Heft 1/00 - Retro-Artikel

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Der Autor

Chris Breuers ist Co-Pastor und Bibellehrer in der BGG Stuttgart. Er möchte sehen, dass Gottes Wort in seiner ganzen Kraft und Lebendigkeit wieder zur Geltung kommt und dadurch eine neue Reformation und Erweckung ausgelöst wird, bis hin zur Wiederherstellung der Gemeinde in neutestamentlichen Dimensionen. Chris ist verheiratet mit Christiane und hat drei Kinder.

Jesus folgen (Geistliche Fitness)

Bibellesen mit Plan

Leben aus dem Wort - Teil 1

// Wir alle kennen das Dilemma: Wir wissen, Bibellesen ist angesagt. Immerhin wollen wir »biblische Christen« sein; und biblische Christen glauben an die Bibel und leben nach der Bibel. Doch wir können nur glauben und tun was die Bibel sagt, wenn wir sie kennen. Und um sie zu kennen, müssen wir sie lesen. Das Problem ist nur: Wie kriegen wir das im Alltag praktisch auf die Reihe? Wie geht man da ran? Wenn du dir auch diese Frage stellst, ist dieser Artikel für dich.

Die wenigsten »bibeltreuen Christen« lesen beständig in der Bibel. Viele haben sie noch nie komplett durchgelesen. Nur wenige haben einen konkreten Plan und ein Ziel beim Bibellesen. Selbst viele geistliche Leiter in unserem Land kennen sich nur mäßig in der Bibel aus. Deshalb trifft auf viele Gemeinden zu, was schon der Prophet Hosea beklagt hat: »Mein Volk geht kaputt aus Mangel an Erkenntnis.« (Hos 4,6) – Etwas stimmt hier nicht. Wir können nicht beteuern, dass wir an die wörtliche Inspiration der Bibel glauben, d.h. dass Gott selbst in diesem Buch zu uns spricht, während wir sie auf unserem Bücherregal verstauben lassen. Wenn wir die Bibel ernst nehmen, werden wir sie auch lesen. Wir werden dafür brennen, Gottes Wort zu kennen und es zu tun!

Für viele ist die tägliche Zeit im Wort dahingehend verkümmert, dass man morgens kurz noch die Nase in das Losungsbüchlein steckt, bevor man sich verschlafen aus dem Haus schleicht. – Ich liebe und schätze die Losungen. Diese Verse für jeden Tag sind oft treffend und sogar prophetisch. Doch die Losungen sind wie der Snack vor einem Gala-Dinner. Du würdest doch auch nicht nach ein paar leckeren Kräckern nach Hause gehen und das Fünf-Gänge-Menü sausen lassen, oder? Gott hat uns in der Bibel ein Festmahl aufgetragen, dass die Tische sich nur so biegen. Doch viele von uns stochern nur hier und da herum und wundern sich, wenn sie geistlich gesehen hungrig und schwach durch die Weltgeschichte krebsen.

Jesus wusste genau: »Der Mensch lebt nicht von Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus dem Mund Gottes hervorgeht.« (Mt 4,4) Gottes Wort ist unsere Nahrung. Es gibt uns die Power, für ihn zu leben. Es ist nicht nur lebens-, sondern überlebenswichtig. Wenn wir uns nicht täglich von Gottes Vollwertkost ernähren, werden wir bald geistliche Mangelerscheinungen aufweisen. Kein Wunder also, dass so viele Christen Dauerpatienten im Gemeinde-Seelsorge-Lazarett sind. Deshalb hat Jesus das klargestellt: »Wenn ihr in meinem Wort bleibt, so seid ihr wahrhaft meine Jünger; und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.« (Joh 8,31-32) Also: Keine echte Jüngerschaft ohne eine beständige, wachsende Beziehung zu Gottes Wort. Eine gelegentliche Kraftspritze im Gottesdienst oder bei Konferenzen wird nicht ausreichen. Wenn Jesus von »im Wort bleiben« spricht, meint er einen konsequenten Lebensstil. Paulus bringt das so auf den Punkt: »Lasst das Wort Christi reichlich in euch wohnen.« (Kol 3,16) Echte Christen sind also Wort-Freaks: fest im Wort und voll vom Wort.

Soweit die Sachlage. Doch Überführung angesichts unserer mageren Beziehung zur Bibel reicht nicht aus. Wo wir lau im Wort geworden sind, ist bei manchen sicher erst mal Buße dran. Aber wenn sich da was ändern soll, brauchen wir einen praktischen Plan. Gute Vorsätze reichen nicht aus. Jemand hat mal treffend gesagt: »Der Weg zur Hölle ist gepflastert mit guten Vorsätzen.« Deshalb hier ein paar konkrete Tipps, wie du lernen kannst, die Bibel systematisch zu lesen.

»Just do it«!?
Bevor ich jedoch etwas zum Bibelleseplan sage, muss ich erst mal das Thema »geistliche Disziplin« ansprechen. Warum das? – Es bringt herzlich wenig, wenn du die tollste Bibellese-Strategie hast, aber nicht den täglichen Aufraff und den langen Atem, um auf Dauer dranzubleiben. Und beim Bibellesen reden wir nicht von einem imponierenden Sprint, sondern von einem Marathonlauf. Entscheidend ist, dass du die innere Entschlossenheit und Power hast, die dafür sorgen, dass du auch über die Jahre am Ball bleibst. Der Sieg gehört den Ausdauernden. Doch gerade damit ist es bei vielen von uns nicht weit her.

Die meisten von uns bekommen ein flaues Gefühl in der Magengegend, wenn wir das Wort »Disziplin« auch nur hören. Doch wenn wir mal ehrlich sind, wir alle wünschen uns, dass wir unser Leben nach Gottes Plan auf die Reihe kriegen und seine Ziele für uns erreichen. Disziplin ist der Motor für langfristigen Erfolg und ein Schlüssel zur Zufriedenheit. Sie befähigt dich, deine Zeit, Gaben und Ressourcen so effektiv wie möglich für Gott einzusetzen. Kurzum, Disziplin hilft dir, zu tun, was du im Grunde wirklich tun willst.

Die gute Nachricht ist, dass du echte geistliche Disziplin weder selbst produzieren kannst noch brauchst. Es geht nicht darum, ab sofort die Zähne zusammenzubeißen, dich morgens früher aus dem Bett zu quälen und deine Kapitel für heute hinter dich zu bringen. Gott ist an unserem frommen Aktivismus nicht interessiert. Er sucht nicht Leistung, sondern Treue (s. Mt 25,23). Er hat uns berufen, Frucht zu bringen, und das ist ein natürlicher, entspannter Prozess, keine verbissene Plackerei (s. Joh 15,16). Deshalb lehrt die Bibel, dass wahre Disziplin ein Geschenk von Gott ist. Sie ist eine Frucht des Heiligen Geistes, der in uns lebt. Interessanterweise kann man Gal 5,22-23 auch so übersetzen: »Die Frucht des Geistes ist Liebe, Freude, Friede … Selbstdisziplin.« Ähnliches gilt für diese geniale Stelle in 2 Tim 1,7: »Gott hat uns nicht einen Geist der Furcht gegeben, sondern der Kraft, der Liebe und der Selbstdisziplin.«

Wenn du das verstanden hast, wird es dich enorm befreien und ermutigen. Gott selbst lebt in dir und gibt dir die Motivation, Vision und Kraft, um täglich neu in sein Wort einzusteigen bzw. alles zu tun, was für dich dran ist. Echte Disziplin hat also nichts mit Gesetzlichkeit zu tun. Wir sind frei vom Joch der Sklaverei (Gal 5,1), doch nicht frei, um lau und passiv zu sein. Seine Art von Disziplin macht uns vielmehr wahrhaft frei, um zusammen mit Jesus in seinem »sanften Joch« den Willen des Vaters zu tun (s. Mt 11,28-30).

Bevor du jetzt weiterliest, lade den Heiligen Geist als den »Geist der Disziplin« in dein Leben ein. Sag ihm, dass du ihn brauchst. Mach dich bewusst abhängig von ihm. Bitte ihn, jede Trägheit in dir zu überwinden und seine Kraft und Gnade in dir freizusetzen. Bitte ihn, dir zu zeigen, wie dein Tages- und Wochenplan aussehen soll. Dann lass dich von ihm leiten, indem du ganz konkret Prioritäten setzt, Ziele festlegst und verbindliche Schritte unternimmst, um deinen Alltag nach seinem Willen zu ordnen – inklusive Zeit zum Bibellesen.

»Hast du ’nen Plan?«
Viele von uns sind mehr als willig, die Bibel zu lesen. Doch allzu viele haben schon dieses verbreitete Frustszenario erlebt: Man nimmt sich zu Beginn des Jahres ernsthaft vor, jetzt endlich mal die Bibel ganz durchzulesen. Die ersten Wochen geht das auch gut. Die Lebensgeschichten von Abraham, Isaak und Jakob sind ja noch spannend und unterhaltsam. Der Auszug aus Ägypten ist Action pur. Doch dann kommen die Gesetze und rituellen Vorschriften. Und so sind viele wackere Ansätze, die Bibel durchzulesen in 3. oder 4. Mose versandet. Die Gebeine vieler wohlmeinender Bibelleser bleichen bis heute in der Wüste frustrierter Anläufe. (Kommt dir das bekannt vor …?) Warum das? Es fehlte an einer lebendigen und machbaren Bibellesestrategie.

Als Einsteiger beim Bibellesen müssen wir den Faden am richtigen Ende aufgreifen. Ich empfehle jedem Christen, vor allem den Neubekehrten, erst einmal das ganze Neue Testament komplett durchzulesen. Mach das mindestens 2-mal in Schritten von 3–4 Kapiteln pro Tag. Wir müssen hier anfangen, denn Jesus und was er für uns getan hat, ist das Kernstück des Glaubens. Von seiner Person, seinem Kreuz und seiner Botschaft her fängt die ganze Bibel an, Sinn zu machen. Als Nächstes kann man Teile des Alten Testaments hinzufügen, indem man begleitend zum NT jeden Tag z.B. einen Psalm oder ein Kapitel aus den Sprüchen liest.

Irgendwann ist dann der Punkt gekommen, dass man in einen umfassenden Plan einsteigt, der einen regelmäßig durch die gesamte Bibel führt. Eine bewährte Methode dazu ist, täglich aus verschiedenen Teilen der Bibel insgesamt 4–5 Kapitel parallel zu lesen. Eine solche Aufteilung kann so aussehen:

Esra – Hohelied

1.Mose – 2.Chronik

Jesaja – Maleachi

Matthäus – Apostelgeschichte

Römerbrief – Offenbarung

Diese Methode des parallelen Bibellesens ist weder neu noch originell. Sie geht bis auf die Zeit der ersten Christen zurück. Sie hat viele Vorteile: Sie hilft dir, täglich vom »ganzen Ratschluss Gottes« zu empfangen (s. Apg 20,27). Sie bietet Vielfalt und Abwechslung. Du kommst täglich in Berührung mit den wichtigsten Arten von Literatur in der Bibel: Lobpreis, Gebete in den Psalmen, Gottes Geschichte mit Israel, das Gesetz, die Propheten, Weisheit, die Evangelien, die Geschichte der Urgemeinde und die Apostelbriefe. So kommt es nicht vor, dass du Jesus und den Neuen Bund aus den Augen verlierst, weil du monatelang nicht aus dem Alten Testament rauskommst. Andererseits entsteht bei dir kein 'toter Winkel', was Gottes Reden und Handeln im Alten Bund angeht. Um auf unser Bild vom Festmahl zurückzukommen: Es ist wie ein abgerundetes Wort-Menü, das dir gesunde geistliche Ernährung vermittelt. Und den Unterschied wirst du bald spüren!

Ein solcher Plan ist eine Hilfe, aber kein starres Korsett. Er hilft dir, dranzubleiben. Sei frei, auch mal auszubrechen, um z.B. manche Teile in der Bibel wiederholt und intensiver zu lesen. Bleib flexibel, komm aber immer wieder zu deinem Plan zurück, damit du dich nicht verzettelst oder den Faden verlierst. Auch die Aufteilung der Bibelabschnitte und die Länge der täglich zu lesenden Teile kannst du persönlich anpassen, je nachdem, was dran und machbar ist. Z. B. kann man den Teil mit dem Schwerpunkt Lobpreis-Gebet-Weisheit (Esra-Hohelied) weiter aufteilen, so dass man täglich das Bibellesen mit einem Kapitel aus den Psalmen o. Sprüchen beginnt. Manche lange Kapitel kann man 'splitten', bei kürzeren einfach weiterlesen. Einige kurze Bücher in der Bibel lassen sich gut an einem Stück lesen (z. B. Ruth, Haggai, Titusbrief etc.). – Denk dran: Gott ist nicht beeindruckt von deinem Lesepensum. Was zählt ist Beständigkeit. Entscheidend ist nicht so sehr, wie viel du liest, sondern wie du liest. Qualität kommt immer vor Quantität – auch beim Bibellesen.

Natürlich gibt es auch andere gute Bibellesepläne. Es gibt keine himmlisch sanktionierten Schnittmuster. Manche haben es lieber, immer im Zusammenhang zu lesen. Hier deshalb kurz ein Alternativplan: Lies das komplette NT abwechselnd mit folgenden vier Hauptteilen des AT: 1.Mose-Josua; Richter-2.Chronik; Esra-Hohelied; Jesaja-Maleachi (wieder jeweils 3–5 zusammenhängende Kapitel pro Tag). Für dich ist richtig, was für dich am besten funktioniert; vorausgesetzt du bist nicht einseitig und selektiv beim Bibellesen. Zu viele Christen gehen mit der Bibel um wie beim Gang zum Buffet. Sie picken sich nur die Teile heraus, die ihnen 'schmecken'. Den Rest übergehen sie dezent. Doch noch einmal: Die Bibel ist Gottes Menü. Bei ihm gibt es kein ›à la carte‹ sondern nur ›Pappas Kost‹, d.h. es wird gegessen, was auf den Tisch kommt, denn das ist das Beste für uns. Deshalb lies die ganze Bibel und hilf dir selbst dabei mit einem entsprechenden Plan.

Aktives Bibellesen
Abschließend noch einige handfeste Tipps, um das meiste aus deiner Bibellesezeit rauszuholen. Dein größter Feind beim Bibellesen (und nicht nur hier) ist die Passivität. Wer hat es nicht schon erlebt: Du hast es morgens vom Bett zur Dusche und bis zur Bibel geschafft. Du fängst an zu lesen. Minuten später tauchst du aus einem seltsamen Trancezustand wieder auf (gemeint ist Halbschlaf mit offenen Augen) und hast keinen Schimmer, was du die ganze Zeit gelesen hast. Gottes Wort ist lebendig, wirksam und scharf (Hebr 4,12). Deshalb sollte unsere Bibellesezeit auch lebendig sein. Wir müssen lernen, die Bibel aktiv zu gebrauchen. Deshalb sage der Passivität den Kampf an und werde ein aktiver Bibelleser. Folgendes dazu:

Deine Haltung beim Bibellesen und Studieren ist entscheidend. Erkenne deine Bedürftigkeit vor Gott und komme mit einem offenen, belehrbaren Geist zu seinem Wort (s. Ps 119,18.33f.).

Beginne und schließe deine Bibellesezeit im Gebet. Mach dich bewusst abhängig vom Heiligen Geist, dem eigentlichen Autor der Bibel (s. 1 Kor 2,9-16).

Es ist gut, manche Teile der Bibel laut zu lesen und zu beten (vor allem die Psalmen und die Sprüche, aber z.B. auch die Propheten!).

Lass dir Zeit, um über Stellen, in denen Gott zu dir redet, in Ruhe nachzudenken (s. Ps 1; Jos 1,8)

Lies mit dem Stift: markiere deine Bibel themenbezogen. Gebrauche dabei Farben, Symbole und/oder Kürzel am Rand. Sei kreativ! Entwickle ein persönliches Anstreichsystem, das dir hilft, dich besser in deiner Bibel zurechtzufinden.

Nimm dir gelegentlich Zeit, um spezielle Themen oder biblische Bücher gezielt zu studieren. Lege dir eine Notizensammlung zum Bibelstudium an.

Gebrauche im Laufe der Zeit verschiedene Bibelübersetzungen und vergleiche sie. Es gibt Übersetzungen, die sehr nahe am Urtext bleiben, aber auch recht freie Versionen. Jede hat ihren Zweck und gibt dir frische Perspektiven. Lies die Bibel auch mal in einer anderen Sprache (z.B. Englisch – wer weiß, wo der Herr dich noch gebrauchen will …).

Nutze Studienhilfen wie Handbuch zur Bibel, Lexikon, Atlas, Kommentare und Studienbibeln. Aber Vorsicht: Jedes Hilfsmittel zur Bibel hat eine theologische Prägung. Lass nicht zu, dass sich beim Bibellesen Menschenmeinungen und Wort Gottes vermischen. Nichts kann und darf deine Zeit allein mit seinem Wort ersetzen!

Frage dich immer: »Was soll ich mit dem tun, was ich gelesen habe?« Bibelwissen ohne Gehorsam führt zu gefährlicher Selbsttäuschung (s. Jak 1,22). Die Bibel ist mehr als ein Informationsbuch, sie ist ein Lebensbuch. Wir müssen die Bibel nicht nur lesen, sondern auch leben.

Zum Schluss
Mache es zu einem Lebensziel, eine tiefe Beziehung zur Bibel aufzubauen. Werde ein Langstreckenläufer im Wort. Wenn du hinfällst und du deinen Plan über Bord werfen willst, steh wieder auf, tanke Gnade und Disziplin beim Herrn und mach einfach weiter. Entwickle eine langfristige Vision. Sei entschlossen, ein Mann bzw. eine Frau des Wortes zu werden, ein echter Jünger Jesu, der in seinem Wort bleibt. //