Heft 29
Der Autor
Martin Preisendanz (28) ist mit Rebekka verheiratet, lebt in Meiningen und ist dort Teil von People Movement. Er studiert Theologie, ist Mitarbeiter bei Destiny Design und will mit seinen Gaben Menschen und Gruppen inspirieren, qualifizieren und mobilisieren um ihre von Gott gegebenen Berufungen auszuleben » martinpreisendanz.wordpress.com
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Jüngerschaft
Völlig losgelöst
Ein Mann wird Vater und Mutter verlassen
// Es gibt biblische Aussagen, mit denen ich so meine Mühe habe. Nicht weil ich sie anzweifle oder lieber nicht in diesem Buch finden würde, sondern weil sich über die Bedeutung streiten lässt. Eine dieser Aussagen, und die steht dann noch in den Zehn Geboten, ist die Aufforderung seine Eltern zu ehren. Was heißt das denn – ich meine, so ganz praktisch?
In seiner Kindheit hat Julian das ziemlich überhaupt nicht gejuckt. Seine Eltern haben ihn gewollt in die Welt gesetzt und sich um ihn gekümmert. Sein Vater ist fleißig arbeiten gegangen und hat dabei ordentlich verdient, was er ihm zu Gute kommen ließ. Er hatte sein eigenes Zimmer, genug Spielsachen, durfte in den Fußballverein, jedes Jahr gab es einen coolen Urlaub mit der gesamten Familie und später konnte er (ohne seine Eltern) auf diverse Freizeiten gehen. Seine Mutter hat in aller Regel vorzüglich gekocht, anzuziehen gab es auch immer was und hatte er mal ein besonderes Anliegen, so haben sie sich darum gekümmert. Hört sich doch ganz gut an. Er könnte doch zufrieden sein. Oder doch nicht ganz?
Schließlich kam Julian in die Pubertät – entdeckte sich selbst und andere Menschen, allen voran die vom anderen Geschlecht. Auch schienen sich seine Eltern mehr und mehr zu verändern – nach seiner Wahrnehmung leider zum Negativen – oder hatte er sich nur verändert? Was alles so schön begann und über Jahre währte, drohte mehr und mehr einzustürzen. Er hatte doch so coole Eltern! Warum verspielten sie plötzlich ihren ganzen Kredit?! Die Streitereien häuften sich, man ging sich zunehmend aus dem Weg, vor allem er ihnen, wobei sie sicherlich auch froh waren, ihn nicht ständig um sich zu haben. Des Öfteren wurde es laut, die Türen knallten, verletzende Worte flogen... Julian erfuhr, dass all das nichts Ungewöhnliches sei. Er sei eben in der Pubertät und würde sich nun so langsam von seinen Eltern lösen. Anscheinend sollte dies eine sehr entscheidende Zeit für ihn sein. Doch in all den Auseinandersetzungen quälte ihn dieses ominöse vierte Gebot. Es ließ ihn nicht los, denn schließlich wollte er ganz radikal für Jesus leben, ihm leidenschaftlich nachfolgen und seine Gebote ernst nehmen.
Mann, wie oft er schon gegen dieses Gebot verstoßen haben musste. Er hatte es nicht hinbekommen mit der Dankbarkeit, okay immer mal wieder schon irgendwie. Aber was sollte er nur tun? Er fand seine Eltern einfach langweilig, prüde, fühlte sich nicht ernst genommen. Schließlich wagte er den Schritt und vertraute sich seinem Jugendleiter an. Der zeigte zu seiner inneren Beruhigung Verständnis, betete für ihn und gab ihm den Tipp, eine Dankesliste zu schreiben. Julian befolgte den Rat, nahm ein weißes DIN A4 Blatt und schrieb alles auf, wofür er seinen Eltern dankbar sein konnte. Da kam schon eine ganze Reihe von Punkten zusammen. Doch was war mit den Punkten, die er so gar nicht toll an ihnen fand? Warum sollte er diese nicht aufschreiben? Da wäre ihm spontan viel schneller viel mehr eingefallen. Und hat ihm die Aktion was gebracht? Wenn er ehrlich ist, nicht so viel. Er hat es sich nach dem Aufschreiben zwar noch ein paar Mal durchgelesen und Gott auch gedankt, aber dann ist das Blatt in irgendeinem Ordner auf dem Dachboden in einer Kiste zwischen alten Schulunterlagen und sonstigen Erinnerungen verschwunden. Auch Überraschungsaktionen wie Frühstückstisch decken, ohne Aufforderung zu putzen und dergleichen brachten keinen Langzeiteffekt. Hatte er ein Problem mit seiner Heiligkeit? Ganz wohl war ihm nicht zumute.
Viel zu spät, aber schlussendlich hat er es dann doch geschafft mit dem Ausziehen. Gut, ein bisschen Nachhilfe hat er schon gebraucht. Für was ein Studium nicht alles gut ist – weg von zu Hause, hinein ins Studentenleben. Die Freiheit genießen (es fühlte sich wirklich so an), und doch von ständigen Unsicherheiten begleitet. Mist, wie wäscht man eigentlich seine schmutzige Kleidung? Einwohnermeldeamt – wie? Was ist das? Da muss ich hin? Gut, jedes Wochenende ging es erstmal nach Hause. Klar, alte Freunde treffen und, um ehrlich zu sein, auch ein wenig, um sich von Mama versorgen lassen. Doch die Heimreisen gingen mit der Zeit ganz schön ins Geld. Was blieb ihm anderes übrig – er musste sich ein neues Zuhause aufbauen!
Wie verlief und läuft deine Geschichte? Ähnelt deine Geschichte dieser von mir erfundenen Story? Wo stehst du gerade? Wie geht es dir mit deinen Eltern?
In der Bibel gibt es zwei grundlegende Aussagen, die die Beziehung zwischen Eltern und Kindern beschreiben. In 1. Mose 2, 24 steht: »Ein Mann wird Vater und Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und die beiden werden ein Fleisch sein.« Und in 5. Mose 5, 16 heißt es: »Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit es dir gut geht und du lange lebst in dem Land, dass der Herr dein Gott dir geben wird.« Diese Aufforderungen scheinen widersprüchlich und verwirrend zu sein, denn wie soll ich meine Eltern ehren und sie gleichzeitig verlassen? Die allgemeine Lebenspraxis zeigt doch: Wenn ich mich distanziere, dann fühlen sich meine Eltern verletzt; und sie zu ehren bedeutet: verfügbar und gehorsam zu sein. Aber das verletzt wiederum mich und bringt mich in Unfreiheit. Oder könnte es sein, dass alles gar nicht so gemeint ist, wie ich dachte?
Die Eltern verlassen
Die Bibel fordert uns auf, unsere Eltern zu verlassen. ›Verlassen‹ bedeutet ganz schlicht und einfach ›verlassen‹, oder auch ›zurücklassen‹, ›übrig lassen‹, ›überlassen‹,,›loslassen.‹
Meine Thesen dazu:
1. Kinder müssen ihre Eltern verlassen
In dem Vers aus dem Schöpfungsbericht wird interessanterweise der Mann aufgefordert, Vater und Mutter zu verlassen. Zur Zeit des Alten Testamentes war es üblich, dass die Frau zur Familie des Mannes zog (siehe: Rebekka zieht zu Isaak) – wie es auch heute noch in vielen Kulturen praktiziert wird. Sie hatte damit andere Voraussetzungen als der Mann, der bei seinen Eltern blieb. Umso wichtiger war es für den jungen Mann, sich in seiner patriarchalischen Großfamilie räumlich und emotional von seinen Eltern zu lösen.
Der Prozess des Verlassens fängt nicht mit der Hochzeit an, sondern sollte mit ihm enden! Um heiratsfähig zu sein, muss ich unabhängig von meinen Eltern leben können. Insofern schließt der Vers Singles mit ein. Das Verlassen ist Grundvoraussetzung für jeden Menschen, um für eine Ehe bereit zu sein. Die Beziehung zu den Eltern muss aufgearbeitet und geklärt sein. Geklärt sein meint nicht, dass alles gut ist und man sich blendend versteht, sondern, dass das Ehepaar sich im Klaren darüber ist, wie es die Beziehung zu den Eltern leben will und kann. Aufgearbeitet meint, dass du ganz bewusst einen Prozess durchlaufen bist, in dem du dich mit deinem Elternhaus auseinandergesetzt hast. Das geht nur durch eine gründliche Trennung und Abgrenzung. Aus der Distanz reflektierst du, wie es bei deinen Eltern gelaufen ist. Was haben sie gut gemacht und was haben sie nicht gut gemacht? Was konnten sie dir geben und wo hast du Defizite erlitten? Wie willst du leben? Aufarbeitung bedeutet also eine kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.
2. Verlassen, um sich neu hinwenden zu können
Mann und Frau verlassen ihre Eltern nicht um des Verlassens willen, sondern um seinem jeweiligen Partner in der rechten Weise ›anhangen‹ zu können. Für uns heute bedeutet dieses Gebot, dass ein Paar seine Beziehungsprioritäten neu setzt. Mann und Frau sind einander stärker verpflichtet als ihren Eltern! Das gehört mit zum Inhalt und Wesen des Ehebundes. Stell dir mal vor, eine Frau heiratet einen Mann, der noch unter der Kontrolle seiner Eltern steht. Das geht irgendwie gar nicht! Man sagt ja auch: »Ich bin noch frei« oder »Ich bin noch zu haben.« Wer in Abhängigkeit von seinen Eltern lebt, ist nicht frei, sondern vergeben. Für einen Single heißt dies genauso, dass er sich selbst stärker verpflichtet ist als seinen Eltern!
3. Eltern verlassen bedeutet, sich aus der Abhängigkeit zu lösen
Verlassen bedeutet nicht, sich nicht mehr blicken zu lassen oder nichts mehr miteinander zu tun haben zu wollen. Vielmehr ist es ein Ablösungsprozess aus Verpflichtungen und Abhängigkeiten. Als Kinder sind wir völlig abhängig von unseren Eltern. Hätten sie uns nichts zu essen gegeben, wären wir verhungert, hätten sie uns vernachlässigt, wären wir verwahrlost, etc. Doch diese Abhängigkeiten nehmen Stück für Stück ab. Ab einem bestimmten Punkt merkt man, dass man auch ohne seine Eltern überleben könnte. Und auch schon in jungen Jahren kann man finanziell unabhängig sein. Mehr und mehr entwickeln wir uns hoffentlich zu Menschen, die ihr Leben selbst im Griff haben. Das müssen auch unsere Eltern akzeptieren. Eigentlich sollten sie sogar darauf hinwirken, uns aus ihrer Abhängigkeit heraus zu führen. Doch oftmals geschieht genau das nicht.
Wir müssen die Konsequenzen aus unserem Erwachsenwerden ziehen. Wir sind für unser eigenes Leben verantwortlich – auch vor Gott! Wir müssen das Leben führen, von dem wir überzeugt sind, dass es lebenswert ist und nicht das verwirklichen, was unsere Eltern sich für uns erträumt haben. Dafür ist der klare, bewusste Schritt des Verlassens unvermeidlich.
Ich glaube, dass es ein Trugschluss ist, dass der Prozess des Verlassens uns von unseren Eltern ausschließlich entfernt. In gewisser Weise bringt er uns ihnen letztendlich näher. Wenn ich weiß, wie ich leben will, mich von ungewünschten Prägungen abgenabelt habe und somit innerlich zur Ruhe gekommen bin und Sicherheit gefunden habe, dann kann ich meinen Eltern in ihrer Andersartigkeit auf Augenhöhe begegnen und beruhigt feststellen: Okay, wenn sie so leben wollen, dann sollen sie es; aber ich gehe meinen Weg.
4. Eltern müssen ihre Kinder loslassen können
Kinder sind irgendwann nicht mehr Babys, sondern volljährig. Wenn Kinder ihre Eltern verlassen sollen, dann impliziert das auch, dass die Eltern ihre Kinder ziehen lassen sollen. Das ist für viele Eltern nicht einfach, schließlich hat man über viele Jahre einiges in seine Kinder investiert. Nun möchte man auch ihren weiteren Lebenslauf verfolgen können und Grund haben, stolz auf sie zu sein. Doch damit sich Kinder weiterentwickeln können, ist eben genau diese Loslösung notwendig. Bei manchen Eltern, insbesondere bei Müttern, sind die Kinder über die Jahre zum Partnerersatz geworden. Was sie von ihrem Partner an Nähe und Anerkennung nicht bekommen haben, holen sie sich bei ihrem Kind. Von diesen ungesunden Bindungen muss ein Kind sich lösen.
Bereits mit der Geburt beginnt eigentlich der Loslösungs- oder auch Abnabelungsprozess. Die Nabelschnur wird durchtrennt und das Neugeborene muss somit erstmals ohne dauerhafte physische Verbindung zur Mutter auskommen. Mit jedem weiteren Entwicklungsschritt löst sich das Kind ein Stück mehr von seinen Eltern. Es lernt sich mehr und mehr eigenständig zu bewegen. Dieser natürliche biologische Prozess muss auch innerlich vollzogen werden. Jeder Mensch ist ab einem gewissen Zeitpunkt für sein eigenes Leben verantwortlich. Allerdings ist es ebenso wenig hilfreich, wenn Kindern vorzeitig zu viel Verantwortung übergeben wird und sie schon früh in ihrem Leben nicht mehr Kind sein dürfen. Das zeigt sich heute u.a. in Überverantwortlichkeit. Manche Eltern nutzen genau diesen Mechanismus aus, indem sie ihre Kinder fortwährend verantwortlich für ihr Wohlbefinden machen. Auch von einer solchen Bindung muss ein Kind sich lösen, denn kein Kind ist für das Glück oder auch nur eine positive Stimmung seiner Eltern verantwortlich!
Die Eltern ehren
Diese zweite Aufforderung ist Teil der Zehn Gebote. Es ist zudem das einzige Gebot mit einer direkten Verheißung. Wir sollen unsere Eltern ehren, damit es uns gut geht. Das Halten der Gebote bringt allgemein Segen. Aber hier ist von einem bestimmten Segen die Rede, mit dem die Wichtigkeit der Familie noch einmal verdeutlicht wird. Eltern sollen ihre Kinder in Liebe erziehen und die Kinder sollen sich von ihnen erziehen lassen. Das Gebot beschreibt die Gesetzmäßigkeit von Saat und Ernte im Familienbereich. »Was der Mensch sät, das wird er ernten« (Galater 6, 7). Wenn wir unsere Eltern ehren, ist das eine gute Saat, die Wohlergehen und ein langes Leben zur Folge haben. Umgekehrt bedeutet es aber auch: Wer seine Eltern nicht ehrt oder achtet, wird entsprechend schlechte Früchte im Leben ernten. Natürlich gibt es auch andere Gründe, warum es einem Menschen schlecht geht oder er nicht lange lebt. Es lohnt sich jedoch, dieses Gebot ernst zu nehmen und den Zusammenhang zwischen ›Eltern ehren‹ und dem persönlichem Ergehen aufzuspüren.
Was bedeutet nun das kleine Wörtchen ›ehren‹? Der Wortstamm bedeutet in seiner Breite ›Schwere, Ehre, Herrlichkeit‹, das heißt, jemandem Gewicht verleihen bzw. jemanden als gewichtig anerkennen. Ehren ist das, was eine Person ansehnlich macht. Ehren ist aber kein Auszeichnen, das einen Menschen über andere erhebt, sondern es ist ein Anerkennen des Anderen an seinem Platz in der Gemeinschaft. Einen König ehrt man, indem man seine Stellung anerkennt (1. Samuel 15, 30); den König des Nachbarlandes zu ehren, bedeutet ihm Respekt zu erweisen (2. Samuel 10, 3). Gott ehren heißt, das ihm zukommende Gewicht geben; ihn in seinem Gott-Sein anerkennen. Das kann sich beispielsweise auch im Loben ausdrücken. Ich ehre eine Person also, indem ich ihr einen angemessenen Wert zukommen lasse. Es geht um eine positive Haltung der Wertschätzung und der Achtung, des Respekts und auch des Gehorsams. Nicht ehren dagegen ist: herabsehen, ausnutzen, verachten, hintergehen.
Die Gebote Gottes propagieren ein Ideal, an dem wir nur scheitern können. Wir müssen uns der sündigen Wirklichkeit dieser Welt stellen. Daher ist die eine Frage, wie Gott es eigentlich gemeint hat und die: wie wir das in unserem eigenen Kontext leben können.
Meine Thesen dazu:
1. Eltern zu ehren heißt, dass ich sie als meine Eltern anerkenne
Deine Eltern zu ehren, heißt erstmal ganz einfach, sie als deine Eltern anzuerkennen. »Ja, das ist mein Vater.« »Ja, das ist meine Mutter.« Für viele bedeutet schon dieser Schritt eine Menge. Wie oft reden Kinder von ihren ›Erzeugern‹. Und wenn man dann in ihre Kindheit schaut, fängt man an zu verstehen, warum sie diese Formulierung wählen. Wer eine glückliche Kindheit genossen hat, wird keine Mühe haben, seinen Eltern Respekt entgegenzubringen. Aber was ist zum Beispiel mit einem Mädchen, dass von ihrem Vater missbraucht wurde? Oder einem Jungen, der regelmäßig grundlos verprügelt wurde? Ohne einen therapeutischen Heilungsprozess werden sie ihre Eltern wohl nie respektieren, geschweige denn, ehren können. Was völlig verständlich ist!
Ehren kann aber auch gehorchen bedeuten (Epheser 6, 1-2). Doch meines Erachtens differenziert die Bibel hier. Sie fordert den Gehorsam der minderjährigen Kinder gegenüber ihren Eltern. Von dem erwachsen gewordenen Kind fordert sie dagegen Respekt. Jesus selbst hat seine Eltern stets respektiert, hat ihnen jedoch als selbstständiger, erwachsener Mann nicht in diesem Sinne gehorcht. Lies dazu Lukas 8, 19-21. Jesus ließ seine Mutter ganz schön abblitzen.
Gehorchen meint außerdem niemals blinden Gehorsam. Zudem sollen wir Gott mehr gehorchen als Menschen (dazu gehören unsere Eltern). Die Familie ist an sich der ideale Ort, um Gehorsam, den Umgang mit Autoritäten, Liebe, Korrektur uvm. zu lernen. Doch das setzt voraus, dass die Eltern es gut mit ihren Kindern meinen und sie dementsprechend erziehen.
2. Um meine Eltern ehren zu können, müssen sie Anerkennung erworben haben
Minderjährige Kinder werden ihren Eltern gerne gehorchen, wenn sich in ihnen Vertrauen aufgebaut hat, dass ihre Eltern es besser wissen als sie. Wenn dagegen Kinder erleben, dass ihren Eltern nicht zu trauen ist, werden sie hoffentlich misstrauisch.
Eltern haben die Aufgabe, ihren Kindern Jesus nahe zu bringen und in seinem Sinne zu erziehen. Dies versäumen die meisten Eltern – aus welchen Gründen auch immer. Zwingen sie gar ihre Kinder, Gottes Gebote nicht ernst zu nehmen, gilt ganz eindeutig das Widerstandsrecht.
3. Ehren ist keine Einbahnstraße – ehren deine Eltern dich?
Wie sieht Eltern ehren aus, wenn deine Eltern dich nicht ehren? Ich halte das für eine wichtige Frage. Die Art und Weise wie ich die Beziehung zu meinen Eltern lebe, hängt doch stark von ihnen ab. Die Art und Weise, wie ich meine Eltern ehren kann, ist doch genauso abhängig von ihnen. Ehren wird bei einem traumatisierten Kind anders aussehen. Wie ehren, wenn meine Eltern mich nicht als ihr Kind ansehen?
Die Eltern zu ehren ist, ebenso wie Gott zu ehren, eine wechselseitige Angelegenheit. Wir sollen Gott ehren? Aber doch nicht um des Ehrens willen? Will Gott, dass ich ihn einfach so ohne Grund ehre oder gibt es Druck vonseiten des Gesetzes? Nein! Der Punkt ist doch, dass Gott uns zuerst geliebt hat. Gott hat uns geschaffen; wir sind sein Plan, seine Idee. Er ist der, der den ersten Schritt gemacht hat. Er ist der, der uns seine Freundschaft angeboten hat. D. h. wenn wir ›Ja‹ zu Jesus sagen, anfangen ihn zu ehren, dann weil er uns zuerst geehrt hat. Wir erwidern Gottes Liebe, wir bejahen sein Angebot, das wir für genial befunden haben. Wir lieben Gott, weil er uns liebt. Wir ehren Gott, weil er uns ehrt.
Wie sieht es nun bei unseren Eltern aus? Auch wenn sie uns weder ehren noch lieben, sollen wir sie ehren und lieben. Ja, das sollen wir. Schließlich sollen wir auch unsere Feinde lieben. Die Frage ist deshalb: Wie komme ich an diesen Punkt, dass ich dazu in der Lage bin? Dafür muss Heilung geschehen, zu der Gott jeden Menschen führen will.
Wie mache ich es richtig?
Wie oft habe ich mir diese Frage gestellt? Ich glaube, es gibt keinen festen Plan. Es gibt auch nicht die berühmten amerikanischen zehn Stufen. Jede Situation ist unterschiedlich, weil jeder Mensch anders ist und nicht jeder dieselben Eltern hat. Du musst deinen Eltern ihren Platz zuordnen, vom dem aus sie auf dein Leben schauen und dich deinen Weg gehen lassen. Inwieweit sie diese Position einnehmen und auf dein Leben schauen, ist dann die Schnittmenge, der gemeinsame Nenner. Er kann, je nach dem, größer oder kleiner sein. In manchen Fällen mag es keine Schnittmenge geben oder eine hundertprozentige Überschneidung. Wie klein auch immer die Schnittmenge ist, sollte das keine Entschuldigung dafür sein, seine Eltern nicht zu ehren.
Lerne, deine Eltern in Freiheit zu ehren. Finde einen gesunden Weg, den du ehrlich leben willst und kannst. Heuchle nicht!
Fragen zum WEITERdenken
Hast du dein Elternhaus verlassen? Treffen folgende Aussagen auf deine Situation zu?
• Ich habe mein Elternhaus verlassen und bin ein eigenverantwortlicher Erwachsener.
• Ich stehe nicht mehr unter der Kontrolle meiner Eltern.
• Ich muss nicht mehr blind ausführen, was sie wünschen und fordern.
• Meine Eltern dürfen sich nicht ungefragt in mein Privatleben (oder evtl. das meiner neu gegründeten Familie) einmischen.
Ehrst du deine Eltern? Treffen folgende Aussagen auf deine Situation zu?
• Ich habe meine Eltern ehrend und nicht im Zorn verlassen.
• Ich bin meinen Eltern für ihre Versorgung dankbar (wie umfangreich sie auch immer war und ist).
• Ich akzeptiere, dass sie mir nicht alles geben konnten, was ich benötigt hätte.
• Ich habe ihnen vergeben, wo sie ihrer Versorgungspflicht (finanziell, emotional) nicht nachgekommen sind.
Es geht nicht darum, dass du alle diese Fragen mit ›Ja‹ beantworten kannst. Sei ehrlich! Wo stehst du? Ich rate dir, dich dieser Thematik zu stellen und vielleicht mal mit jemandem, der sich damit auskennt deine Situation zu reflektieren (z. B. mit einem Coach oder einem Therapeuten). Sie erkennen viel eher dein Familiensystem und können dir helfen, dich in einer gesunden Weise von deinen Eltern abzulösen. ///


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