Heft 4/02 - Retro-Artikel

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Der Autor

Ben-Rainer Krause

Gesellschaft (& Beziehung)

Versöhnung der Generationen

// »Seit einigen Jahren ist der Begriff »Generation« in aller Munde. In Werbeslogans wird von einer neuen Computergeneration, einer neuen Automobilgeneration, gar von einer neuen Waschmittelgeneration gesprochen. Doch nicht nur technische Innovationen werden von der Werbe- und Medienbranche in Generationen eingeteilt, sondern auch die Jugend einer Gesellschaft.«[1]

Nicht nur die Werbung oder Hollywood[2] spricht über das Thema »Generationen«, sondern auch der Herr! Gott ist ein Gott der Generationen, er ist der »Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs«[3]! Diese drei lebten zu unterschiedlichen Zeiten mit unterschiedlichen Herausforderungen, und doch lebten sie alle mit demselben lebendigen Gott. Gott selbst bezeichnet sich als Gott der Generationen. Hast du dich schon mal gefragt, warum wohl im Buch der Chronik und z.B. in Lukas 1 ganze Kapitel mit Geschlechtsregistern gefüllt sind? Gott ist schon immer ein Gott der Geschichte, sie ist HISstory[4]! Er sieht alle deine Vorfahren, er sieht deinen Vater und er sieht schon jetzt alle deine Nachkommen. Und er selbst hat in seiner Beziehung zu Jesus vorgelebt, wie er sich wahre Vater- und Sohnschaft vorstellt.

Dieses grundlegende biblische Verständnis der Beziehungen der Generationen untereinander ist uns heute größtenteils verlorengegangen. Dennoch empfinde ich, dass Gott heute dieses Thema ganz neu ins Blickfeld rückt. Natürlich tauchen da erst mal viele Fragen auf: Was ist eine Generation? Und zu welcher gehöre ich eigentlich? Kann man Menschen überhaupt »katalogisieren« in Generation so oder so? Wo liegen die Konflikte zwischen den Generationen und wie können sie überwunden werden? Wie können die Herzen der Väter sich den Söhnen zuwenden[5] und umgekehrt? Was sagt Jesus und die Bibel dazu?

Das alles sind gute Fragen, und ich werde versuchen, einige davon in einer Serie von zwei oder drei Artikeln zu beantworten. Also schnall dich an!

Was ist eine Generation?

Biologisch gesehen besteht eine Generation aus Menschen, die innerhalb eines bestimmten Zeitabschnitts geboren werden (z.B. »Generation Golf«, geb. zwischen 1965-1980).

Soziologisch betrachtet aber gehören verschiedene Menschen erst dann zu einer bestimmten Generation, wenn sie ähnliche Werte, Ziele und Verhaltensweisen haben. Diese Menschen haben eine ähnliche Prägung durch die Gesellschaft erlebt (Schule, Familie, Vereine, Musik, Jugendzeitschriften, Fernsehen, Internet usw.) und sind unter sehr ähnlichen Lebensumständen (Armut oder Reichtum, Krieg oder Frieden, Diktatur oder Demokratie usw.) aufgewachsen.

Jede Generation erlebt Gott anders, und Gott offenbart sich auch jeder Generation anders – und doch immer gleich, nämlich als der gekreuzigte, gestorbene und auferstandene Herr! Nur die »Verpackung« ändert sich. Gott begegnet Mose in einem Feuerbusch; er erscheint Josua als der Oberste des Heeres des Herrn; einem Petrus begegnet er als junger Schreiner aus Nazareth. Einige Zeit später begegnet Martin Luther Gott aufgrund seines Wortes als Gott der Gnade, John G. Lake lernt ihn als den Heiler kennen. Gott offenbart sich in unterschiedlichen Arten und Weisen. Zu Abraham sprach er anfangs nur, zu Jakob kam er mit der dramatischen Vision einer »Himmelsleiter«. Gott offenbarte sich inmitten der 68er Revolution durch die Jesus-People-Bewegung, durch die Zehntausende ihr Leben Jesus gaben. – Ein geistlicher Aufbruch inmitten von Drogen, Unzucht und Hass gegen das Establishment! Die meisten unserer heutigen wirtschaftlichen, politischen und geistlichen Leiter stammen aus dieser Generation!

Revolution

»Ziemlich genau eine Generation ist es her, dass die letzte große Kulturrevolution die (westliche) Welt durchfuhr wie ein Wirbelsturm. Wie jede echte Revolution war es eine Jugendrevolte; sie richtete sich gegen das Alte und die Alten, gegen das Bewährte und falsch Bewahrte, gegen das Bestehende, das Establishment.«[6]

Die Geschichte beweist, dass Revolutionen von der Jugend ausgelöst werden. Denn Jugendliche sind oft noch nicht Teil des Systems und haben noch nichts zu verlieren, können aber schon sehr klar Missstände erkennen. Deshalb erheben sie ihre Stimme gegen empfundene Ungerechtigkeit!

Ein ganz zentrales Element jeder bisherigen Revolution ist der Konflikt zwischen Jung und Alt: Die Jugend schmäht »die Alten« und ihre Werte und verachtet diese. Eine wahre und heilige Revolution aber kommt, wenn eine junge Generation die Väter und Mütter aus ehrlichem Herzen ehrt, den Segen der Väter sucht, und den Staffelstab von der vorherigen Generation aufnimmt. Auf der Seite der Väter bedeutet das, dass man die Söhne mit einbezieht, ihnen Autorität und Vollmachten einräumt und ihnen vertraut.

Bist du dabei? Bist du bereit, deine Eltern zu ehren? Das ist die erste Verheißung in der Bibel:

»Ehre Vater und Mutter, auf dass du ein langes Leben hast!« (vgl. 2.Mo 20,12) Jemanden zu ehren bedeutet nicht, ihn zu »glorifizieren« oder alles von ihm zu übernehmen. Es bedeutet, Wertschätzung zu zeigen, Dankbarkeit und Respekt. Ich verspüre Wertschätzung, wenn ich sehe, dass mein Sohn sagt, dass er so werden will wie ich. Das kommt gut! Wobei ich dann auch schnell denke: »… aber bitte nicht in allen Punkten …« Es ist eine Ehre für einen Vater, wenn ein Sohn sich etwas von ihm abschaut und es dann genauso tut wie er! Er spürt dann: »Der nimmt mich ernst und will von mir lernen!« So kann »Ehren« praktisch ausgelebt werden.

Auf einem Seminar sagten mir einmal ein paar Leute, ich würde so reden und gestikulieren wie Michael Schiffmann. Nun – Michael war über acht Jahre mein Mentor und geistlicher Vater, und ich habe mir wohl vieles von ihm abgeschaut, ohne mir dessen bewusst zu sein. Das ist eine Ehre für den Vater, und ich fühle mich deshalb nicht weniger wert. Ein langes Leben – auch für eine Gemeinde oder ein Werk – ist eine Folge von gesunden Beziehungen zu den (geistlichen) Vätern und Müttern!

Heutzutage ist es »in«, in jederlei Hinsicht ein Original zu sein – bloß nichts übernehmen und dadurch zeigen, dass man nicht alles hat. Wie war das bei Jesus? Er tat nur das, was er den Vater tun sah!!! Jesus war ein Nachmacher! Hey, er ahmte seinen Vater nach, und das war gut so! Wenn wir Gutes nachahmen und übernehmen, dann schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe: Unser Stolz wird gebrochen und der (geistliche) Vater wird geehrt!

Rebellion

Was ist Rebellion? Rebellion verachtet und verwirft eine Autoritätsperson mit allem, was sie getan und was mit ihr zu tun hat. Die Folge davon ist jedoch, dass man sich selbst enterbt – sowohl geistlich als auch materiell. Man trennt sich von allem Schlechten, aber auch von allem Guten. – Aber wer enterbt sich schon gerne selbst? Man muss doch dann wieder bei Null anfangen! Wenn du in einem Staffellauf den Stab bekommst, dann gehst du ja auch nicht noch mal zurück, weil deiner Meinung nach der Läufer vor dir nicht wirklich gut gelaufen ist, sondern du nimmst den Stab, läufst deinen Streckenabschnitt und trägst so deinen Teil zum Sieg bei!

Gott hatte nie geplant, dass Kinder geistlich oder materiell bei null, also ohne Erbe, anfangen sollten. Geschieht dies doch, so führt das dazu, dass vieles scheitert und die Frustration bei der jungen Generation immer größer wird. Die Älteren sagen dann manchmal: »Das war mir klar, das konnte ja nichts werden …«

Diese Wahrheiten gelten sowohl für die geistlichen als auch für die ganz praktischen alltäglichen Bereiche unseres Lebens! Es ist der größte Wunsch der Söhne, ernst genommen zu werden, dabei sein zu können und Vaterschaft zu erleben. Und das wird dort ermöglicht, wo sich jemand Zeit nimmt, zuhört, Rat gibt und hilft.

Konflikte zwischen den Generationen

Jede weltliche Revolution richtet sich gegen die Alten und das Alte. Die heilige Generation aber, die Gott dabei ist zu erwecken, wendet sich den Älteren zu und sucht ihren Segen. In Maleachi 3,24 steht der viel zitierte Vers, dass die Herzen der Väter sich den Söhnen zuwenden müssen, wenn der Fluch über einem Land gebrochen werden soll. Lies mal den ganzen Vers im Zusammenhang. Die Reihenfolge ist hier sehr interessant: Die Väter werden zuerst genannt; sie tun den ersten Schritt und wenden sich den Söhnen zu. Und das tun sie nicht von sich selbst aus, sondern im »Geist Elias«, bewegt von der Kraft Gottes, die auf sie ausgegossen worden ist. Im Reich Gottes segnet der Stärkere den Schwächeren!

In unserem weltlichen System soll die junge Generation Geld sammeln, um die Älteren zu versorgen. Dass das nicht funktioniert, sieht man schon an aktuellen Schlagworten wie »Rentenkrise« und »Generationenkonflikt«. Und es funktioniert deshalb nicht, weil es nicht mit den Plänen Gottes übereinstimmt. Denn Gottes Wort sagt uns, dass die Väter ihren Kindern und Enkelkindern ein Erbe hinterlassen sollen – nicht umgekehrt! Verstehst du, dass wir keine Reform brauchen, die das bestehende System ohnehin nur etwas verbessern kann? Das ganze System ist falsch! Wir brauchen eine heilige Revolution, die unser Land wieder zurück unter den Segen Gottes führt!

Die Rentenkrise ist natürlich nur ein Beispiel, aber daran wird der Konflikt, der in unserer Gesellschaft zwischen den Generationen besteht, gut sichtbar. Und dieser Konflikt zieht sich bis tief in unsere Gemeinden hinein. Wo aber Väter auf Söhne zugehen und dadurch Generationen wieder zusammenkommen, da kann und wird der Geist der Welt in der Gemeinde gebrochen werden!

In der nächsten Ausgabe von »THE RACE« geht’s weiter!

Anmerkungen und Quellen

[1]  Inken Bartels: Generation X. Zum inflationären Gebrauch des Begriffes »Generation« im aktuellen Mediendiskurs. Vokus. Volkskundlich-kulturwissenschaftliche Schriften. Heft 1, 1/2002. Herausgeber: Hamburger Gesellschaft für Volkskunde, c/o Institut für Volkskunde.

Im Internet unter: http://www.uni-hamburg.de/Wiss/FB/09/VolkskuI/Texte/Vokus/2002-1/generation-x.html

[2] Immer wieder wird in letzter Zeit ein Kinofilm mit den Worten vermarktet, »Drei Schauspieler-Generationen in diesem Film«.

[3] Gott hat sich selbst diesen Namen gegeben, der im Alten Testament sehr oft gebraucht wird, z.B. in 2.Mo 3,15 f.

[4] engl. Wortspiel: »history« bedeutet »(Welt-)Geschichte«; »story« bedeutet »Geschichte«, »Erzählung«; »HIS-story« bedeutet »Seine (d.h. Gottes) Geschichte« à Gott ist der Herr der Welt-Geschichte!!

[5] vlg. Mal 3,24

[6] Hellmuth Karasek: Die Generationsfrage. Alles beim Alten? Ein Kommentar. Der Tagesspiegel, Berlin, Ausg. v. 02.01.2001. Im Internet unter http://www2.tagesspiegel.de/archiv/2001/01/01/ak-mn-15295.html (erreichbar über das Archiv bei www.google.de).