Heft 33
Der Autor
Martin Preisendanz (29) wohnt mit seiner Frau Rebekka in Meiningen. Nach seiner Ausbildung als Werkzeugmechaniker hat er Theologie studiert. Er ist Theologe, Mitarbeiter bei Destiny Design und Teil von People Movement. Mehr Infos auf seinem Blog: www.martinpreisendanz.de
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Hunger
Warum ich wieder faste
Kevins Reise
// Fürbitte ist wichtig! Fasten bewegt Gottes Herz! Kevin wiederholte es gebetsmühlenartig. Noch immer konnte er nicht glauben wie sein Professor voller Überzeugung sagen konnte: »Wenn es irgendwo auf der Welt einen geistlichen Aufbruch gab, wird danach in den Gemeinden gelehrt, dass Gebet und Fasten die Vorläufer waren. Natürlich haben diese Menschen zuvor gebetet, kennst du etwa Christen, die nicht beten? Also ich treffe mich auch jede Woche mit Freunden und wir beten für unseren Ort. Sollte dann die Erweckung kommen, war es unser Gebet. Und wenn sie nicht kommt, tja, dann haben wir wahrscheinlich zu wenig gebetet.« Peng!! Kevin hatten diese Worte hart getroffen. Nein, so etwas kann er nicht einfach so sagen. Gebet und Fasten mit einem Schlag als doch nicht ganz so wichtig zu bezeichnen, schließlich steht das Leben so vieler Menschen auf dem Spiel, die ohne unser Gebet verloren gehen. Jetzt, in einer Zeit, in der man endlich von einem Gebetsaufbruch sprechen kann. Die Gemeinden fangen verstärkt an zu beten, mit dem Wächterruf wurde das 24-Stundengebet in Deutschland wieder eingeführt, neue Gebetsinitiativen sprießen aus dem Boden, siehe 24-7. Und nun will er einem weismachen ... Kevin wollte sich von diesen Gedanken nicht kleinkriegen lassen, schließlich hatte er vor, Großes mit Gott zu erleben. Jetzt musste er sich erstmal wieder beruhigen. Aufgewühlt fläzte er sich auf sein Bett, verschränkte die Arme hinter seinem Kopf und dachte an alte Zeiten. Alles fing mit dieser Einladung an: Gebets- und Fastentag für die junge Generation. Intuitiv spürte er Gottes Ziehen. Das war sein Ding. Gefastet hatte er noch nie, keine Vorstellung, keine Ahnung, machte auch nichts. Naiv, aber voller Leidenschaft fuhr er mit zwei Mitstreitern zu besagtem Treffen, das natürlich nicht irgendwo stattfand – nein, auf dem eigens dafür eingeweihten Gebetsberg. Es sollte ein Tag werden, der Deutschland verändert und er war dabei, wie geil! Gut, der Fastentag lockte nicht gerade die Massen an. Als mathematisch versierter Schüler konnte er auch gleich den Prozentsatz ausrechnen, um welchen er und seine Begleiter die Gesamtzahl der Teilnehmer erhöhten. Doch das entmutigte ihn nicht. Der Tag war eigentlich super. Durchgehalten hatte er, dem Magenknurren getrotzt, nicht einmal an einen Döner gedacht. In der Folgezeit packte Kevin das Verlangen, weiterzubeten und mehr zu fasten. Ja, er wollte ein Hesekiel sein, der in den Riss trat, an ihm sollte es nicht liegen, dass in diesem Land zu wenig gebetet wird. Er sog alles auf, was er zum Thema Gebet und Fasten an Impulsen finden konnte. Und er zog sich in sein Kämmerlein zurück und rief den Herrn an. Kein Gebetstreffen fand mehr ohne ihn statt. Die aufkommende Gebetsbewegung bestätigte ihn. Er sah viele seiner Gebete beantwortet. Immer mehr Menschen entdeckten die Dringlichkeit von Fürbitte. Gleichzeitig fing er an, öfter zu fasten. Anfangs einen Tag im Monat, später einmal pro Woche, dann auch mal zwei bis drei Tage am Stück. Beim Bibellesen konzentrierte er sich auf Stellen wie Joel 1, 13 oder Joel 2, 12-17 sowie auf die radikalen Gebetskämpfer. Doch nach und nach vernahm er deutlicher als je zuvor eine Gebetsmüdigkeit unter den Christen und wenn er ehrlich war, auch bei sich selbst. Aber eine neue Initiative machte ihm Hoffnung – ›die Nasiräer‹. Das werden die Historymaker der neuen Generation sein. Er selbst ein Nasiräer? Noch bevor er sich intensiver damit beschäftigen konnte, irritierte ihn der Professor mit seiner Aussage. Ihr wisst schon, der vom Anfang. Und diese Worte hinterließen Spuren. Langsam und zaghaft schürten sie die ersten Zweifel und bahnten sich einen Weg in sein Herz. Die Zweifel durchsetzten sein Denken. Zweifel an seiner Theologie. Zweifel, die ihn zum Fragenstellen führten. Was bewirkt Gebet und Fasten überhaupt? Bringt Gebet wirklich die ersehnte Erweckung? Geht es vielleicht gar nicht darum, mehr zu beten? Was wäre, wenn die Christenheit nur beten und fasten würde? Zweifel, die ihm zu schaffen machten, denn in der Fürbitte hatte er einen wichtigen Teil seiner Berufung gesehen. Je länger Kevin auf seinem Bett lag, desto nachdenklicher wurde er. Anflüge von Melancholie wechselten sich ab mit ›aber-in-der-Bibel-steht-doch‹-Durchhalteparolen. Kevin suchte nach einer Lösung, die ihn weiterbrachte. Er stand auf, ging entschlossen zum Schreibtisch, nahm sich ein Blatt Papier und schrieb eine
To-Do-Liste:
1. Bibel lesen,
2. mit anderen Christen im Austausch sein,
3. weiter beten und fasten,
4. sich hinterfragen lassen,
5. Tagebuch führen.
7. April
Ich war heute mit einem in der christlichen Szene bekannten Propheten und Beter unterwegs. Wir fuhren durch die Gegend und beteten an geschichtsträchtigen Stellen für unser Land. Fragte ihn zwischendurch nach seinem Fastenleben. Zu meiner Überraschung fastet er eigentlich kaum. Wie es scheint, gebraucht Gott auch Männer des Gebets, die nicht fasten!
13. Juni
Heute sollte ein bedeutender Tag werden. Ein großer Gebets- und Fastentag war ausgerufen worden. Ich folgte Zehntausenden in die Hauptstadt. Voller Erwartungen begab ich mich unter die Menge und betete kräftig mit. Wenn ich ehrlich bin, wechselten sich Langeweile, Befremdliches und geistlich tiefe Momente ab. Obwohl ich solch ein Treffen in meinen Träumen schon immer ersehnt hatte, verlief der Tag für mich erstaunlich emotionslos. Hatten meine allgemeinen Zweifel schon so überhand genommen? Oder bin ich zu routiniert geworden?
Nachtrag: Von diesem Tag hieß es, er habe unser Land verändert – zumindest nach Meinung der Organisatoren. Stimmt das wirklich? Wie kommen die da drauf? Messen kann man das ja nicht. Am Ende heißt es wahrscheinlich, in der unsichtbaren Welt habe sich was getan und irgendwann werden wir die Ergebnisse auf der Erde erleben. Ich bin mir da nicht mehr ganz so sicher. Außerdem, war es nicht wieder eines dieser Events ohne Langzeiteffekt? Mal einen Tag gebetet und danach ist alles verpufft. Die Nasiräer geraten in ...
12. Juli
Bekam von einem Freund eine Predigt-CD über Gebet geschenkt. Ein Satz hat mich besonders angeregt: »Es geht nicht darum so viel wie möglich zu beten oder zu fasten, sondern gezielt.« Die Formel viel Gebet gleich viel Frucht scheint mir nicht aufzugehen. Hat Jesus gebetet? – Ja. War er im Dauergebetseinsatz? – Nein. Schließlich hatte er noch ganz anderes zu tun. Lehren, heilen, seine Jünger ausbilden, einfach leben ...
7. August
Las heute Lukas 5, 30-39. Die Pharisäer beklagten sich bei Jesus, dass seine Jünger zu wenig fasteten. Tja, die Pharisäer, die waren wie ich zu anderen Christen. Ich war ja immer schon der Meinung, dass die zu wenig beten und fasten. Doch beim Nachdenken und Studieren des Textes gingen mir mehrere Lichter auf. Wie ich in Erfahrung bringen konnte, fasteten die Pharisäer regelmäßig zweimal die Woche. Der Grund ihres Fastens war das Bestreben, eine Umkehr der Menschen und damit eine Reform des Judentums zu erzielen. Eigentlich eine gute Sache, doch im Fasten verpassten sie zu erkennen, dass die ›Erfüllung‹ vor ihnen stand. Sie beteten und fasteten für den Bräutigam (um das Bild aus dem Gleichnis des Textes zu verwenden) und als er kam, sahen sie ihn nicht und beteten und fasteten weiter. Das pharisäische Streben war schlicht und einfach nutzlos. Wahnsinn! Die Jünger Jesu, die sich an diesem eifrigen Fasten nicht beteiligten, handelten dagegen korrekt. Daraus lerne ich: Es gibt für alles seine Zeit. Schussendlich geht es darum, zur richtigen Zeit das Richtige zu tun!
14. August
Heute sprach Gott zu mir: »Kevin, ich will nicht, dass du jetzt in die Fürbitte gehst, sondern dich von mir berühren lässt. Weißt du, dein ständiger Fokus auf Fürbitte verhindert mein Wirken an dir, denn ich will dir in Zeiten von Ruhe und Besinnung begegnen.« Das war ein Schock für mich, dennoch befreiend. Ich setzte Gottes Anweisung gleich um. Es fiel mir schwer, still zu sein. Daran muss ich mich wohl erst gewöhnen.
15. September
Bin dabei neue Zugänge zu Gott zu entdecken. Ich gehe öfter spazieren und Gott spricht zu mir durch die Natur. Ich genieße es, von ihm zu empfangen.
9. November
Ich fühlte mich von Gott geführt an diesem historischen Tag zu beten. Und wow! Es war eine geniale Zeit. Seit langem habe ich nicht mehr so intensiv für unser Land gebetet. Dabei spürte ich Gottes Kraft. Ja, ich wurde das Gefühl nicht los, dass meine Gebete nicht abprallten, sondern Gottes Herz bewegten. Reine Gefühlsduselei? Mir kam es nicht so vor! Ich bekam seit längerer Zeit wieder mal Lust zu fasten.
12. Dezember
Habe heute das erste mal wieder gefastet. Eine gute Bekannte liegt nach einem schweren Autounfall im Krankenhaus. Ich entschied mich deshalb, ihr meinen heutigen Tag zu widmen. Nutzte meine Essenszeiten zum Gebet für sie. Fand es gut, einen konkreten Grund fürs Fasten zu haben. Ich wollte Gott damit meine Ernsthaftigkeit und Sorge ausdrücken, wohlwissend, dass ich ihn nicht manipulieren kann.
Je mehr man betet, desto enttäuschter kann man werden. Dennoch will ich mich nicht herausziehen und die Welt Welt sein lassen. Ich will erleben, wie Gott übernatürlich eingreift. Ich will ehrlich sein mit meinem Frust. Ich will aber auch an Gottes Kraft festhalten. Das ist ein unglaublicher Spagat. Doch es lohnt sich.
21. Januar
Zeit für ein Zwischenfazit. Ich wurde vom überzeugten Beter und Faster zum Zweifler – und nun? Es fühlt sich an, als ob die Zweifel mich reifen ließen. Ich bete, ab und an faste ich auch. Ich bin nicht mehr so verbissen. Verstehe mehr, was es heißt eine spezielle Berufung zum Fürbitter zu haben. Ich glaube weiterhin, dass Gebet die Welt verändert, doch nicht allein. Gebet darf nicht losgelöst von konkretem Handeln sein. Ich habe gelernt, wie wichtig es ist, gezielt zu beten und natürlich, dass es für alles Zeitfenster gibt. Ich werde auch weiterhin fasten und beten und glauben, dass Gott mich erhört. Ich werde mich weiter mit Freunden treffen, um für Menschen, Städte und Länder zu beten. Ich werde hinhören was Gott von mir will und wenn er meint, dass ich schweigen und essen soll, werde ich es auch tun. Bin mal gespannt wie die Reise weiter geht ... ///


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