Heft 31

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Der Autor

HASO (55), mit bürgerlichem Namen Harald Sommerfeld, ist verheiratet, Vater von vier erwachsenen Kindern und wohnt in Berlin. Er hat Mathematik und Theologie studiert und als Pastor und Dozent gearbeitet. Sein Anliegen ist, Christen im kommunalen Leben ihrer Stadt mitmischen zu sehen. Deshalb hat er sich im Herbst 2007 als »Berater für urbane Transformation« selbständig gemacht »www.transformission.de.
Sein Blog »tafel.4haso.de

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Heftthema Erweckung

Das Märchen vom Erweckungsland

Warum ich nicht mehr an Erweckung glaube, obwohl ich immer noch an Erweckung glaube

// »Hört zu, ich will euch von einem gu­ten Lande sagen, dahin würde mancher auswandern, wüsste er, wo es liegt... Alle Brunnen sind voll süßer Weine, die rinnen einem nur so ins Maul. Wer also gerne sol­che Weine trinkt, der eile sich, dass er in das Schlaraffenland hineinkomme... Die Fische schwimmen in dem Schlaraffenlande oben­drauf auf dem Wasser, sind auch schon ge­backen oder gesotten und schwimmen nahe am Gestade. Wenn aber einer gar zu faul ist und ein echter Schlaraff, der darf nur ru­fen: Bst - bst! so kommen die Fische heraus aufs Land spaziert und hüpfen dem guten Schlaraffen in die Hand, dass er sich nicht bücken braucht... «1

Als ich ein Kind war, las meine Mutter uns oft aus einem Märchenbuch vor. Wir lernten das »Schlaraffenland« kennen und waren fasziniert von der Leichtigkeit und Bequemlichkeit, mit der man dort lebte. Leider gab es dieses Land nicht wirklich. Wir brauchten nicht lange, um das her­auszufinden.

Als ich erwachsen geworden war, hörte ich von einem neuen Wunderland. Man nannte es »Erweckung«. Eines Tages wür­de der Himmel sich öffnen und dieses Land käme geradewegs auf uns geflogen. Alles, was uns bis dahin unter viel Mühe kaum gelungen war, würde sich auf ein­mal wie von selbst einstellen. Statt von Je­sus zu lernen, wie man »Menschen fängt«, hüpften die Menschen dem guten Schla­raffenchristen nur so in die Gemeinde, dass er sich nicht zu bewegen braucht.

Es dauerte etwas länger, bis ich herausfand, dass auch dieses Land ein Märchen ist – ein Märchen, das seine Anziehungskraft aus derselben menschlichen Neigung zieht wie jene Geschichte aus meinen Kinderta­gen. Der Name »Schlaraffenland« stammt vom mittelhochdeutschen sluraff und be­deutet »Faulenzer«. Ein Mensch, der diese Bezeichnung verdient, träumt davon, be­stimmte Ergebnisse zu erzielen, ohne den dafür vorgesehenen Einsatz zu bringen.

Christen scheinen immer auf der Suche nach Zaubermitteln und Geheimrezep­ten zu sein. Als sie die »Geistliche Kampf­führung« entdeckten, karikierte ein Au­tor ihre Bemühungen ungefähr wie folgt: »Geistliche Kampfführung hat unser Leben sehr viel einfacher gemacht. Unsere Ge­meinde befindet sich in einer sozial schwa­chen Gegend. Früher wäre es sehr mühsam gewesen, dagegen etwas zu unternehmen. Wir hätten eine Sozialstation mit Suppen­küche einrichten müssen, Mitarbeiter ge­winnen und Geld aufbringen müssen. Heu­te ist das sehr viel einfacher geworden. Wir ziehen nach dem Gottesdienst eine halbe Stunde proklamierend durch unsere Nach­barschaft, binden den ›Geist der Armut‹ und sind nach vollbrachter Tat rechtzeitig zum Mittagessen zu Hause.«2

Manche Erweckungssehnsucht wird durch den Wunsch genährt, »die Welt für Jesus zu gewinnen«, ohne sich ernsthaft auf Kultur, Gesellschaft und Nachbar­schaft einlassen zu müssen. Wir möchten eine kuschelige Parallelkultur bleiben und trotzdem die Welt verändern. Wo Jesus uns in die Welt gesandt hat, wünschen wir uns, dass die Leute zu uns kommen. Und nun hoffen wir auf eine Erweckung, die unsere Anziehungskraft so sehr er­höht, dass die Leute endlich wieder kom­men – in Scharen und so, dass sie durch einen einzigen Touch von Gott völlig durchgestylt sind. Aber es wird keine Erweckung geben, mit der unsere Faulheit und unser Ungehor­sam belohnt werden.

Eine stille Erweckung
Woran ich immer noch – und vielleicht mehr als je zuvor – glaube, ist eine Erwe­ckung anderer Art. Ich glaube, dass das Reich Gottes und das Evangelium von Je­sus auch in unserem Land noch gute Zei­ten vor sich haben. Und ich glaube, dass diese Art von Erweckung bereits begon­nen hat.

Wenn ein Land trocken und unfrucht­bar geworden ist, gibt es zwei Möglich­keiten, es zu neuer Blüte zu bringen: wol­kenbruchartiger Regen oder steigender Grundwasserpegel. Ein Platzregen mit Blitz und Donner ist dramatischer, stei­gendes Grundwasser ist jedoch nachhal­tiger. Weil wir das Spektakuläre lieben, hoffen wir darauf, dass die Wolke bricht und ihr Wasser auf unser Land schüt­tet. Aber vielleicht richtet mancher Er­weckungsfreund immer noch den Blick zum Himmel und hält nach der Wolke Ausschau, während um ihn herum schon vieles sprosst und blüht, ohne dass er es wahrnimmt.

Gott tut mehr in der Stadt, als wir auf den ersten Blick sehen. Im vergangenen Jahr wurden wir in Berlin überrascht, als die säkulare Presse vom »Wunder im Prenz­lauer Berg« zu berichten begann. Kirchen aller Art begannen sich dort wieder zu füllen. »Heimweh nach Gott« nannte es ein Stadtmagazin. Solche stillen Wunder nehmen zu.

Vor allem nimmt es zu, dass Christen ihr Umfeld neu entdecken. Sie ziehen aus dem frommen Ghetto aus. Überall errich­ten sie kleine Zeichen des Reiches Got­tes – mitten unter den Menschen. Neue Geschichten dringen an unser Ohr. Kei­ne Märchen von einer wunderbaren Zu­kunft, sondern reale Geschichten von Christen aus Fleisch und Blut, die ihren Nächsten wieder entdecken und feststel­len, dass mit Gott in der Stadt mehr geht, als sie geahnt hatten.

Unser Stadtnetzwerk »Gemeinsam für Berlin« hat Freunde in Boston, die in ih­rer Stadt ähnliches erleben und von einer »stillen Erweckung« sprechen. Fast un­merklich hat sich dort unter der Oberflä­che der Gesellschaft ein kraftvolles, neu­es christliches Leben entwickelt, das nun immer mehr sichtbar wird. Es hat etwas zu tun mit Christen, die sich engagieren, die fleißig sind, die »der Stadt Bestes su­chen« (Jeremia 29, 7).

Vielleicht bricht eines Tages auch noch die große Wolke von oben. Dergleichen hat es in der Geschichte mehr als einmal gegeben. Aber diese Wolke wird nicht bre­chen über Christen, die nur auf die Wolke warten. Sie wird brechen über Christen, die tun, was Jesus ihnen gesagt hat: »Geht hin in alle Welt« und »liebe deinen Nächs­ten wie dich selbst«. ///

1 Quelle: www.weihnachtsseiten.de/weihnachtsmaerchen/schlaraffenland
2
Quelle: Christianity today

Kommentare

Rainer // 29. Januar 2009 um 11.18 Uhr
Ich bin überzeugt das Erweckung in Deutschland kommen. Sie wird aus dem Osten kommen. In Russland wir es an fangen dann Deutschland ereichen. Und dann ganz Europa erreichen. Und wir werden staunen was Adonai noch tut
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