss haben soll: Familie – Freunde – Gemeinde.

Die Familie ist das Beziehungsfeld, wel­ches am meisten umkämpft ist. Gerade in der Pubertät, in der Abgrenzung geübt werden muss, definieren sich die engsten Beziehungen ganz neu. Die Generationen entlassen sich gegenseitig aus den alten Rollen und lassen Ansprüche fallen. So­fern möglich, können sie sich gegenseitige Verletzungen vergeben. Aus der Abhän­gigkeit zu den Eltern wird ein partner­schaftliches Gegenüber.

Freundschaften werden zur selben Zeit immer wichtiger. In diesen Beziehungen geht es nicht mehr darum, jemanden zu benutzen und deinen Mangel auszufül­len, sondern es entsteht ein maßvolles Geben und Nehmen. Hier kannst du es dir erlauben, transparent zu werden, dich durchschauen zu lassen und zu deinen Fehlern zu stehen. Sprüche 27, 17: »Eisen wird an Eisen geschliffen; so schleift einer den Charakter des andern.«

Die Gemeinde wird zu einem Ort, an dem du nicht mehr Bestätigung durch Dienste suchst, sondern dich unbeküm­mert einbringen kannst, wie du bist. Dei­ne Gottesbeziehung verhindert, dass du andere Menschen ausnutzt. Was kannst du von Jesaja 58 im Bezug auf Abhängig­keit zu Menschen lernen? Die Verse 8-12 sprechen davon: Wenn du aufhörst, ande­re mit deinen Erwartungen zu bedrücken und Gott zu deiner Quelle machst, dann wirst du in deiner Persönlichkeit und Be­ziehungsfähigkeit heil und Beziehungen wieder gesund. ///

 

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