Heft 31

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Der Autor

Mickey Wiese (48) ist verheiratet mit einer Lobpreistänzerin, Vater von drei wunderbar wilden Kerls und arbeitet als freier Prediger und psychologischer Berater. Er hängt mit seinem Freund Gott in Frankfurt ab und versucht, die bedingungslose Liebe Jesu in den Alltag von Jugendlichen zu übersetzen.

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Kolumne

Die Überraschungsparty

Mein Freund Gott und ich

// Als mein Freund Gott und ich ein­mal eine Geburtstagsparty organisierten, mussten wir beide Rotz und Wasser heu­len. Und das kam so.

Eines Tages lernten mein Freund Gott und ich in einer Tagesklinik eine junge Frau kennen, die zart und scheu wie ein junges Reh war. Nur manchmal traute sie sich, ein Lächeln zu zeigen und selten hör­ten wir ihr glockenhelles Lachen. Nach einer ganzen Weile des Vertrautwerdens konnten wir auch für kurze Augenblicke ihr vernarbtes Seelenfell sehen, das ihr Al­ter Lügen strafte. Wir versuchten schon einige Zeit ihre Seele mit Gutem zu sätti­gen (Jesaja 58, 11; Jeremia 31, 14), als wir erfuhren, dass ihr Geburtstag bevorstand. Als wir sie fragten, ob wir auch zu ihrer Feier kommen könnten und dass wir ihr gerne etwas schenken wollten, brach sie in Tränen aus. Sie hatte, so unglaublich das auch klingen mag, noch nie in all den 20 Jahren ein Geburtstagsfest gehabt. Das erfüllte meinen Freund Gott und mich mit einer Mischung aus Erbarmen, Zorn und Entschlossenheit. So fragten wir sie, ob wir sie dann an diesem Tag zum Es­sen einladen dürften. Das Leuchten ihrer Augen hätte schon zu diesem Zeitpunkt viele Bastionen der Finsternis mit einem Schalterknipsen aufgelöst.

Aber es sollte noch heller werden. Insge­heim verfolgten wir nämlich einen ganz anderen Plan. Ich klemmte mich hinters Telefon und lud viele unserer Freunde in die Wohngemeinschaft ein, in der ich da­mals wohnte, unter anderem einen gan­zen Gospelchor. Wir erklärten ihnen den Sachverhalt und baten sie darum, kleine Geschenke mit einer persönlichen Glück­wunschkarte und Kuchen mitzubringen.

Dank der Überzeugungskraft meines Freundes Gott, der die Herzen der Men­schen lenken kann wie Wasserbäche, wa­ren auch alle Feuer und Flamme für diese Erweckungsaktion. Als der Tag gekommen war, holte ich die junge Frau »zum Essen ab«. Im Auto sagte ich ihr dann, dass ich noch etwas vergessen hätte und dass wir noch einmal zu mir nach Hause müssten. Dort angekommen bat ich sie, doch kurz mit nach oben zu kommen, damit sie nicht so allein im Auto säße. Mein Freund Gott hatte inzwischen alle in der Wohnung in­struiert und sie mit voller Segenskraft aus­gestattet, Gläubige und Ungläubige. Die Tür ging auf und unsere junge Freundin schaute in das Licht von 20 Kerzen auf ei­ner Torte und in die vielen ihr zugewand­ten leuchtenden Augen, die die Dunkelheit durchbrachen. Einen Moment lang schien die Welt still zu stehen. Dann hörte man ihr Schluchzen, Schniefen und Schneuzen die Stille mit Leben erfüllen. Mein Freund Gott und ich standen direkt hinter ihr und wir heulten ebenfalls Rotz und Wasser vor Glück. Nachdem die vollkommene Liebe dann nach einer Weile alle Furcht heraus gewaschen hatte (1. Johannes 4, 18), into­nierte der Chor ein swingendes Happy Birthday, und es begann die Feier ihres Lebens. Und die war wirklich ein Vorge­schmack auf die Ewigkeit. Denn Partys sind ja dazu da, um auf meinen Freund Gott zu stoßen.

Das ganze Alte Testament ist voll von sei­nen Anweisungen, solche Partys zu feiern, bei denen man sich an einzelne Taten von ihm erinnert, wie er einen gerettet hat und was man vorher für ein Mensch gewesen ist und dass man nicht besser ist als ir­gendein anderer und dass man deswegen eben auch den Nächsten so lieben soll wie ­sich selbst. Feiern ist meinem Freund Gott wichtig, damit die Menschen nicht vergessen, woher sie kommen, warum sie hier auf der Erde sind und wohin sie gehen.

Eine der interessantesten Charakteri­sierungen des Volkes Gottes im Erwe­ckungszustand finden mein Freund Gott und ich immer noch die aus 1. Könige: »Juda und Israel waren an Menge so zahl­reich wie der Sand am Meer. Sie aßen und tranken und waren fröhlich.« (1. Könige 4, 20) Das wünschen wir beide uns von ganzem Herzen, dass man das einmal von einer Gemeinde sagen kann. »Sie aßen und tranken und waren fröhlich.« Das als Gottesvolk des neuen Bundes mindestens einmal pro Woche am Sonntag im Got­tesdienst zu tun, ist unbedingt notwen­dig, aber wahrscheinlich gar nicht aus­reichend. Damit die Menschen um uns herum etwas von Gott mitbekommen, müssen wir wahrscheinlich auch unter der Woche wieder mehr gegen alles anfei­ern, was das Leben zerstören will. Mein Freund Gott will, dass wir den Spaßkil­lern auch im Alltag auf der Spur bleiben. Alles, was die Menschen daran hindert, sein Fest zu feiern, muss man aktiv be­kämpfen: Kriege, Arbeitslosigkeit, Ungerechtigkeiten, Ausländerhass, Lügen und Betrügereien, Gewalt... All das hatte im Paradies keinen Platz und all das hat auf einer Party, die in uns die Erinnerung und die Erwartung des Paradieses wach halten soll, auch keinen Platz. Auch bei unserer Überraschungsgeburtstagspar­ty waren Nachbarn darauf aufmerksam geworden. Sie fragten, was denn hier los sei. Nachdem ich es ihnen erklärt hatte, fragten sie mich, warum wir das machen würden. Als ich ihnen dann von mei­nem Freund Gott und seiner Kirche der Liebe für alle Menschen erzählte, wollten sie es mir zunächst nicht glauben. »Zu ei­ner Kirche, die Partys für einsame Men­schen organisiert, die sie kaum kennt«, sagten sie, »würden wir nämlich schon längst dazugehören. So etwas gibt es nicht.« Mein Freund Gott und ich muss­ten ihnen leider Recht geben. Noch gibt es solche Kirchen nicht, aber immer mehr kleinere kirchliche Partisanengruppen un­serer Freunde, die so etwas durchführen.

Mein Freund Gott bekräftigte zu voran­geschrittener Stunde dann noch einmal, was Jesus in Matthäus 25, 31-40 Grund legend versprochen hatte und verabschie­dete alle, die mitgeholfen und mitgefeiert hatten, indem er ihnen eine Einladungs­karte in die Hand drückte: »Kommt her, Gesegnete meines Vaters, erbt das Reich. Ich freue mich darauf, jeden, der heu­te hier dabei war, demnächst auf meiner Party bei mir zu Hause in der Ewigkeit begrüßen zu können.« Und dann zogen wir alle fröhlich und sehr beschwingt un­serer Straßen. ///

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