Heft 34
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Frau
Ich hab's getan
Ein Bekenntnis über vorehelichen Sex
// Mit meiner folgenden Aussage passe ich wohl allen Klischees entsprechend in diesen Teil des Heftes: »Ich liebe es, zu putzen, das Gefühl von Sauberkeit und Reinheit.« Umso verwerflicher der Gedanke, einfach all den Dreck unter den Teppich zu kehren. Wenn ich diesen jedoch hebe, breiten sich vor meinen Augen fein angelegte Dreckhäufchen aus. Bei näherem Betrachten lässt sich erkennen, dass es sich um Dreck handelt, deren Substanz sich aus Unreinheit und Unzucht zusammensetzt, entstanden durch den Sex vor der Ehe.
Immer mehr wächst in mir das Gefühl, dass wir Christen genau dieses Thema unter den Teppich zu kehren versuchen. Was ist Unzucht und Unreinheit überhaupt? Was steht hinter diesen beiden Begriffen? Haben wir Christen überhaupt ein Problem mit solchen Themen wie Unzucht, Unreinheit, Enthaltsamkeit oder Selbstbeherrschung? Was sehen wir als Unzucht an? Keinen Sex vor der Ehe zu haben, scheint für uns Christen eine Selbstverständlichkeit zu sein, oder? Doch zwischen sich küssen und dem Miteinander-schlafen tappen wir manches Mal in der Grauzone.
Unzucht: Die Studienbibel erklärt den eigentlichen Sinn des Wortes. Aus dem Griechischen kommend beschreibt porneia in seiner ursprünglichen Bedeutung: »Hurerei, Unzucht«. Unzucht treiben, damit gemeint sind Ehebruch und jeglicher außerehelicher Geschlechtsverkehr. Unreinheit, zu griechisch akatharsia, bedeutet ursprünglich: »moralische Unsauberkeit, Unanständigkeit, Zügellosigkeit im Allgemeinen, jede Art von sexuellem Fehlverhalten, die sich von Hurerei unterscheidet«. Reinheit und Zucht hingegen sind das Gegenteil dieser beiden unangenehm klingenden Begriffe. Etwas Reines ist pur, unberührt, unvermischt und in der Substanz seiner selbst völlig ungetrübt und ursprünglich.
Was ist Sex?
Sind wir dann mit der Person zusammen, die Gott uns geschenkt hat, ist die Beziehung gestärkt in der Zuversicht, im Willen Gottes zu sein, stellen wir uns die Frage nach dem »Was ist Sex?« und dem »Wie weit kann ich gehen?« Gehören Petting und küssen schon dazu? Auf einmal werden diese Fragen in Details relevant. Zumindest ging es mir so.
Die Hochzeit ist geplant, der Termin steht fest, jetzt heißt es standhaft sein bis zum großen Tag. Wir sind in der wunderbaren Zeit der Verlobung. Umso länger man als Paar zusammen ist und sich dabei immer vertrauter wird, desto unnatürlicher scheint das körperliche sich-nicht-Erkennen zu sein. Darf ich als jemand, der verlobt ist, intimer mit meinem Partner sein, als jemand, der nicht verlobt ist? Eine Frage, die auch mich immer wieder verwirrt. Da ich mir nicht vorstellen konnte, mit dem Problem allein zu sein, habe ich mich etwas umgehört. Entdeckt habe ich viele betretene Mienen, einen Haufen schlechte Gewissen und die riesige Lüge, dass, wenn wir schon mal Sex hatten, wir mit unserem Problem allein und die schlechtesten Christen überhaupt seien. Aber auch Kompromisse, verhärtete Herzen und Aussagen wie: »Wir haben die Regel ›kein Sex vor der Ehe‹ für uns abgeschafft.« Haben wir eigentlich bei dieser persönlichen Festlegung jemals Gott gefragt, ob er diese Regel auch abgeschafft hat? Nehmen wir ihn in den Bereich der Sexualität, als ihr Erfinder, überhaupt mit rein? Und machen wir noch einen Unterschied in dieser sexualisierten Gesellschaft?
Geständnis und Selbstverdammnis
Ja, und ich gehöre auch dazu. Ich bin gefallen und habe immer wieder Grenzen überschritten, die ich als anständiger, treuer und brennender Christ eigentlich niemals hätte übertreten dürfen. Nie hätte ich gedacht, dass mir das passieren könnte. Niemals hätte ich geglaubt, dass ich Jesus so etwas ganz bewusst antun könnte, denn schließlich liebe ich ihn von ganzem Herzen. Lange habe ich mit dem schlechten Gewissen gekämpft und musste mich immer wieder von Jesus aus dem Loch der Selbstverdammung ziehen lassen. Die Sängerin Brooke Fraser beschreibt es in einer Liedzeile, wenn sie darüber singt, dass Liebe wartet: »I’ll be waiting for you baby. I’ll be holding back the darkest night. I’ll be waiting ‚‘til we’re ready, until it’s right. Love is waiting.« Vor allem der Satz »I’ll be holding back the darkest night« sprach mir oft aus der Seele, denn mein entsetzliches Versagen stürzte mich in die tiefste Nacht. Die Angst vor dem Vorwurf: »Wie konntest du nur, und das als Christ!« ist so groß, dass man niemandem davon erzählt und sich noch mehr in die Sünde verstrickt. Aber auch mich selbst wieder anzunehmen fiel mir oft sehr schwer. Ich dachte, ich hätte meine Heiligkeit, die ich schon so lange mit aller Mühe aufgebaut hatte, zerstört. Ich konnte wieder bei Null anfangen. Mein Kartenhaus der Heiligkeit war eingestürzt.
Doch dann begriff ich, dass Jesus meine Heiligkeit, dass er meine Rechtfertigung und meine Gerechtigkeit ist. Gott kann sie nicht von mir einfordern, denn sie sitzt im Himmel neben ihm auf seinem Thron. An diesem Punkt lernte ich Jesus von einer neuen Seite kennen. Ich hatte zu begreifen, dass ich einen Vater im Himmel habe, der mich liebt und keinen harten Richter, der mir meine Fehler anrechnet, um zwingenderweise sein Gericht an mir zu vollziehen. Ich bildete mir sogar ein, unreine Haut – Akne – wegen all meiner geistlichen Unreinheit zu bekommen. Doch Jesus ließ es nicht zu, dass mich meine Gedanken von der großen barmherzigen Liebe seines Vaters abschneiden konnten (1. Johannes 5, 18). Ich erkannte erstmals, welche Bedeutung Buße (griech. metanoia für Umkehr) für mich persönlich hat, was es heißt, aus der Vergebung Jesu zu leben.
Sünde ist kein moralisches Vergehen, das ausdrückt, dass ich schlecht bin, sündigen heißt in der Urbedeutung »das Ziel verfehlen«. Durch diese Zielverfehlung werden wir von Gott getrennt, verhärtet sich unser Herz und stirbt das geistliche Leben in uns ab. Wir werden unempfänglicher für Gottes Reden. Als ich das erkannte, wurde mir auch klar, weshalb die Hemmschwelle beim nächsten Mal schon niedriger lag. Ist unser Herz erstmal getrübt, schleichen sich ganz schnell Ausreden, Entschuldigungen und die Handlung vermeintlich legitimierende Begründungen ein. Hätte ich Gott nicht darum gebeten mir zu helfen, wäre ich letztendlich in eine sogenannte Teufelsspirale geraten. Und ich hätte mich von der Lüge, keine Kontrolle mehr über mich selbst zu haben, täuschen lassen. Ferngesteuert war ich wohl in einem gewissen Sinne, als dass ich dem Fleisch, wie Paulus das ausdrückt, und seinen Begierden freien Lauf ließ. Erst die Gedanken Paulus’, dass wir nicht mehr unter der Sünde leben müssen, wenn wir ein Leben mit Gott führen, befreiten mich aus meinem falschen Selbstbild. Ich erkannte, dass ich in Jesus alle Disziplin habe, die ich brauche, denn schließlich lebt sein Geist in mir. Ich könnte also sehr wohl widerstehen, wenn ich wollte. Unser freier Wille setzt das frei, was Gott uns schon bereitet hat.
Mit 100 km/h auf der Autobahn
Die Lügen des Teufels waren damit aufgedeckt, aber jeder weiß, wenn man erst einmal in »Rage« geraten ist, es einem sehr schwer fällt, sich unter Kontrolle zu halten. Mein Pastor gab diesem Erregungsprozess ein passendes Bild. Er meinte, dass alle Intimität (küssen, streicheln etc.) letztlich auf das einzige Ziel, die Autobahn (Oralverkehr, miteinander schlafen), hinsteuere. Den mit 100 km/h in Gang kommenden Wagen auf der Autobahnauffahrt zur Kehrtwende zu bringen ist erfahrungsgemäß sehr schwer, selbst wenn man den eisernsten Willen hätte. Die Antwort meines Pastors für mich lautete: Es müssen bestimmte Leitplanken her, um ein direktes Einbiegen zu verhindern, oder noch besser, erst gar nicht in das Auto einsteigen.
Aber wie kann dies ganz praktisch für uns aussehen? Ich stellte fest, dass der »Einstieg ins Auto« bei meinen Gedanken und meiner inneren Haltung beginnt und letztlich der Schlüssel zur Endsituation ist. In den Gedanken wird die »Wie-weit-kann-ich-gehen-Grenze« festgelegt. Ich bemerkte, dass wenn ich auch nur in den Gedanken den leisesten Kompromiss einging und dieses oder jenes nicht mehr als Sünde betitelte, die Latte schon tiefer gelegt war. Wir schossen über das Ziel hinaus und mit Sicherheit ging die Sache in die Preservativ-Hose. Stimmte die Einstellung soweit, brauchten wir nun Konkretes, woran wir uns halten konnten. Mein Verlobter und ich vereinbarten diese drei Leitplanken: 1. Wir legen uns nicht zueinander hin, 2. wir ziehen uns nicht voreinander aus bzw. um und 3. wir passen schon beim Küssen auf, dass sich unsere Gedanken nicht schon auf der Autobahn befinden. Ich mochte Gesetzlichkeit noch nie, denn meist setzt sie einen noch mehr unter Druck, aber nachdem wir das Leitplankensystem verstanden hatten und anwandten, lebten wir eine für uns neue, freimachende und schützende Herzensgesetzlichkeit. Ich verstand, welches gute »Ja« Gottes sich hinter all seinen »Neins« wie dem »du sollst nicht bei deinem Freund übernachten« und ähnlichen Vorschriften befand. Gott sagt »Ja« zu Reinheit und Bewahrung und »Nein« zu Selbstverdammung und Eigenzerfleischung.
Öffentlichkeitsarbeit
Doch der eigentlich Durchbruch zu all der Weisheit und Einsicht kam erst, als der Heilige Geist mir half alle meine Scham und Selbstverdammung zu überwinden und ich mich meiner Freundin und Zweierschaftspartnerin anvertraute. Erneut lernte ich eine Wahrheit Gottes, dass nur durch Offenbarung und Öffnung eine Wende und ein Neuaufschwung möglich ist (vgl. Jakobus 5, 16). Ohne mich zu verdammen oder anzuklagen, richtete die Freundin mich auf und ermutigte mich, Schritte in Richtung der Leitplanken zu gehen. Am wichtigsten war für mich zu wissen, dass Gott mich nicht verworfen hatte und diese Bestätigung durch sie war mir Balsam auf meinem verschorften Herzen. In ihr fand ich eine treue Gebetsstütze. Wenn keiner von meinem Problem gewusst hätte, wer hätte für mich im Gebet einstehen können? Dank dieser Freundin hatten mein Verlobter und ich den Mut, uns unserem Pastor, der uns trauen soll, anzuvertrauen. Er machte uns liebevoll auf die schon bewährten Leitplanken aufmerksam.
Mir wurde klar, dass Scham und ein schlechtes Gewissen letztlich immer nur zur inneren Trennung zwischen mir und Gott und meinen Mitmenschen führen. Nur aufrichtiges, mutiges Sich-öffnen vor einer Vertrauensperson, Enttabuisierung der ganzen »Kein-Sex-vor-der-Ehe-Kiste« und dem tiefen Vertrauen, dass Gott der Schutz unseres Herzens ist, machen es möglich, Licht in das Dunkel zu bringen. Der Leib Christi sollte der Ort sein, wo wir ohne Angst unsere Fehlbarkeit bekennen können, um aufgerichtet weiterlaufen zu können. Es wäre traurig, wenn wir in der Welt die notwendige Akzeptanz unserer Person fänden, und nicht die Gemeinde der Ort der starken Liebe ist, der uns hilft, wieder den richtigen Weg einzuschlagen. ///


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