Heft 31
Der Autor
Wolfgang Simson (49) wurde in Deutschland geboren und ist jüdischer, ungarischer und deutscher Abstammung. Er ist verheiratet mit Mercy, sie haben drei Kinder. Nach Aufenthalten in England und Indien wohnen sie heute in Süddeutschland. Die drei Haupt-Arbeitsgebiete von Wolfgang sind die Reformation von Kirche, Wirtschaft und Einheit durch eine prinzipielle Rückkehr zu Jesus Christus als real regierender König seines Reiches, nicht als theoretischer König und reiner Erlöser für fromme Leute.
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Der Artikel ist ein Abschnitt aus dem Büchlein ›Die Starfish Vision‹. Online zu finden unter: »www.starfishportal.net
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Jüngerschaft
Der Imperator
Wie eine vom Reich Gottes bestimmte Kirche den halben Planeten zu Jüngern machen wird
// Eines der größten Geheimnisse der Geschichte der Menschheit ist die wahre Identität des Messias. Juden, Moslems, Hindus und Buddhisten: Alle warten auf die Offenbarung dieses vermeintlich mystischen Wesens. Jesus fragte einmal seine Jünger: »Wer sagen die Leute, dass ich bin?« Es ist eindeutig, dass alle Fragen, die wir Menschen stellen, zentral abhängig sind von der einen alles entscheidenden Schlüsselfrage: Wer ist Jesus?
Eine traurige aber umso drastischere Einsicht ist, dass viele, die sich innerhalb konservativer oder evangelikaler Kreise des Christentums bewegen, Jesus nur oberflächlich als Erlöser, Geschichtenerzähler oder Propheten kennen – aber nicht als amtierenden König. Von den sakramentalisierten Mitgliedern nomineller Kirchen oder gar einer Gesellschaft und ihrer Kultur, die sich auf das vermeintliche Erbe eines christlichen Abendlandes beruft, ist hier ganz zu schweigen. Wer keinen König hat, handelt und lebt entsprechend – ohne jeden Bezug zum König. Man kann einen König, der nicht im Amt ist, an der praktischen Trennung zwischen ihm und seinem Volk erkennen. Er ist nur theoretisch König, nicht aber praktisch. Manche Könige dürfen nur repräsentieren, aber nicht regieren. Sie haben keinerlei Regierungsvollmacht. Es kommt vor, dass ein König im Exil lebt, entweder verdrängt von einem Usurpator oder abgewählt von einer antimonarchischen Demokratiebewegung. Dort, im Exil, würde er zum König ohne Macht, zum König ohne Königreich.
Viele Christen haben zwar die Theorie gehört, dass Jesus ihr König sei. Aber sie dokumentieren durch ihr faktisches Leben und Verhalten, dass dies für sie irrelevant ist. Jesus ist nicht ihr aktueller König, weder jetzt, noch hier, noch in irgendeiner Weise, die für heute gültig ist. Der Thron, auf dem Jesus sitzen sollte, ist leer. Wir verehren zwar den Thron – aber nicht den König selbst. Jesus wird dadurch zum theoretischen König, zum König im Exil. Zu sagen, dass Jesus gegenwärtig König über sein kirchliches Volk sei, wäre eine naive und idealistische Übertreibung.
In ›der wirklichen Welt‹, scheinbar dominiert durch Geld und Macht, werden die wirklich guten Menschen – sogar die Frömmsten von ihnen – zwar offen verehrt, doch sie haben keine echte Macht. Wer das Christentum und die kirchliche und missionarische Landschaft objektiv von außen betrachtet, wird schnell erkennen: Das Christentum mag Jesus von Nazareth zwar als Gründerfigur betrachten – aber alle greifbaren Symptome sagen eindeutig: Er ist definitiv nicht der amtierende König über seine Leute. Das können wir an einer ganzen Reihe von einfachen Beobachtungen festmachen. Das Christentum ist fast vollständig infiziert von einer Privatisierung und Demokratisierung. Alles ist erlaubt, solange es die Bedürfnisse religiöser Konsumenten befriedigt; solange wir einen Bibelvers zitieren können, um irgend eine gute Tat zu rechtfertigen; oder solange wieder jemand, der eine leicht andere Meinung hat, noch ein neues Buch zu einem Thema schreibt. Die Welt ist voller Kirchen, Gemeinden und ›Missions‹-Werke, die ihre eigene Unabhängigkeit vom König, ihren Ungehorsam im Namen des Individualismus, der Tradition und den Ideen, Initiativen und Projekten einiger Gurus und Heiligen regelrecht feiern. Und jeder noch so kleine Erfolg – Konvertiten, Spenden, Aufmerksamkeit – ist dafür Beweis genug. Das ist bei Sekten und Vereinen nicht anders. Doch was wesentlich schmerzhafter ist, sind die vielen gescheiterten Existenzen, zerrütteten Ehen, zerbrochenen Familien, verpassten oder abgebrochenen Berufungen. Viele werden heute nur noch passiv gelebt, wurden zum Teil einer Maschine oder wurden zu hektischen Workaholics, konsumsüchtigen, identitätslosen Fans, die millionenfach, wenn sie unbeobachtet sind, die große Not eines sinn- und ziellosen Lebens still vor sich hinweinen oder sich derart im Hamsterrad christlicher Programme verfilzt haben, dass sie bewusst oder unbewusst keine ruhige Minute zum Nachdenken mehr haben. Es ist das Bild greifbarer Führungslosigkeit, eines Volkes ohne Führer, eines Reiches ohne König, eines Christentums, in dem nicht etwa der König im Exil ist, sondern das Volk selbst, das im Exil in einer neuen, babylonischen Gefangenschaft lebt. Die Auswirkungen eines solchen fragmentierten, selbst absorbierten und eigensüchtigen Christentums auf die Gesellschaft ist ein Desaster. Europa ist stolz darauf, postchristlich zu werden, Afrika, »der am meisten evangelisierte Kontinent der Welt«, versinkt in Stammeskriegen, Armut, AIDS, Gewalt und Korruption, und in den USA wird jemand, der sich als ›wiedergeborener Gläubiger‹ outet, auf dieselbe Stufe mit Lügnern und Heuchlern gestellt: Meinungsforschungen belegen, dass aktuell in den USA nur Prostituierte offiziell noch weniger glaubwürdig sind als ›die Evangelikalen‹, und damit absolut auf das niedrigste Vertrauens-Niveau aller Zeiten abgesunken sind.
Der Kern des Problems sind Menschen, die fröhlich sagen, singen oder sogar predigen: »Herr, Herr!«, aber nicht im Traum daran denken, Jesus als über sie hier und heute regierenden König zu respektieren und deshalb zu tun, was er sagt. Sie sind letztlich illegale Ausländer im Reich Gottes und führen ein deprimierendes Leben, das weder königlich noch priesterlich ist: Weder ist die Autorität des Königs sichtbar, noch können sie eine priesterliche Brücke zwischen Gott und der Welt sein. Eine schockierende Zahl von derart trittbrettfahrenden Christen wird, wenn kein Wunder geschieht, einmal fassungslos erkennen müssen, dass es nicht fromme Worte oder ein beschwörendes »Herr, Herr!« sind, die sie zu legalen Bürgern im Reich Gottes machen, sondern ihre gelebte Loyalität: Bürger im Reich Gottes ist und bleibt, wer durch Jesus erlöst wird und den Willen des Vaters tut. Werke alleine retten niemand, nur Jesus kann das. Aber Glaube ohne Werke ist tot, und ohne Glauben kann man Gott nicht gefallen. Alle anderen sind letztlich selbst ernannte Christen, die an ihren Glauben glauben. Ihnen droht, wie im Gleichnis von Jesus, mit einem dreckigen, nicht zur Hochzeit passenden Kleid erwischt und vor die Tür gesetzt zu werden. Gesellschaftliche, demoskopische und religiöse Studien belegen, dass Christen – vor allem westlicher Prägung – sich im Wesentlichen in den Bereichen Sex, Geld, Macht und Religion nicht anders verhalten als jede andere größere gesellschaftliche Gruppe. Sie mögen ein anderes Hobby haben, das um kirchliche Gebäude und Programme kreist, aber ihr Lebensentwurf ist im Kern die Verfolgung des amerikanischen Traums eines materiell abgesicherten Lebens, für das sie sich Gottes Hilfe erbitten.
Doch es gibt noch weitere Gründe, weshalb Jesus de facto nicht als König respektiert und anerkannt wird. Die Menschen haben andere Könige. Sie dienen Mammon (Matthäus 6, 34). Oder sie haben sich selbst verkauft: Sie haben sich per Handzeichen, Schwur, Fahneneid, Bekenntnis oder Unterschrift patriotisch ihrer Nation verschrieben, dem Militär, ihrer Kultur, Firma, Familie, Stamm oder Clan oder dem ›König Fußball‹. Viele haben billige, unapostolische und oberflächliche Predigten gehört, die sie zu einem Lippenbekenntnis ohne wirkliche Konsequenzen aufgefordert haben. Verdrehte theologische Konstrukte haben den Menschen zu erklären versucht, dass Jesus einmal König sein wird wenn er zurückkommt. Ungekreuzigter Materialismus, nacktes Konsumdenken und daraus resultierende Gemeindeformen haben die Nöte, Probleme und Gefühle von religiösen Verbrauchern zum Zentrum ihres Dienstes erklärt oder bieten einer ewig konferenzsüchtigen und stets anspruchsvolleren Masse ständig neue Highlights, Stars, Erfahrungen und geistliche Bonbons. Von den zehn geheilten Aussätzigen kam nur einer zurück und dankte Jesus. Wie konnte es geschehen, dass von 100 erlösten Sündern heute 99 davoneilen, um ihre Erlösung zu feiern und zu konsumieren, 40 Jahre lang Gottesdienste besuchen und im Kern unverändert dahindümpeln, aber nur einer von Hundert vor Jesus auf die Knie fällt und ihn als Herr und König seines Lebens akzeptiert – mit eindeutigen Auswirkungen auf die Bereiche Geld, Sex, Macht und Kirche?
Die Antwort ist erschreckend einfach: Wir sind selber Könige! Und wir haben absolut kein Interesse daran, von irgendjemand beherrscht zu werden. Und so stimmen wir in den großen Chor derjenigen ein, die schon damals laut gerufen haben: »Wir haben keinen König außer Cäsar!« (Johannes 19, 15), oder skandierten: »Wir wollen nicht, dass dieser über uns herrsche!« (Lukas 19, 14; Matthäus 21, 38). Und so entstand ein völlig neuer Volksstamm, der sich inzwischen massiv verbreitet hat: christliche Amalekiter. Die Amalekiter waren ein biblischer Stamm, der aus einer unehelichen Beziehung entstand (»Esaus Sohn Eliphas hatte eine Konkubine namens Timna, die ihm Amalek gebar«, 1. Mose 36, 12), der Israel viel Not bereitete. Das hebräische Wort A-Malek bedeutet buchstäblich diejenigen, die keinen König haben. Doch Gott ist größer als jede menschliche Rebellion. Als er »von seinem Eigentum verworfen wurde« (Johannes 1, 11), fand er andere, die ihn akzeptierten und ihm gehorchten. Das ist auch heute noch so, und viele, die heute Jesus nicht nur als Erlöser, sondern auch als König finden und akzeptieren, kommen aus Ländern wie China, Vietnam oder Sudan. Wenn es nicht die älteren Generationen tun, werden es vielleicht die Jungen tun. Wenn der kulturelle Westen – Europa, Nordamerika, Australien und Neuseeland – einen Kniefall vor Jesus als König für unter seiner Würde befindet, heißt das noch lange nicht, dass der überwiegende Rest der Welt es dem Westen gleichtut. Wenn die Bauleute auf einer Baustelle einen Stein verwerfen, wird er möglicherweise auf einer anderen Baustelle als kostbarer Grundstein oder krönender Abschluss entdeckt (1. Petrus 2, 7). Paulus sagte: »Niemand kann ein anderes Fundament legen als das, das bereits gelegt wurde, nämlich Jesus Christus« (1. Korinther 3, 11). Wenn es stimmt, dass Jesus der göttliche Grundstein ist »ohne den nichts gemacht ist, was gemacht ist« (Johannes 1, 3), dann führt Gott zahllose Menschen auf der Erde heute zur Wiederentdeckung der ungeheuren Tatsache: »Jesus ist König!« Wer das versteht, wird radikal umdenken wollen, zu einer kompromisslosen Deklaration der eigenen Abhängigkeit von seinem König kommen und ihm sein Leben verschreiben. In der Folge wird ein solcher Mensch nicht mehr nach eigener Lust und Laune leben wollen, sondern alleine und gemeinsam mit anderen Jesus nachfolgen – und sich persönlich und als Gemeinschaft mit anderen an die Prinzipien und Gesetzmäßigkeiten des Reiches Gottes halten – und zwar aus liebendem Gehorsam zu Jesus dem Erlöser, der uns zuerst geliebt hat.
Nachdem Jesus ›nahegekommen‹ war und deshalb verkündigte, dass das Reich Gottes ›nahegekommen‹ ist (ein Königreich beginnt erst mit der Ankunft des Königs), veröffentlichte er in der Bergpredigt (Matthäus 5-7) die Grundgesetze seines Königreiches: seine Verfassung. Jesus sagt: »Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit« (Matthäus 6, 33). Statt den Glauben zu einer rein persönlich-privaten Angelegenheit zu machen, macht Jesus die Nachfolge aus Glauben zu einer zutiefst politischen Angelegenheit. Das griechische Wort ›dikaiosyne‹, von den meisten Bibeln übersetzt als Gerechtigkeit, hatte zur damaligen Zeit von Jesus eine eindeutig politische Bedeutung: Es bedeutete Staatsrecht, die Grundgesetze und damit die Verfassung, die entweder Gott einem Volk gab, oder die es sich – später – selber gab. Jesus macht eindeutig klar, dass das Gesetz des Moses nicht nur das Zentraldokument der alttestamentlichen Theokratie war, der Herrschaft von Gott dem Vater als König über Israel, sondern auch ein fundamentaler Bestandteil seines Reiches: »Ich bin nicht gekommen das Gesetz oder die Propheten aufzulösen, sondern zu erfüllen« (Matthäus 5, 17). Jesus erklärt sogar, dass die Art, wie eine Person zu diesem Gesetz steht, festlegt, welchen Platz dieser Mensch im Reich Gottes einnehmen wird: »Jeder, der eines der geringsten dieser Gebote bricht und andere lehrt, dasselbe zu tun, wird der Geringste im Reich des Himmels genannt werden; wer aber diese Gebote praktiziert und hält, wird groß gehalten werden im Königreich des Himmels« (Matthäus 5, 19). Nur diejenigen Gebote des Mose, die direkt mit der Erlösung von Sünde, äußeren Heiligungsvorschriften (wie Reinigungs- und Essensvorschriften) oder Tieropfern zu tun haben, sind deswegen heute nicht länger bindend, weil inzwischen Jesus das Lamm Gottes geworden ist, das ein für alle Mal für alle unsere Sünden geopfert wurde. Große Befreiungen erfordern große Disziplin. Nachdem Gott Israel aus Ägypten befreite, wusste er genau, dass sie sich völlig im grenzenlosen Freudentaumel der Freiheit verlieren könnten und sich selbst zu feiern beginnen – oder goldene Kälber, wenn sie mal eine Minute ohne Aufsicht waren. Das ist der Grund, weshalb ihnen Gott – und mit ihnen der gesamten Menschheit – die Zehn Gebote gab als fundamentalen Wertekodex für das Leben.
Nun hat uns Jesus, der größer ist als Moses, aus der abscheulichen Sklaverei der Sünde befreit – ein Exodus globalen Ausmaßes. Es ist daher zu erwarten, dass er uns allen ›neue Gebote‹ gibt, von denen er sagt: »Wenn ihr mich liebt, dann werdet ihr tun was ich euch gebiete« (Johannes 14, 15); »Wenn jemand mich liebt, wird er meine Lehre halten« (Johannes 14, 23); und schließlich sogar: »Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut was ich euch sage« (Johannes 15, 14). Die Wiederentdeckung der Gnade hat uns allen viel Freiheit von Gesetzlichkeit und religiöser Manipulation gebracht, aber diese neue Freiheit ist keine Anarchie; sie braucht die Balance eines heiligen und gesunden Respektes, und zwar nicht aus Furcht, sondern Ehrfurcht. In einem Ozean kann man spielen – aber auch ertrinken. Und so ist auch Gott sowohl ein sehr nahbarer Vater, aber gleichzeitig auch ein heiliger und absoluter König und der Richter aller Richter. »Das Gesetz wurde durch Moses gegeben, die Gnade und Wahrheit jedoch kam durch Jesus Christus« (Johannes 1, 17). Wenn wir diese Gebote von Jesus ernst nehmen, werden wir feststellen, dass es davon erstaunlich viele gibt. Die 19 bekanntesten sind: tut Busse, glaubt, lasst euch taufen, seid erfüllt mit Heiligem Geist, folgt, verlasst, fürchtet euch nicht, hütet euch, betet, fastet, liebt, dient, such zuerst das Reich Gottes, brecht Brot miteinander, geht und macht zu Jüngern, lehrt, treibt Dämonen aus, heilt die Kranken und weckt die Toten auf.
Immer dann, wenn Menschen ihre eigenen Ambitionen aufgeben, treten die Ziele und Absichten Gottes wieder in den Vordergrund. Wo dies geschieht, ruft Jesus auf der ganzen Welt Menschen wieder zu sich zurück, weist ihnen ihren Platz in seinen königlichen Plänen an und positioniert so seine Braut für die letzte verbleibende apostolische Aufgabe. Um das zu bewerkstelligen, muss Jesus seine Leute allerdings von jahrhundertelangem Missbrauch durch Institutionalismus, Traditionalismus und Denominationalismus retten, durch die das Christentum zu nicht viel mehr als einer programmgetriebenen und veranstaltungssüchtigen Sonntagsreligion verkommen ist, in der religiöse Ladenketten entstanden sind oder unabhängige Gruppen, die sich entweder ignorieren oder sogar im aktiven Wettbewerb um Marktanteile miteinander stehen. Jesus kam nie in der Absicht auf die Erde, eine weitere religiöse Figur zu sein und der Erlöser vereinzelter Individuen zu werden. Er wird wiederholt ›König der Könige‹ und ›Herr aller Herren‹ genannt (1. Timotheus 6, 5; Offenbarung 4; 19, 16). Heute würden wir eine Person mit einem solchen Herrschaftsanspruch eindeutig nicht nur einen König nennen, sondern einen Imperator. Imperien sind wesentlich mehr als bloße Königreiche. Sie sind im Kern stetig wachsende Reiche, die sich progressiv neue Reiche untertan machen. Selbst die politische Imperiengeschichte, die Imperienfolge der Osmanen, Spanier, Briten, Russen und heute der Amerikaner, zeigt, dass Imperien grundsätzlich expandierende Machträume sind bzw. waren. Der
Unterschied von monarchischer zu imperialer Macht, der Dimensionsunterschied zwischen einem statischen Königreich und einem dynamisch-expandierenden Imperium, ist daher phänomenal groß. In der heutigen politischen Welt haben wir Könige, die zwar repräsentieren, jedoch nicht regieren. Es gibt Monarchen, die zwar existieren, aber keine wirkliche Regierungsgewalt haben. Bei einem Imperator wäre dies undenkbar: Ein Imperator, der nicht herrscht, macht keinen Sinn. Das ist auch bei Jesus so. Im Englischen gibt es den Satz: »If Jesus is not Lord of all, he is not Lord at all!« Und da viele Menschen im Verlauf der Kirchengeschichte Jesus zwar ›als ihren Erlöser angerufen haben‹, ihn aber nicht als ihren faktischen König akzeptiert und ihm im praktischen Leben die Loyalität verweigert haben, besteht heute ein gigantischer Nachholbedarf. Die zentralste und historisch gewachsene Mangelkrankheit in der tradierten kirchlichen Religion ist verweigerte Loyalität gegenüber dem König. Deshalb hat Gott eine globale Initiative gestartet, alle Menschen dazu aufzurufen, auch den zweiten Teil ihrer Bekehrung zu leben, nämlich aus Liebe und Überzeugung 100-prozentige Untertanen von Jesus zu werden und dazu jede Rebellion, jeden Widerspruch, jeden Eigenwillen und jedes demokratische Selbstverständnis abzulegen (Griechisch demo-kratos: das Volk herrscht). In Gottes Reich herrscht Gott, nicht das Volk. Nur wo sich Menschen Jesus faktisch als ihrem König und Imperator unterstellen, nur durch die Entscheidung, Jesus und seinem Königreich gegenüber eine Art Fahneneid abzulegen, werden wir zu legalen und voll funktionsfähigen Bürgern des Königreiches Gottes und zu einem untrennbaren Bestandteil der Mission des Königs. Wo dies geschieht, erhält ein kopfloses Christentum wieder sein Haupt zurück und beginnt wieder so zu funktionieren, wie es von Gott beabsichtigt war. Nur der Himmel ist das Limit für eine Kirche, die tatsächlich wieder deshalb Leib Christi ist, weil sie mit dem Haupt eindeutig und sichtbar verbunden ist. ///


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