Heft 28
Die Autorin
Dr. Ute Horn ist Ärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten, seit 27 Jahren glücklich verheiratet und hat mit ihrem Mann Thomas sieben Kinder im Alter von 23 bis 11 Jahren. Seit mehreren Jahren besucht sie Schulen und Jugendgruppen, um mit jungen Menschen zum Thema Freundschaft, Liebe und Sexualität ins Gespräch zu kommen. Sie ist Autorin zahlreicher Bücher u.a. von ›Sehnsucht, Sex und frommer Frust‹, das seit August 2007 auf dem Markt ist.
Dieses Heft bestellen
Das komplette Heft bekommst du, in dem du es im Webshop bestellst.
Heftthema
Beziehungsweise Sex
Warum Gottes Weg Sinn macht
Liebe lernen
»Liebst du mich?« ist vielleicht die auf dieser Welt am häufigsten gestellte Frage und dabei wird sie oft nonverbal geäußert. Jeder möchte geliebt werden und von den ersten Tagen unseres Lebens an schreien wir nach Annahme, Liebe und Geborgenheit. Um Mensch zu werden, brauche ich Gemeinschaft und ein Gegenüber, denn erst im Spiegelbild des anderen kann ich mich erkennen. Nur wenn ich erlebe, dass ich liebenswert bin, werde auch ich fähig zu lieben. Jesus drückt es in 1. Johannes 4, 19 so aus: »Ich habe dich zuerst geliebt und zu mir gezogen und dadurch kannst du mich auch lieben.«
Drei und doch eins
Der dreieinige Gott lebt es uns vor, wie Gemeinschaft gelingt. Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist sind eins, trotz der Verschiedenheit ihrer Aufgaben. Jeder weist immer wieder auf den anderen hin und ehrt ihn. Gemeinsam beschließen sie in 1. Mose 1, 26: »Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleicht.« Findest du es nicht auch ermutigend, dass es aus Gottes Sicht möglich ist, dass Mann und Frau trotz der großen Unterschiedlichkeit eins werden können, weil wir sein Abbild sind und weil er seine Liebe in unsere Herzen gibt (Römer 5, 5)?
Selbstlose Liebe
Diese göttliche, durch den Heiligen Geist in uns lebende Liebe ist eine selbstlose Liebe, auch die Agape-Liebe genannt. Sie hat den anderen im Auge, will sein Bestes und möchte, dass er zu dem wird, zu dem er berufen ist. Sie stellt keine Ansprüche und setzt den anderen frei. Von dieser Liebe schreibt auch Paulus in 1. Korinther 13. In der Liebe des Nächsten fühle ich mich geborgen und kann mich entdecken und lieben lernen. Gottgewollt ist, dass Eltern die Aufgabe übernehmen, ihr Kind bedingungslos zu lieben, es zu fördern und zu erziehen, damit es sein Leben in Eigenverantwortung und in Abhängigkeit von Gott leben kann. Zusätzlich können auch Lehrer, Jugendleiter oder ältere Geschwister dem jungen Menschen helfen seine Gaben zu entdecken und zu entwickeln. Auch in einer Beziehung zählt es mit zu den größten Liebesbeweisen, wenn ich mich weiterentwickeln darf und darin noch vom Partner gefördert werde. Lieben kann man lernen, muss man lernen, wenn Leben in Beziehungen gelingen soll. Der horizontale Balken des Kreuzes versinnbildlicht für mich die Beziehung unter den Menschen, ausgedrückt in dem Satz: »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst«, während der vertikale Balken die Verbindung von Mensch und Gott darstellen könnte: »Liebe Gott von ganzem Herzen«. Wenn wir diese beiden Gebote aus Matthäus 19, 19 und 22, 37 leben, haben wir zutiefst erfasst, was Gottes Plan für unser Leben ist. Selbstannahme und Nachfolge Christi schließen sich für mich nicht aus, da ich in meinem Leben immer liebesfähiger wurde, je mehr ich zu mir »Ja« sagte, mich ernst nahm und mich auch als Geschenk an andere empfand. In diesem Sinne ist auch folgender Satz zu verstehen: »Heiraten sollte nicht der, der glücklich werden möchte, sondern der, der glücklich machen will.« Hast du diese selbstlose Liebe in deinem Leben erfahren? Gott liebt uns, auch ohne Leistung, Gesundheit, Ansehen und Geld. Können wir es ihm gleich tun?
Was ist normal?
Wann liebst du, ohne Gegenleistung zu erwarten? Viele Beziehungen leben von der Frage: »Was nutzt mir der andere?« Unsere Gesellschaft hat den Spaßfaktor auf den Thron gesetzt. Ich bleibe so lange in einer Partnerschaft, solange sie mir dient. Man spricht von Lebensabschnittspartnern. Kaum einer glaubt noch daran, dass Ehe lebenslang halten kann, Seitensprünge sind gesellschaftsfähig und vorehelicher Geschlechtsverkehr völlig normal. Doch was ist für einen Christen normal? Landläufig wird das für normal erklärt, was alle tun. In Römer 12, 2 werden wir aufgefordert, uns nicht den Maßstäben dieser Welt anzupassen. Wonach richtest du dich? Ist es nicht das Beste, die biblischen Werte für normal zu erklären – das was Gott für normal hält?
Ziele stecken, Wege gehen
Gott möchte, dass unsere Beziehungen glücklich werden und es gibt hoffnungsvolle Nachrichten. Wenn eine Ehe dein Wunsch ist, dann mach dir bewusst, dass dein Leben und Verhalten vor der Eheschließung großen Einfluss auf das Gelingen deiner späteren Partnerschaft hat. Werde eine reife Persönlichkeit, entwickle Fähigkeiten, die für Beziehungen wichtig sind, baue Freundschaften, lies Bücher, bete für deinen zukünftigen Partner und lebe dein Leben nicht in einer Warteschleife, sondern erkenne, welche Vorteile es auch hat, alleine zu sein. Definiere dich nicht ausschließlich über eine Beziehung, sondern entwickle deine individuellen Gaben. Heirate nicht aus Torschlusspanik. »Vielleicht wäre es gar nicht so schwer, den richtigen Partner zu finden, wenn man vorher an den vielen falschen vorbeikäme«, sagte ein erfahrener Seelsorger. Hast du Geduld? Auch im Bereich der Sexualität gibt es diesen Satz: »Ich will nicht als alte Jungfer sterben.« Und dann schläft man mit einem Menschen, nur um es einmal erlebt zu haben. Oft ist man hinterher total traurig und enttäuscht, da Sex ohne wahre Liebe einen faden Nachgeschmack hat. Kannst du deiner zukünftigen Frau einmal sagen: »Ich war dir schon treu, bevor ich dich kannte und mein Geschenk an dich ist eine noch unberührte Sexualität, die wir gemeinsam entdecken werden?«
Spießer?
»Jeder Mann, der dich wirklich liebt, kann warten« sagte mir mein Vater, als ich 15 Jahre alt war. »Ein Mann der dich sexuell unter Druck setzt, disqualifiziert sich selbst.« Sei es dir wert, dich aufzuheben. Beugst du dich dem Zeitgeist? Lass dir nichts einreden! Du bist nicht altmodisch, wenn du dich aufhebst. Wir haben in den letzten Jahrzehnten den wahren Wert von Jungfernschaft missachtet. In 2. Samuel 13, 18 lesen wir, dass die Königstöchter spezielle Ärmelkleider trugen, solange sie Jungfrauen waren. Sie waren stolz darauf. Jeder konnte es schon an ihrem Aussehen erkennen, ob man noch um sie werben durfte. Entzieh dich der Verpflichtung zur Intimität, wie sie heutzutage gefordert wird.
Gebunden durch praktizierte Sexualität
Wie ein roter Faden zieht es sich durch die Bibel, dass Gott die sexuelle Liebe als Hochzeitsgeschenk gedacht hat und uns zum Genuss gibt (laut Prediger 9, 9). Wie wichtig sie Gott ist, spiegelt sich in 5. Mose 24, 5 wider. Dort lesen wir, dass ein Soldat sogar für ein Jahr vom Kriegsdienst befreit wurde, um das erste Ehejahr mit seiner Frau zu genießen.
Durch praktizierte Sexualität entsteht Intimität und Einheit (nach Epheser 5, 31-32) – eine Bindung zwischen den Eheleuten, die gottgewollt ist. Diese einzigartige Liebe mit Ausschließlichkeitscharakter soll die Ehe wie eine Mauer schützen. Sie schafft Nähe, Beziehung und Fruchtbarkeit als besonderen Segen. Doch dieser Bindungsstoff kann durch wechselnde Beziehungen seine Wirkung verlieren. Immer wieder berichten Menschen, dass ihre vorehelichen Erfahrungen sie daran hindern, eine glückliche eheliche Sexualität zu entwickeln, weil sie an andere Partner denken würden. Sowohl glückliche wie schmerzhafte voreheliche Erfahrungen können sich nachteilig auswirken.
Sex als Hobby?
Viele Menschen denken, dass die Sexualität wie ein Hobby zu handhaben ist, das Spaß macht. In einem Hobby bin ich meistens am besten, wenn ich früh anfange, viel übe, besonders auch mit wechselnden Partnern. Die Sexualität ist aber eher wie eine zarte Blume, die behütet werden möchte und günstige Bedingungen wie Liebe, Entscheidungsfreiheit, ehrliche Kommunikation und Sicherheit braucht, um sich entfalten zu können. «Behüte dein Herz mit allem Fleiß» bittet uns Gott in Sprüche 4, 23. Du bist nicht unverletzbar, und auch deine Sexualität ist es nicht. Lerne den Menschen, mit dem du eins werden willst, erst richtig kennen, baue Freundschaft mit ihm, entdecke, ob du selbstlose Liebe für ihn empfindest und binde dich im Ehebund an ihn.
Benutze keinen Menschen, um Sex auszuprobieren, Wetten zu gewinnen oder nur Lust auszuleben. Die Sexualität ist kein Spiel. Viele junge Menschen machen sich wenig Gedanken, welche Konsequenzen der Geschlechtsverkehr haben kann, besonders wenn sie ungeschützten Sex haben. Eine Folge kann sein, dass man geschlechtskrank wird. Oft geschieht die Ansteckung unwissentlich, weil viele Krankheiten ohne äußere Anzeichen ablaufen, man aber trotzdem die Keime weitergeben kann. Geschlechtskrankheiten haben sich besonders unter der jungen Bevölkerung sehr verbreitet und können im weiteren Verlauf dazu führen, dass man unfruchtbar wird, wenn man sich nicht behandeln lässt.
Aber auch, wenn man sich gegen Geschlechtskrankheiten durch die Anwendung eines Kondoms weitgehend schützen kann, gibt es keinen 100%igen Schutz, genauso wenig wie es eine 100%ige Empfängnisverhütung gibt.
Verantwortlich handeln
Bei jedem Geschlechtsverkehr kann ein Kind entstehen. Zu viele Menschen, auch Christen, sind schon schuldig geworden am Tod ungeborener Kinder. Der Mutterleib, eigentlich ein Ort größter Geborgenheit, ist heutzutage der unsicherste Ort auf der ganzen Welt. Seitdem es in Deutschland straffrei ist, Kinder im Mutterleib bis zum dritten Schwangerschaftsmonat zu töten, sind schon mehr als acht Millionen1 Kinder abgetrieben worden. Wir opfern unsere Kinder der Lust. Verantwortungsvolle Menschen übernehmen die Folgen für ihr Tun. Und deshalb mein Rat: »Schlafe nur mit einem Menschen, mit dem du auch bereit bist, ein Kind groß zu ziehen.«
Freiheit – ein kostbares Gut
Wie kann man heute den vielen Versuchungen widerstehen? Hiob würde sagen: »Schließe einen Bund mit deinen Augen, damit du nicht lüstern blickst auf eine Jungfrau« nach Hiob 31, 1ff. Meinst du, dass Gott sich über dich freut, wenn du anderen beim Geschlechtsverkehr im Fernsehen, Kino oder Internet zuschaust? Bist du gefährdet durch Pornografie? Gott möchte, dass wir freie Menschen sind und er warnt uns in 2. Petrus 2, 19: »Wovon jemand überwältigt ist, dessen Sklave ist er geworden.« Bist du abhängig von Selbstbefriedigung und süchtig nach Sex? Anzeichen für suchtartiges Verhalten sind, dass die Gedanken ständig um dieses Thema kreisen, man es immer öfter macht und immer stärkere Reize braucht. Wenn die Sexualität zu viel Macht in deinem Leben hat, dann suche dir einen Menschen deines Vertrauens, sprich mit ihm über deine Situation und bitte Gott, dir zu helfen. Wenn ich heute Witwe würde, wäre mein Gebet: »Vater im Himmel, bitte lass meine sexuelle Liebe wieder einschlafen. Ich möchte nicht durch sexuelle Phantasien und Gefühle gequält werden.« Ich lade dich ein, diese Worte auch zu beten, wenn du deine Sexualität schon aufgeweckt hast. Vor der Ehe möchte Gott unsere Heiligung, und er fordert besonders die Männer in 1. Thessalonicher 4, 3-5 auf, Frauen zu umwerben in Heiligung und Ehrbarkeit, nicht von Begierden getrieben.
Freundschaft in der Partnerschaft
Das Fundament für eine tragfähige Beziehung bildet die selbstlose und die freundschaftliche Liebe. Es ist ein großes Geschenk, wenn die Ehefrau auch die beste Freundin ist. Nimm dir Zeit, den anderen kennen zu lernen. Freundschaft braucht gelebte, gemeinsam verbrachte Zeit. Kannst du mit deiner Freundin über alles reden, Hobbys teilen, lachen und weinen? Ein Freund kennt dich sehr genau und liebt dich trotzdem. Wahre Freundschaft hält nicht nur deine Trauer aus, sondern freut sich auch an deinen Erfolgen. Sei kreativ und überleg, was Ihr zusammen unternehmen könnt. Manchmal kennen sich zwei schon länger, würden sich auch als Freunde aber nicht als Paar bezeichnen, und dann kommt auf einmal ein neues Gefühl hinzu: das Verliebtsein.
Verliebtsein
Wenn man verliebt ist, hat man Schmetterlinge im Bauch, eine rosarote Brille auf und lebt auf der sprichwörtlichen Wolke Sieben. In Gedanken tanzt man mit dem anderen, obwohl er nicht tanzen kann, glaubt an ein paradiesisches Leben ohne Verletzungen und Tod und kann sich nicht vorstellen, dass irgendetwas dieser Liebe je schaden könnte. Man glaubt die ideale Ergänzung gefunden zu haben und möchte auf gar keinen Fall, dass der andere sich ändert. Verliebtsein ist wunderschön, aber keine wahre Liebe! Im Grunde ist es eine Projektion meiner Wünsche auf eine andere Person. Ich liebe ein selbst entworfenes Bild vom anderen und sehe ihn nicht, wie er wirklich ist. Verliebtsein ist ein Gefühl, dass Minuten bis Monate anhält. Rechne damit, dass Verliebtsein nachlässt oder sogar aufhört, aber keine Angst! Man kann Verliebstein durch Kleidung, Atmosphäre und Geschenke auch immer wieder anfachen.
Treue und Liebe
»Wie würdest du dich verhalten, wenn dir heute der absolute Traummann begegnen würde?«, wurde ich gefragt. Knapp und ohne zu überlegen kam meine Antwort: »Ich würde mich nicht mit ihm treffen. Ich setze doch nicht das Leben von meinen sieben Kindern, meinem Mann und mir aufs Spiel, nur um einer Idee nachzulaufen, denn den absoluten Traummann gibt es nicht!« Leider kann es selbst in einer Ehe noch passieren, dass du dich in jemand anderes als den Ehepartner verliebst. Wenn das geschehen sollte, dann wehre den Anfängen. Auch wenn du diese Schmetterlingsgefühle genießen solltest, heißt es jetzt die Notbremse zu ziehen, dich nicht mit dem anderen zu treffen und Gott zu bitten, dir dieses Verliebtsein zu nehmen. Beziehung und Ehe kann nur gelingen, wenn Treue gelebt wird. Gott liebt Treue und ist auch darin unser großes Vorbild. In Römer 3, 3 steht, dass Gott selbst dann treu ist, wenn wir untreu sind. Er hilft uns in unseren Beziehungen. Probier es aus. Er gibt dir neue Liebe, Kraft zur Treue und Bereitschaft zu vergeben, wenn du ihn darum bittest.
Manche glauben, dass man Zusammenleben und Sexualität ausprobieren muss, bevor man heiratet. Die Statistik der vielen Ehescheidungen von Menschen, die vorher oft jahrelang zusammen gelebt haben, lehrt uns etwas anderes. Ob Beziehung und Ehe gelingt, hängt vielmehr von der Entscheidung ab: »Ich will dir treu sein.« ///


Kommentar hinzufügen