Heft 4/02 - Retro-Artikel
Der Autor
Norm Willis
Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem 8. Kapitel des Buches »Versöhnung und Freisetzung der Generationen. Wie geistliche Schätze von einer Generation zur anderen übertragen werden« von Norm Willis, erschienen beim Trumpet Verlag, 2002. Onlineveröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Verlags.
Das Buch kann beim Trumpet Verlag, E-Mail: trumpet-verlag@freenet.de für 11,60 € zzgl. Versandk. bezogen werden (185 S.).
Gesellschaft (& Beziehung)
Die Zukunft hat schon begonnen
// In der schnelllebigen Gesellschaft, in der wir leben, ist es uns nicht mehr möglich, die Dinge zögerlich anzugehen. Denn die Zukunft hat schon begonnen. Die Leiter von morgen werden heute schon geformt. Wenn wir wollen, dass unsere Kinder Geschichte schreiben und die Welt verändern, so müssen wir die Zeit nützen und Tag um Tag und Stunde um Stunde in ihr Leben investieren.
»Der [Prophet Elia] soll das Herz der Väter bekehren zu den Söhnen und das Herz der Söhne zu ihren Vätern, auf dass ich nicht komme und das Erdreich mit dem Bann schlage.« (Maleachi 3,24)
Gottes Herz ist untrennbar mit den Prinzipien der Sohnschaft und des Generationentransfers verbunden. Denn die letzten Worte, die Gott im Alten Testament spricht, offenbaren sein Verlangen für Väter und deren Kinder (Mal 3,24). Und seine ersten Worte im Neuen Testament drücken sein Verlangen für seinen eigenen Sohn aus (Lk 3,22). Die ersten Worte Jesu im Neuen Testament sprechen dann von seinem Verlangen nach dem Haus und den Angelegenheiten seines Vaters (Lk 2,49). Und die ersten Worte des Teufels im Neuen Testament sind: »Wenn du Gottes Sohn bist ...« (Lk 4,3).
Alle Dinge des Reiches Gottes bewegen sich im Rahmen der Sohnschaft und des Generationentransfers. Selbst Gott, der Vater, handelte nach diesen Prinzipien, als er als Antwort auf das Problem der Sünde seinen eigenen Sohn sandte (Joh 3,16). Und auch Jesus handelte ganz offensichtlich danach, da er, solange er auf der Erde lebte, stets darauf bedacht war, seinen Vater zu ehren und das Werk zu vollenden, das ihm von seinem Vater anvertraut worden war (Joh 17,4). Wenn selbst Gott, der Vater, und Jesus ihren Schwerpunkt auf die Prinzipien der Sohnschaft und des Generationentransfers legten, so müssen wir ganz sicher ebenso unseren Schwerpunkt darauf legen.
Wir haben genügend Zeit
Der größte Feind der Kirche war schon immer die Angst, nicht genügend Zeit zu haben. Da wir davon ausgingen, dass Jesus jeden Moment wiederkommen könnte, hatten wir bei unserem Bauen an Gottes Reich immer nur das Heute im Blick, da wir dachten, dass uns ohnehin nicht genügend Zeit bleiben würde, um etwas zu bauen, das über uns hinaus Bestand haben würde. Aber die Geschichte hat gezeigt, dass Jesus noch nicht wiedergekommen ist; so hätten wir also genügend Zeit gehabt, um Dinge von Generationen zu Generation immer weiter aufzubauen und Gottes Reich dadurch vorwärts zu bringen. Jesus sagte uns, dass es uns nicht zusteht, über die Zeit oder Stunde seiner Wiederkunft Bescheid zu wissen (Apg 1,7). Daher müssen wir uns nicht darauf konzentrieren, wann er wiederkommen wird, sondern wie wir durch unseren Gehorsam dazu beitragen können, seine Wiederkunft zu beschleunigen.
Der angemessene Zeitpunkt, um zu gehorchen, ist gerade jetzt. Der richtige Zeitpunkt, um in unsere Söhne und Töchter zu investieren, ist gerade jetzt. Denn dass die Zukunft kommt, steht unverrückbar fest, was die Zukunft aber für die kommenden Generationen bereit halten wird, hängt von den Taten ab, die wir jetzt vollbringen. Eine Generation von Anfang an zu formen ist viel einfacher, als eine bereits bestehende wiederherzustellen. Es liegt nun an uns, die Initiative zu ergreifen und im Blick auf die Zukunft zu handeln. Denn gerade heute werden die Grundsteine für das geistliche Erbe der kommenden Generationen gelegt.
Die Zukunft ergreifen
Die Zukunft verspricht vieles, und Menschen, die in den Kategorien von Generationen denken, müssen sich prophetisch darauf vorbereiten. Alles um uns herum verändert sich in rasantem Tempo. Die Dinge, mit denen meine Generation in ihrer Jugendzeit zu tun hatte, unterscheiden sich sehr stark von den Dingen, mit denen unsere Kinder heute konfrontiert werden. Die Versuchung jedoch ist nicht unbedingt schlimmer geworden; sie hat nur ihr Gesicht verändert und ist vielleicht auch etwas komplexer geworden.
Wenn wir uns nun daran machen, Initiative zu ergreifen und im Blick auf die Zukunft zu handeln, müssen wir verstehen, wovon die Zukunft geprägt sein wird. Im Folgenden einige charakteristische Eigenschaften:
vaterlos
»Schaffet Recht dem Armen und der Waise ...« (Ps 82,3) Gott ist ein Vater für die Vaterlosen (Ps 68,6). Das Herz Gottes zu tragen bedeutet, ein Vaterherz für die Enterbten, die Entrechteten und die Entmutigten zu haben.
Tragische Scheidungsraten, Herzen, die sich einander nicht in Liebe unterordnen, und ein Fluch über unserem Land haben eine Generation sowohl leiblich als auch geistlich vaterloser Kinder hinterlassen. Um den Fluch auf unserem Land umzukehren, müssen die leiblichen und geistlichen Väter in ihre gottgegebene Position der Leiterschaft zurückkehren und ihre Herzen der kommenden Generation zuwenden.
geprüft
Lassen sie sich nicht irreführen. Gott wird inmitten dieser schrecklichen Zeiten nicht stumm bleiben. Er wird sich weiterhin einmischen, wie er es immer getan hat. Er wird erschüttern, was erschüttert werden kann, um die Arbeit jedes Menschen auf ihre Qualität hin zu überprüfen (1.Kor 3,13). Als Eltern müssen wir darum beten, dass die Qualität unserer Elternschaft so bald wie möglich einer Prüfung unterzogen wird; denn je früher dies geschieht, desto mehr Zeit bleibt uns – falls nötig – um unsere Fehler wieder gut zu machen und unseren Erziehungsstil zu korrigieren. Ständige Selbstüberprüfungen werden uns davor bewahren, in der Erziehung unserer Kinder unumkehrbare Rückschläge zu erleiden. Wir müssen prüfen und genau untersuchen, ob wir die Herzen unserer Kinder besitzen oder nicht. Wir sind bereits dabei, die Herzen unserer Kinder zu verlieren, wenn sie damit beginnen, sich unserer Autorität zu widersetzen, unsere Glaubensüberzeugungen in Frage zu stellen, Kommunikation mit uns zu vermeiden, Zuneigung zu verweigern, lieber mit anderen zusammen zu sein und zynische Tendenzen anzunehmen.
entwurzelt
Ein Volk ohne absolute Werte ist wie ein Baum ohne Wurzeln. Denn es sind die absoluten Werte einer Gesellschaft, die ihr Wurzeln geben und sie dadurch stabil halten. Die Gesellschaft gibt zur Zeit ausnahmslos alle ihre absoluten Werte auf und definiert ihre Moral neu. Wenn dies weiterhin geschieht, wird das dazu führen, dass die Gesellschaft in Zukunft völlig entwurzelt sein und in die Bedeutungslosigkeit versinken wird. Die Preisgabe der absoluten Werte wird ein Volk instabil machen und ganze Nationen in Unsicherheit stürzen.
Als Eltern müssen wir unbedingt an unseren absoluten Werten festhalten und dürfen sie in der Hitze des Gefechts unter keinen Umständen preisgeben. Denn es ist unser Auftrag, unseren Kindern diese Werte zu vermitteln und sie dadurch im Charakter des Reiches Gottes zu schulen. »Seht euch vor, dass ihr nicht verliert, was wir erarbeitet haben, sondern vollen Lohn empfangt. Wer darüber hinausgeht und bleibt nicht in der Lehre Christi, der hat Gott nicht; wer in dieser Lehre bleibt, der hat den Vater und den Sohn.« (2.Joh 8-9)
Unser Ziel muss »der volle Lohn« sein. Um den vollen Lohn zu empfangen, müssen wir in der Lehre bleiben, die wir von den uns vorangegangenen Generationen empfangen haben, und darauf achten, dass wir nichts davon verlieren, wofür wir gearbeitet haben. Dann können auch die kommenden Generationen ihren Nutzen daraus ziehen.
religiös
Je gottloser ein Mensch wird, desto religiöser wird er auch. Der Mensch ist so geschaffen, dass er mit etwas in Beziehung stehen muss, das weit über ihn hinausreicht. Wenn ein Mensch Gott ersetzt, wird er an dessen Stelle irgendetwas anderes stellen, um die entstandene Leere auszufüllen. Vergnügen, Reichtum, Leistung, Religion und vieles andere mehr sind menschliche Versuche, die Leere zu füllen, die eine gottlose Philosophie hinterlässt.
Je mehr man sich einer solchen Philosophie öffnet, in der Gott nach und nach ersetzt und umgedeutet wird, desto mehr wird sich der Mensch, in dem Versuch, das Vakuum zu füllen, nach religiösen Ersatzformen umsehen, wie Paulus an Timotheus schreibt: »... sie haben den Schein der Frömmigkeit, aber deren Kraft verleugnen sie ...« (2.Tim 3,5) Ohne Gott flüchtet sich der Mensch in eine Form. Er versucht, seiner inneren Unausgeglichenheit mit Hilfe äußerlicher Rituale abzuhelfen; diese lassen jedoch sein Herz kalt. Engelsanbetung, Kristalltherapie oder der rasante Anstieg okkulter Praktiken sind alles Beispiele der Neigung des Menschen zur Religiosität.
Als Eltern müssen wir uns sicher sein, dass wir unsere Kinder wirklich an den Punkt führen, wo sie Gott ihre Herzen völlig ausliefern. Wir müssen lernen, das, was ihre Herzen sagen, von ihren Worten und dem, was wir rein äußerlich an ihnen wahrnehmen, zu unterscheiden. Denn wenn es in ihren Herzen nie zu einer aufrichtigen Hinwendung und Auslieferung an Gott und sein Reich gekommen ist, wird ihre Erfahrung mit Gott nichts weiter sein als Religiosität.
rebellisch
»Lasst euch von niemandem verführen, in keinerlei Weise; denn zuvor muss der Abfall kommen« (2.Thess 2,3). Die letzten Tage werden von zunehmender Rebellion gekennzeichnet sein. Wir sehen ja bereits die Zeichen der Zeit. »Autorität in Frage stellen«, lautet das Motto des Tages. Mit der Aufklärung als aktueller Philosophie lehnt die Gesellschaft die Ausübung von Autorität immer konsequenter ab. Denn da wir ja alle gleich sind, muss niemand mehr Autorität ausüben. Folglich unterbreiten wir unseren Kindern nur Vorschläge, anstatt sie zu leiten. Wir bestechen sie dazu, das Richtige zu tun, anstatt es ihnen zu befehlen, wie Abraham es tat (vgl. 1.Mo 18,19).
Die Kinder sind heutzutage größtenteils sich selbst überlassen. Denn dadurch, dass Gleichheit zum höchsten Prinzip erhoben wurde, kam es zu einem noch nie da gewesenen Ausmaß an elterlicher Frustration. Und unzählige Frustrationen haben viele Eltern so weit gebracht, dass sie überhaupt keine Erwartungen mehr an ihre Kinder stellen, in der Hoffnung, dann weniger enttäuscht zu werden. Denn die Logik sagt: »Wenn man nichts von ihnen erwartet, wird man auch nicht enttäuscht.« So ist es allgemein üblich geworden, dass Eltern ihren Kindern etwas auftragen und dann nichts sagen, wenn das Kind mit nein antwortet. Das Schweigen ist ein Hinweis darauf, dass die Eltern gar nicht erwarten, dass das Kind gehorcht.
Wenn Kinder in der Meinung aufwachsen, dass sie Autoritätspersonen gegenüber gleichgestellt sind, dann rebellieren sie, ohne überhaupt darüber nachzudenken. Gottesfurcht aber lernen unsere Kinder durch Respekt und Ehrerbietung gegenüber ihren Eltern gebildet. Wenn Kinder nicht darin angeleitet werden, ihre Eltern und andere Autoritätspersonen zu respektieren und zu ehren, werden sie keine Gottesfurcht in sich tragen.
verwickelt
Ablenkungen sind eine Hauptstrategie des Teufels. Er verrichtet seine Tätigkeit kaum wahrnehmbar und seine Angriffe sind indirekter Art. So ist es nicht die Absicht des Feindes, die Bestimmung unserer Kinder zu stehlen; er zielt vielmehr darauf ab, sie in alle möglichen Dingen zu verwickeln, damit sie so sehr beschäftigt sind, dass sie ihre Bestimmung verpassen. Es ist ebenso nicht die Absicht des Feindes, uns des Generationentransfers zu berauben; wiederum zielt er darauf ab, uns dahin zu bringen, dass wir zu beschäftigt sind, um tun zu können, was für diesen Transfer nötig ist.
Die Zukunft wird voller Verwicklungen sein. Je schnelllebiger die Gesellschaft wird, desto verwickelter wird sie. Je technisierter sie wird, desto verwickelter wird sie. Als die ersten Computer auf den Markt kamen, versprachen wir uns von der Arbeit mit ihnen, Zeit zu sparen; im Gegenzug aber verbraucht nun genau dasselbe Ding, das erfunden wurde, um unsere Zeit zu sparen, einen wesentlichen Teil davon. Ihr Eltern – wir müssen lernen, diese Verstrickungen zu durchschauen und uns auf das Ewige zu konzentrieren. Wir müssen unseren Kindern und den kommenden Generationen ein Leben vorleben, das frei ist von all diesen Verstrickungen.
»Darum auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns ständig umstrickt, und lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist.« (Hebr 12,1)
Wenn es je einen Bibelvers über Generationentransfer gab, dann ist es dieser hier. Der Verfasser des Hebräerbriefes macht uns hier sehr deutlich auf unsere Verantwortung sowohl der Vergangenheit als auch der Zukunft gegenüber aufmerksam, und ermahnt uns, um dieser doppelten Verantwortung willen ein Leben zu führen, das frei von Verstrickungen ist.
ermutigt
»Denn ich kenne ja die Gedanken, die ich über euch denke, spricht der HERR, Gedanken des Friedens und nicht zum Unheil, um euch Zukunft und Hoffnung zu gewähren.« (Jer 29,11)
In diesem Abschnitt sät Gott, der Vater, seine göttliche Saat in unsere Bestimmung, indem er unserem Geist Zukunftshoffnung einpflanzt. Als Eltern müssen wir in die Herzen unserer Kinder dieselbe Zukunftshoffnung für die kommenden Generationen einpflanzen. Um ein Volk zu zerstören, muss man es nur von seiner Zukunft abschneiden. Dies beginnt immer mit philosophischen Gedanken. Vor vielen Jahren wurde die Kirche dadurch ihrer Zukunft beraubt, dass eine Generation nach der anderen davon überzeugt war, dass sie die letzte Generation vor der Entrückung und Wiederkunft Jesu sei. Als diese böse Saat sich einmal in der Gemeinde durchgesetzt hatte, hörte sie auf, für ihre Zukunft Opfer zu bringen; jegliche Zukunftshoffnung für die folgenden Generationen ging verloren und damit auch das Denken, Planen und Leben in den Kategorien von Generationen überhaupt.
Einmal mehr lässt Gott heute seine Stimme erschallen und ruft sein Volk mit einem gewaltigen Trompetenstoß zum Generationentransfer zurück; und der Heilige Geist erfüllt die Gemeinde mit der Botschaft der Verantwortung der Generationen füreinander. Es geht um die Rückkehr zu den »Wegen der Vorzeit«. Es geht um die Bereitschaft, Außenseiter in einer Kultur zu sein, die ihre eigenen Wurzeln abgelehnt und den Weg ihrer Vorväter verlassen hat.
Wir befinden uns in Tagen enormer Ermutigung. Denn heute ergeht nicht nur Gottes Ruf, sondern die Väter haben auch ihren Staffelstab wiedergefunden und die Söhne warten nur darauf, den Transfer entgegenzunehmen. Generationentransfer ist der größte Alptraum des Teufels – und er wird schon sehr bald nicht mehr ruhig schlafen können! ///

