Heft 2/00 - Retro-Artikel

« zurück zum Retro-Archiv

Der Autor

Mike Chance ist verheiratet mit Kay. Beide leben zurzeit in England.

Jesus folgen (Geistliche Fitness)

Die Stabilität deines Glaubens

// »Wie ihr nun den Christus Jesus, den Herrn, empfangen habt, so wandelt in ihm, gewurzelt und auferbaut in ihm und befestigt im Glauben, wie ihr gelehrt worden seid, darin überströmend mit Danksagung« (Kol 2,6-7).

Die Kolosser haben wahrscheinlich die gute Nachricht von Jesus Christus durch Paulus gehört, als er zwei Jahre in Ephesus diente und »alle, die in Asien wohnten, sowohl Juden als Griechen, das Wort des Herrn hörten« (Apg 19,10). Einer der Leiter dieser Gemeinde, ein Mitarbeiter des Paulus, besuchte den Apostel im Gefängnis und berichtete ihm sowohl über die Fortschritte der Jünger, als auch über gewisse Irrlehren, die diese zu verwirren drohten. Paulus hatte sich bereits mit dem gesetzlichen Judaismus in der Nachbarprovinz Galatien auseinandergesetzt. Dieses Mal bestand die falsche Lehre in einer Mischung aus gesetzlichem Judaismus und griechischer Philosophie. Die Antwort von Paulus ist jedoch beide Male dieselbe: Glaube an Jesus Christus.

Jede Lehre, die Christus aus dem Zentrum zu rücken sucht, ist eine Verdrehung des Glaubens. Das ist das Thema seines Briefes an die Kolosser. Heutzutage setzen wir uns mit anderen Abweichungen und falschen Lehren auseinander, doch das, was Not tut, ist dasselbe: Wir müssen in unserem Glauben an Jesus Christus gefestigt werden. Im ganzen Kolosserbrief hämmert uns Paulus die zentrale Wichtigkeit des Glaubens an Jesus Christus ein:

Kap. 1,4: »... da wir von eurem Glauben an Christus Jesus gehört haben«; Kap. 1,23: »... sofern ihr im Glauben gegründet und fest bleibt«; Kap. 2,5: »... freue mich und sehe eure Ordnung und die Festigkeit eures Glaubens an Christus«; Kap. 2,7: »... befestigt im Glauben«. Gott möchte, dass wir in unserem Glauben gefestigt sind. Das Wort »gefestigt« bedeutet »dauerhaft«, »beständig« – nicht an einem Tag so und am anderen so; kein Auf und Ab, sondern Stabilität! Die Grundlage unseres Glaubens ist das Vertrauen auf unverrückbare Dinge wie: Gott selbst (der sich niemals ändert), sein Königreich (das unerschütterlich ist) und sein Wort (das ewig fest ist). In gleicher Weise stabilisieren wir unseren Glauben auch dadurch, dass wir das, was Gott über Jesus Christus gesagt hat, kennen und unser Vertrauen darauf setzen.

Der Glaube an Jesus Christus
Unser Glaube basiert auf der Person und dem Werk Jesu Christi. »Im Glauben wachsen« bedeutet, zuzunehmen in der Erkenntnis Jesu und in dem, was er in seinem Werk der Erlösung getan hat. Die Grundlage des Glaubens besteht nicht aus unsicheren Vermutungen oder Gefühlen, sondern aus gesicherten, unverrückbaren Fakten bezüglich der Person Jesu und dem, was er durch seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung von den Toten getan hat.

Im Glauben wandeln
Die Bibel spricht vom »Wandel im Glauben«, da es sich um etwas handelt, das Tag für Tag geschieht. »Wie ihr nun den Christus Jesus, den Herrn, empfangen habt, so wandelt in ihm« (Kol 2,6). Wie haben wir ihn empfangen? Durch Glauben. Wie wandeln wir täglich mit ihm? Durch Glauben. Paulus sagte: »Wir wandeln durch Glauben, nicht durch Schauen« (2Kor 5,7). Wir setzen unser Vertrauen jeden Tag neu auf Jesus. Wir können ihn zwar nicht sehen, aber wir wissen, dass er zur Rechten Gottes sitzt. Der Apostel Paulus zitiert im Neuen Testament dreimal den Propheten Habakuk: »Der Gerechte wird aus Glauben leben« (Röm 1,17; Gal 3,11; Heb 10,38). Aus dem Glauben wachsen wir niemals heraus, jedoch wachsen wir im Glauben. »Was ich aber jetzt im Fleisch lebe, lebe ich im Glauben, und zwar im Glauben an den Sohn Gottes« (Gal 2,20). Solange wir in diesem Leib sind, werden wir Glauben brauchen. Wenn Christus erscheinen wird, werden wir ihn von Angesicht zu Angesicht sehen und keinen Glauben mehr brauchen. Aber jetzt in diesem Leben verhält es sich folgendermaßen: »... an den ihr glaubt, obgleich ihr ihn jetzt nicht seht, über den ihr mit unaussprechlicher und verherrlichter Freude frohlockt« (1Petr 1,8).

Reifer Glaube
Wie schon gesagt, bedeutet Reife nicht, dass wir über den Glauben hinauswachsen, sondern dass wir in unserem Glauben an Jesus Christus gefestigt werden und nicht mehr Unmündige sind, »hin- und hergeworfen und umhergetrieben von jedem Wind der Lehre durch die Betrügerei der Menschen, durch ihre Verschlagenheit zu listig ersonnenem Irrtum. Lasst uns aber die Wahrheit bekennen (d.h. uns an die Wahrheit halten und in ihr wandeln) in Liebe und in allem hinwachsen zu ihm, der das Haupt ist, Christus« (Eph 4,14-15).

»Stabilisatoren« des Glaubens

Wie kann unser Glaube wachsen und zunehmen? Ich möchte drei nicht austauschbare Stabilisatoren des Glaubens nennen.

1. Gemeinschaft mit Gott im Gebet
Das bedeutet nicht, um Glauben zu bitten. Wenn du Gott um Glauben bittest, wird er dich zu seinem Wort leiten; denn Glaube kommt aus seinem Wort, nicht durch Bitten. Dennoch hat Gebet sehr viel mit unserer Befestigung im Glauben zu tun. Da Glaube keine kühle Berechnung, sondern eine Beziehung ist, wird der Glaube gestärkt, wenn wir regelmäßig täglich Zeit mit dem Vater verbringen. Abraham war ein Mann des Glaubens, weil er ein Freund Gottes war. Henoch lebte im Glauben, weil er mit Gott wandelte. Wir können viel lernen, wenn wir mit Männern und Frauen Gottes beten. Wenn wir ihrem Glauben zuhören, können wir hören, wie sie zu Gott kommen. Paulus hat einige seiner Gebete im Neuen Testament aufgeschrieben (s.u.). In diesen Gebeten erkennen wir die Bedeutung, die Paulus dem Heiligen Geist zumisst. Während es eigentlich nicht schriftgemäß ist, um Glauben zu bitten, ist es sehr gut, um den Heiligen Geist zu bitten. Vielleicht sagst du nun: »Ich habe schon den Heiligen Geist.« Aber wusstest du, dass er der »ewige Geist« ist? Wir können immer noch mehr von ihm empfangen. In seinem Gebet für die Epheser bittet Paulus den Vater, ihnen »den Geist der Weisheit und der Offenbarung« zu geben. Ist es dir auch schon so ergangen, dass du eine Predigt gehört hast und sich in deinem Herzen nichts bewegt hat, obwohl du verstandesmäßig jedem Wort zustimmen konntest? Paulus schrieb den Christen in Rom, dass der Mensch, der »mit dem Herzen« glaubt (Röm 10,10), zu Ergebnissen durchdringt. Es ist nicht falsch (ja sogar sehr gut), den Vater darum zu bitten, dass er die Augen deines Herzens öffnen möge, damit du die Realität des Wortes in deinem Herzen erkennen kannst (Eph 1,18-19). Sage: »Vater, ich weiß, dass dein Wort wahr ist, aber irgendwie ist es noch keine Offenbarung in meinem Herzen. Ich bitte Dich, öffne mir die Augen, gib mir den Geist der Weisheit und der Offenbarung.« Jesus hat gesagt, dass, wenn der Heilige Geist, der Geist der Wahrheit, kommt, er uns in alle Wahrheit leiten wird. Wir können ihn darum bitten, dass er uns in unserem Herzen »die Reichtümer Christi« offenbart. Jesus sagte: »... von dem Meinen wird er nehmen und euch verkündigen« (Joh 16,14). Es ist der Geist aus Gott, schrieb Paulus an die Korinther, der uns die Dinge erkennen lässt, »die uns von Gott geschenkt sind«. Diese Dinge sind uns durch seinen Geist geoffenbart (1Kor 2,12.10). Die Offenbarung Christi – sowohl seiner Person als auch seines Werkes – stabilisiert unseren Glauben an ihn. Noch etwas, was Paulus für die Epheser betete, war, dass sie »mit Kraft gestärkt ... werden durch seinen Geist an dem inneren Menschen, dass der Christus durch den Glauben« in ihren Herzen wohne (Eph 3,16-17). Oft bete ich für die Erquickung und Stärkung meines inneren Menschen und dann empfange ich es einfach im Glauben. Unser persönliches Gebetsleben ist von entscheidender Wichtigkeit für unser Wachstum im Glauben an Jesus Christus. Regelmäßige Gebetszeiten bringen Stabilität in unseren Glauben.

2. Gemeinschaft mit Gott in seinem Wort
Wir haben schon über die Aufgabe des Heiligen Geistes gesprochen, uns Offenbarung zu geben. Der Geist wirkt jedoch durch das Wort. Ebenso wenig wie du die Worte deines Mundes von deinem Atem trennen kannst, kann Gottes Wort von seinem Geist getrennt werden. Der Geist Gottes wird niemals dem Wort widersprechen, sondern vielmehr offenbaren, was das Wort Gottes sagt. »Also ist der Glaube aus der Verkündigung, die Verkündigung aber durch das Wort Christi« (Röm 10,17). Das Thema des Wortes ist Jesus. Wenn ich mir täglich Zeit für das Wort nehme, um es zu lesen, zu studieren und darüber nachzusinnen, hat der Geist etwas, womit er arbeiten kann. Es ist unmöglich, stark im Glauben zu sein, ohne stark im Wort zu sein. Wie steht es mit deinem »Wort – Leben«? »Das Wort des Christus wohne reichlich in euch«, sagt Paulus den Kolossern (Kol 3,16). Dein Glaube kann nicht größer sein als deine Erkenntnis von Jesus Christus, und Christus ist im Wort zu finden. Lass dir von niemandem deine Liebe zur Bibel ausreden. Bleibe im Wort! Ich muss zugeben, dass das peinlich einfach ist: »Lies die Bibel, bet´ jeden Tag, wenn du wachsen willst.«

Das Dritte, was ich sagen möchte, ist auch einfach – aber lebensnotwendig für den Glauben.

3. Das Wort Gottes bekennen
Oftmals bereiten sich Christen durch das Bekenntnis ihres Mundes ihre eigene Niederlage. Es passiert leicht, dass wir mächtige Gebete beten und uns dann herumdrehen und Zweifel und Unglauben aussprechen. »Bekenntnis« ist die ursprüngliche Bedeutung von »Konfession«. Weder das lateinische noch das griechische Wort bezeichnen damit eine Denomination oder ein System von Glaubenssätzen, sondern das Aussprechen von Glauben. Das griechische Wort »homologia« bedeutet »dasselbe sagen wie«. Wenn wir das Wort Gottes bekennen, dann sagen wir dasselbe wie er. Wenn ich mich selbst sagen höre, was Gott sagt, dann bewirkt das in mir oft mehr, als wenn ich es von jemand anderem höre.

Die Bibel sagt: »David stärkte sich in dem Herrn, seinem Gott« (1Sam 30,6). Wie hat er das getan? Wahrscheinlich begann er, zu singen und den Herrn für seine Gnade und Treue zu preisen. Singen ist ein mächtiges Mittel, die Wahrheit des Wortes Gottes zu bekennen. Ob wir singen oder sprechen, wichtig ist, dass es mit dem Wort übereinstimmt. Die Autorität meines Bekenntnisses basiert auf dem, was Gott gesagt hat. Autorität kommt von dem Wort Autor. Gott muss der Autor meines Bekenntnisses sein. Meine Frau und ich singen sehr gerne dieses Lied: »Jesus hat es gesagt. Ich glaube es, sein Wort kann nicht lügen. Es steht in der Bibel, und ich werde es glauben, bis ich sterbe.« Wenn Jesus es gesagt hat, dann können wir es nicht nur glauben, sondern auch aussprechen. Wir haben Autorität, zu sagen, was er gesagt hat. Das wurde mir durch Hebräer 13,5-6 deutlich. Dort sagt der Schreiber: »Er hat gesagt ..., so dass wir zuversichtlich sagen können«. Wenn er etwas gesagt hat, dann können auch wir es mit Zuversicht sagen.

Nachdem Paulus in den ersten acht Kapiteln des Römerbriefes das herrliche Evangelium von Jesus dargelegt hat, stellt er die Frage: »Was sollen wir nun hierzu sagen?« (Röm. 8,31) Wir müssen etwas sagen, und es ist gut, mit Gott übereinzustimmen. Paulus hatte diesen Christen in einer besonders wunderbaren und gewichtigen Darstellung vor Augen geführt, dass Gott für sie ist. Deshalb erklärt er in Beantwortung seiner eigenen Frage »Was sollen wir nun sagen?«: »Wenn Gott für uns ist, wer gegen uns?« Das stabilisiert den Glauben.

Gott möchte dich in deinem Glauben befestigen. Ebenso wie Christus das Ziel unseres Glaubens ist, ist auch die Offenbarung von Christus die Quelle unseres stärker werdenden Glaubens. Verbringe täglich und regelmäßig Zeit mit Gott. Entwickle deine Beziehung zu ihm durch das Wort und im Gebet und lerne es, auszusprechen, was er in seinem Wort gesagt hat. Dort stehen Dinge, die er gesagt hat, damit du sie mit Zuversicht zu deinem Bekenntnis machen kannst. ///

Dieser Artikel ist ein Buchauszug aus:

Mike Chance: Fest gegründet in Christus.

Onlineveröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Wenn du den Artikel haben oder gleich das ganze Buch bestellen willst, wende dich bitte direkt an das Glaubenszentrum Bad Gandersheim, www.glaubenszentrum.de/shop.