Heft 32

Der Autor

Axxl (35), mit bürgerlichem Namen Axel Brandhorst, ist in zweiter Ehe verheiratet und Vater einer bezaubernden Tochter. Er lebt im Kanton Bern in der Schweiz und ist im deutschsprachigen Raum in Seelsorge und psychologischer Beratung unterwegs. Sein Herz schlägt dafür, Menschen zu befähigen, eine gute Beziehung mit sich, ihrem Schöpfer und anderen Menschen leben zu können. siehe auch www.axxl.wordpress.com oder www.axelbrandhorst.org

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Heftthema Tabubruch

Was kostet die Freiheit?

Tabubruch als Chance zur Entwicklung

// »Das ist verboten!« – Worte, denen wir immer wieder begegnen. Das fängt schon bei den Kleinsten an: Daumennuckeln ist verboten; später das Doktorspielen im Kindergarten, dann Ballspielen, Rasen betreten, Zuspätkommen, Abschreiben, Alkohol, Drogen, Mord und Totschlag. Manche Verbote machen Sinn; und manche derer, die Sinn machen, tun es nachvollziehbar. Andere nicht.

»Das ist Tabu!« – auch ein Ausspruch, den die meisten von uns schon gehört haben. Tabu bedeutet, dass etwas nicht nur verboten ist, sondern sogar mit einer Art Bann belegt ist. Ein Verbot zu missachten, das hat Folgen. Ein Tabu soll in sich schon so stark sein, dass sich niemand traut, es zu brechen. Ein Tabu macht eine Sache oder eine Handlung komplett unberührbar – die Berührung ist also nicht nur verboten, sondern soll insofern unmöglich sein, weil uns eine Barriere anerzogen wurde, die uns gar nicht erst dran denken lässt. ›Tabu‹ stigmatisiert nicht nur eine Handlung, sondern auch ihre gesamte Peripherie. Das klingt magisch, und fast so gut hat es auch durch viele Jahrhunderte funktioniert. Magie ist, wenn etwas, das in keinem erkennbaren Zusammenhang zum ausgelösten Ereignis steht, dennoch das Ereignis auslöst. So hat sich für den Begriff ›Tabu‹ das Synonym ›verpönt‹ eingebürgert. Wir wissen, was alles verpönt ist, aber wir haben keine Ahnung, was ›verpönt‹ überhaupt wirklich bedeutet. ›Pönen‹ ist kein Verb mit Aussage; somit kann keiner ›pönen‹ und auch niemand und nichts dasselbe im Passiv erleben – sprich, verpönt sein oder werden.
Tabus und Verbote hängen direkt mit den Werten eines Kollektivs zusammen. Unsere Werte lösen sich auf – die Postmoderne war weder vom Papst noch vom Pietismus aufzuhalten; und so müssen wir feststellen, dass von all dem, was wir noch vor 20 Jahren als feststehende Tatsachen vorausgesetzt haben, fast nichts überdauert hat. Das ist die Welt, in der wir leben. Nicht so die Welt, von der wir sind – wir, das sind die, die mit Jesus unterwegs und im Herz mit ihm verbunden sind. Die Jesusnachfolge bietet Werte, und zwar solche mit Begründung, die auch zu Verboten führen können. Im Laufe der Kirchengeschichte wurden diese Verbote jedoch weitgehend zu Tabus, und so hat die Kirche der progressiven Wertediffusion unserer Zeit wenig entgegenzusetzen. Zeit für ein Beispiel ...

Ingo schaut Pornos. Er findet das geil. Da er in seiner Erziehung für den Umgang mit Sexualität den Wert »was dir Spaß macht, tut dir gut« geprägt bekam, klingelt auch nichts in seinem Gewissen. Jan ist Ingos Freund. Jan wurde christlich erzogen. Als Jan von Ingos Hobby erfährt, ist er entsetzt. »Das geht doch nicht«, sind seine ersten Gedanken. »Warum nicht?« Ingos Gegenfrage. Auf die kann Jan nichts mehr erwidern – er hat keine Worte, um zu beschreiben, was Pornos zum No-go machen.
Sind Pornos gut für Jan, weil er keinen Grund findet, warum sie nicht gut sein sollten? Natürlich nicht, aber Jan steht kurz davor, ein Tabu zu brechen, weil es sich für ihn als hohl entpuppt hat. Dass er damit gleichzeitig ein sinnvolles Verbot übertritt, erkennt er nicht, weil über Sex nicht geredet wurde, und weil ihm die sinnbezogene Herleitung dafür, dass Sex der Vollzug der Ehe ist, fehlt.
Was wir also brauchen, sind sinnvolle Verbote mit sinnvollen Begründungen – das nimmt dem Verbot den Verbotscharakter und macht es zur Hilfe auf dem Weg zum Leben.
Leider ist das nicht immer so einfach, denn viele Tabus haben sich vom ursprünglichen Verbot weit entfernt. Tabus dienen ja nicht nur dazu, nicht mehr selbst über Sinn und Inhalt nachdenken zu müssen (indem man das an Führungspersonen delegiert), sondern sie wurden im Lauf der Geschichte nicht selten auch zur Machtfestigung von Menschen und Institutionen eingesetzt. Das begegnet uns sicher in der katholischen Moraltheologie, aber zum Beispiel auch in der Profi-Laien-Trennung der meisten durchschnittlichen Gemeinden. Wir finden dieses Phänomen in der Erziehung ebenso wie in Wissensvermittlungsinstituten und in Gerichtssälen. Nicht mal in trauten Zweierbeziehungen sind wir davor sicher ...
Tabus hindern uns am Leben. Wenn schon das simple Wort ›Warum‹ unser Wertegebäude ins Wanken bringt, dann haben wir auf Sand gebaut. Das ist der westlichen Kultur nach dem zweiten Weltkrieg passiert – als ihre Welt von ein paar langhaarigen Studenten letztendlich mit diesen fünf Buchstaben aus den Angeln gehoben wurde.

Ein Beispiel begegnet uns auch in der Bibel, ganz am Anfang. Gott verbietet Adam und Eva, vom Baum der Erkenntnis zu essen. Verbot oder Tabu? Gott begründet: »... denn an dem Tag, da du davon issest, musst du unbedingt sterben.« Gott schafft den Baum der Erkenntnis also als durchdenkbare Möglichkeit, die er aber verbietet. Offensichtlich war diese Möglichkeit den beiden Urmenschen zu heiß, und sie haben das Verbot mit einem Tabu abgesichert: Bloß nicht dran denken, das ist gefääährlich. Das kommt raus, als die Schlange ihren Auftritt hat. Listig wie sie ist, hat sie sofort erkannt, wo das Problem liegt: Der Bezug zur Begründung fehlt. Eva erinnert sich zwar noch schwach daran, kann es aber nicht mehr mit Inhalt füllen und hat das Essverbot in ihrer Erinnerung gleich noch aufs Berühren ausgeweitet – sie hat die Frucht tabuisiert: unberührbar gemacht. Deswegen hat sie der Schlange auch nichts entgegenzusetzen und wird mit einem einzigen dummen Spruch aus dem Werbefernsehen zu Fall gebracht.

Was unsere persönliche Entwicklung zu einem eigenständigen Menschen, das Werden zu einem Gegenüber Gottes angeht, bedeutet das, dass wir uns keine Tabus leisten können. Wir müssen das anschauen, worin wir uns entwickeln wollen. Wenn wir etwas mit einem Tabu belegen (z. B. »Über dieses Thema wird nicht geredet«), können wir uns in diesem Bereich nicht entwickeln. Denn entwickelbar ist nur, was wir anschauen.
Jede mögliche Handlung muss durchdacht werden dürfen, jede potentielle Konsequenz hinterfragt. Sonst hätte der Vadder keine reifen, selbstverantwortlichen Gegenübers wollen, sondern kuhäugig-adeptische Ja-Sager.

Das ganze möchte ich mit ein paar Beispielen aus meiner eigenen Geschichte untermalen. Dabei will ich zeigen, dass ohne Tabubruch oft der Weg zum Leben verbaut ist.
Erster Tabubruch: Ich wurde fundamentalistischer Christ. Das tat man damals nicht. Nicht in meiner Familie, nicht bei meinen Freunden, nicht in der Schule. Was hat es mir gebracht? Potentiellen Zugang zu dem Leben, das Gott für mich hat.
Zweiter Tabubruch: Taufe nach einer Woche fundamentalistischen Christseins. Das war sogar manchen Christen zu heiß. Was hat es mir gebracht? Ich habe mein geistliches Leben mit einer gewissen Bereitschaft zur Konsequenz begonnen und damit Weichen für später gestellt.
Dritter Tabubruch: Ich habe meine damalige Gemeinde verlassen, ohne dass Gott vorher dem Pastor Bescheid gesagt hat. Was hat es mir gebracht? Ich war am Ort meiner Berufung und konnte mich entwickeln und entfalten, wie das in der Gemeinde nicht möglich gewesen wäre.
Vierter Tabubruch: Ich habe ein Gemeindegründungsprojekt eingestampft, weil die Vorstellungen über das Umsetzen der gemeinsamen Vision auseinandergingen. Was hat es mir gebracht? Freiheit zum individuellen Leben und von der Last des Leitens, das in diesem Kontext unmöglich geworden war. Außerdem war ich frei, mein Leben neu zu gestalten und Gott noch mal nach meiner Lebensberufung zu fragen – die hätte ich sonst vielleicht völlig verpennt.
Fünfter Tabubruch: Ich habe mich scheiden lassen. Über die Gründe will ich nicht reden, das geht ja keinen was an. Nur eines dazu: Ich habe all die christlichen Anti-Scheidungs-Argumente, an die ich bis dahin selbst geglaubt hatte, genauso eingehend untersucht wie seinerzeit die Unschuld Christi – und keines hat standgehalten. All die »eindeutigen« Aussagen Jesu zum Thema – wenn wir lesen, was er da wirklich gesagt hat, müssen wir zugeben, dass seine Aussagen mehr Fragen aufwerfen als beantworten. Was hat es mir gebracht? Befreiung von der Last, eine nicht führbare Beziehung weiterzuführen, absorbiert damit zu sein und keine Energie mehr für meine Berufung zu haben.
Sechster Tabubruch: Ich habe die letzten zwei Jahre lang geraucht. Was hat es mir gebracht? in Schwachheit schwach sein dürfen – hey ehrlich: Ich hab die Realität einfach eine Weile nicht ausgehalten, ohne sie nikotinös zu dämpfen. Außerdem hab ich die potentielle Konsequenz, an Lungenkrebs zu verrecken, in mein Leben integriert. Das ist meine eigene Verantwortung – deswegen hab ich ja auch wieder damit aufgehört.

Fazit? Jeder einzelne Tabubruch in meinem Leben hat mich dem Vadder näher gebracht. Ich liebe ihn wie nie zuvor. An kein Tabu habe ich mich von selbst herangewagt – allesamt konnte ich sie nur brechen, weil mich eine Krise dazu zwang. Nur in sehr engem Unterwegssein mit dem Vadder war dieser Weg gehbar. Und ich bin sehr froh um jeden Schritt, den ich gegangen bin. Ist deswegen Scheidung richtig? Ist deswegen Rauchen gut? Eben. Und genausowenig, wie man aus meiner Erfahrung Regeln ableiten kann, sollten wir aus Gottes Wort stereotype Regeln machen. ///

© Axel Brandhorst

Kommentare

Oliver Kröger // Montag, 09. Februar 2009 um 10.31 Uhr
Folgende Passage hat mich überrascht: „Unsere Werte lösen sich auf – die Postmoderne war weder vom Papst noch vom Pietismus aufzuhalten; und so müssen wir feststellen, dass von all dem, was wir noch vor 20 Jahren als feststehende Tatsachen vorausgesetzt haben, fast nichts überdauert hat.“
Nach einem einleitenden Abschnitt der gut ins Thema führt, plötzlich dieser pauschale, undifferenzierte Kracher. Ab dieser Zeile war der Bericht für mich disQUALIFIZIERT.

Weiter unten konnte man dann noch lesen, woher möglicherweise diese simplifizierte Ausführung kam – aus dem fundamentalistischen Selbstverständnis des Autors vielleicht?

Von jemandem, der eine solche Weltsicht preisgibt möchte ich nicht inspiriert werden. Das atmet Angst, Rückwärtsgewandheit und diffuse Wahrnehmung der Realität.
Es hat also innerhalb von 20 Jahren „fast nichts überdauert“! Welchen Horizont hat denn der schreibende Jüngling? Möglichweise hat das persönliche Weltbild des Autors die letzten 20 Jahre extreme Veränderungen durchlaufen. Dies aber verallgemeinernd bzw. geradezu gesamtgesellschaftlich zu sehen – da überhebt sich der Schreiber aber gewaltig.

Oder ist jene Perspektive möglicherweise viel weiter unter "fundamentalen" Christen verbreitet, als ich bisher dachte?

Beste GRüsse
Oliver
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Anne Coronel // Montag, 09. Februar 2009 um 10.37 Uhr
Lieber Oliver,
wir danken dir herzlich für deinen Leserbrief und dass du offen deine Meinung schreibst. Wir sind immer dankbar dafür, wenn unsere Leser die Artikel nicht einfach runterlesen, sondern sich wirklich auch Gedanken darüber machen. Dabei muss die Meinung des Lesers in keinster Weise mit der des Autors übereinstimmen. THE RACE ist eine Zeitschrift die kitzelt, manchmal sticht sie auch. Aber das tut sie aus dem Grund, damit die Leser anfangen sich mit den Themen auseinander zu setzen und weiter zu denken. Provokant zu sein gehört zur RACE.

Natürlich ist es wichtig, dass unsere Autoren keine pauschalen Dinge schreiben, sondern tatsächlich, wie du auch sagst, differenzierte Aussagen treffen. Vielleicht wäre an dieser Stelle, die du hervorgehoben hast, ein Beispiel vom Autor angebracht gewesen. Doch ich denke, dass eigentlich klar ist, was Axxl meint. Ich binde Axxl in die Kommunikation mit ein, vielleicht kann er dir selbst sagen, warum er diese "pauschale Aussage" getroffen hat. Meiner Meinung nach hat er sich eben mit diesen beiden Schlagwörtern zwei Autoritäten rausgepickt, die viel Einfluss im Bereich der Ethik des Menschen bzw. in diverse Menschengruppen wie beispielsweise die Katholiken haben. Doch trotzdem lösen sich die Werte auf. Und es ist eine Tatsache, dass vor 20 Jahren menschliche Werte einen größeren Stellenwert hatten als es heute der Fall ist. Heute liest du Slogans wie "Werte- wo sind sie geblieben". Diese Stelle weiter auszuführen, hätte ich auch als unnötig empfunden, weil wir aufgrund unseres Weltwissens doch wissen, welche Aspekte hier reinspielen. Und dies war auch nicht der Hauptpunkt des Artikels. Trotzdem ist dieser Kritikpunkt wichtig und wir wollen darauf achten, vor allem an Wendestellen differenziert zu sein.

Mit besten Grüßen
Anne Coronel
(THE RACE Redaktionsmitglied)
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Axel Brandhorst // Montag, 09. Februar 2009 um 10.39 Uhr
Hallo Oliver,
ehrlich gesagt, Deine Reaktion hat mich etwas verwirrt. Liberalität und zu wenig Konformismus, das hat man mir in Reaktionen auf mein Geschriebenes schon des öfteren vorgeworfen. Fundamentalismus und Rückwärtsgewandtheit - ähh - das kommt mir so zum ersten mal. Ehrlich!
Und ich komm nicht ganz klar, wo Du das rausliest. Aber schaun wir mal... ich möchte Dir jedenfalls gerne Antwort geben, so gut ich kann.

Dass in den letzten 20 Jahren von den Werten der westlichen Welt fast nichts überdauert hat, ist sicherlich ein wenig überformuliert. Das allein auf meine Biografie zu beziehen wär allerdings ein wenig ignorant: ob Du die führenden Soziologen (empfohlen sei hier als Beispiel Beck/Beck-Gernsheim), Psychologen, Sozialarbeiter oder Zukunftsforscher (z.B. Mathias Horx) zu Rate ziehst - alle sprechen von einem enormen Wertewandel, einer Wertediffusion, einem Paradigmenwechsel der Normen und Werte oder wie sie es auszudrücken belieben. Keiner von denen ist meines Wissens ein "fundamentaler" Christ; ich selbst übrigens auch nicht. Meine Aussage ein pauschaler Kracher? Maybe - dann aber mit gewisser wissenschaftlicher Rückendeckung :-) . Deshalb krieg ich auch den Kausalzusammenhang zu meinem Horizont nicht ganz. Ansonsten ist Annes Antwort ziemlich zutreffend und ich möchte sie nicht wiederholen.

Was ich allerdings als unbedingten Kracher wahrnehme, ist dass Du mir pauschale Undifferenziertheit unterstellst und selbst einen Artikel ab der ersten von Dir nicht als stimmig empfundenen Aussage als für Dich disQUALIFIZIERT betrachtest: ist nicht das auch ein wenig pauschal und undifferenziert?

Ich finde es sehr schade, dass Du Dich von mir nicht inspirieren lassen willst. Wenn Du Dir die Mühe machst zu überlegen, wie eine Textpassage gemeint sein könnte (und im Zweifelsfall gerne bei mir nachfragst), glaube ich, dass da durchaus Inspiration drin sein kann. Ich würde mich sehr freuen, wenn Du diese Offenheit hättest.

Liebe Grüße,
Axel
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Oliver Kröger // Montag, 09. Februar 2009 um 10.41 Uhr
Hallo liebe Anne, lieber Axel,
Vielen Dank für eure Reaktion auf meinen Leserbrief! Es freut mich sehr, dass ihr eine aktive Kommunikation mit euren Lesern betreibt!

Nun etwas zur inhaltichen Auseinandersetzung:

In Bezug auf die Formulierung "...unsere Werte lösen sich auf ... fast nichts hat überdauert" bleibe ich bei meiner Einschätzung, dass diese Formulierung zu eng gefasst ist. Ich entnehme deiner Antwort allerdings auch, dass dieser Passus möglicherweise schärfer rüberkommt als beabsichtigt. Nehmen wir also an, dass hier Wertewandel im SInne der aufgeführten Autoren gemeint ist -wenn gleich recht eng formuliert.

Nach meiner Wahrnehmung gibt es nämlich massenweise Werte bzw Entwicklungen, die in den letzten 20 Jahren überdauert haben und sich sogar noch - im Sinne des christlichen Menschenbildes - konkretisiert und verbreitet haben:
- allg. Menschenrechte
- Grundgesetz
- Werte zur Gleichstellung von Mann und Frau
- Demokratisierung des Ostblocks (inkl. Religionsfreiheit)
- wachsende christliche Gemeinden in Entwicklungs- und Schwellenländern,
- Ende der Apartheid in SA

Viele Beispiele in denen Wertewandel respektive Umdenken ZUGUNSTEN des christlichen Werteverständnisses stattgefunden hat!

Wie du richtig weiter unten ausführst: "Wir müssen das anschauen, worin wir uns entwickeln wollen. Wenn wir etwas mit einem Tabu belegen (z. B. »Über dieses Thema wird nicht geredet«), können wir uns in diesem Bereich nicht entwickeln. Denn entwickelbar ist nur, was wir anschauen. Jede mögliche Handlung muss durchdacht werden dürfen, jede potentielle Konsequenz hinterfragt. Sonst hätte der Vadder keine reifen, selbstverantwortlichen Gegenübers wollen, sondern kuhäugig-adeptische Ja-Sager."

Richtig! Und dieses Durchdenken heisst für uns Christen Wahrnehmung des Wertewandels und Adaption der Bibel an den Kontext der Gegenwart sowie daraus Ableitung von gegenwarts-relevanten Antworten.

Hier schliesst sich der Kreis: Wertewandel ist für mich etwas wertvolles! Weiterentwickung, Herausforderung. Einen gesellschaftlichen Wandel zu bedauern hat immer etwas von Rückwärtsgewandtheit! Rückwärtsgewandt, weil der Referenzpunkt in der Vergangenheit liegt. Unser Referenzpunkt sollte jedoch in der Gegenwart liegen! In der aktuellen Auslegung der Bibel. Das bedeutet auch, dass energisch auf gesellschaftliche Fehlentwicklungen hingewiesen werden muss! In diesem Sinne sollte "die Kirche" ihre Defensive gegenüber dem Progressiven durch starke, gegenwartsbezogene Akzente aufarbeiten!

Das Beispiel mit den Pornos finde ich übrigens gut gelungen!

... was mich etwas irritiert:

Du schreibst in deiner Antwort: "Keiner von denen ist meines Wissens ein "fundamentaler" Christ; ich selbst übrigens auch nicht."

Nun, über die Weltanschauung der genannten Autoren kann ich nicht urteilen. Jedoch lese ich als "Ersten Tabubruch" in deinem Artikel: "Ich wurde fundamentalistischer Christ. Das tat man damals nicht. Nicht in meiner Familie, nicht bei meinen Freunden, nicht in der Schule. Was hat es mir gebracht? Potentiellen Zugang zu dem Leben, das Gott für mich hat."

Ich entnehme dem letzten Satz, das diese Positionierung auch aktuell gilt. Daher meine Einordnung gemäss deiner Selbsteinschätzung. In diesem Sinne überrascht die Diskrepanz zwischen der Aussage im Artikel und in deiner Antwort.

Interessant finde ich diese persönliche Einordnung "fundamentalistischer Christ" schon. Das erinnert mich ein bisschen an die Abgrenzungsversuche zwischen Christen. Kennst du auch die Zeit als im Gespräch untereinander zwischen "Christ", "wiedergeborenem Christ", oder "bibeltreuem, wiedergeborenem Christ" unterschieden wurde (mit vermeintlich qualitativ bewertendem Subtext)? In dem Sinne finde ich deine Betonung bzw Einordnung "fundamentalistischer Christ" unnötig. Wir sind Christen. Unterschiedliche Glaubensverständnisse befugen uns noch lange nicht dazu Attribute zu verteilen. Das ist im Kern abgrenzend. Hilft aber vielleicht bei der Vergewisserung über den eigenen Standort, das mag richtig sein.

In diesem Sinne Danke für diesen konstruktiven Austausch.

Beste Grüsse,
Oliver Kröger
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