Heft 1 - Retro-Artikel

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Der Autor

Michael Schiffmann ist Gründer und Direktor des Christlichen Trainingszentrums (CTZ) und Pastor einer Gemeinde in Hannover. Er ist außerdem Teil eines internationalen apostolischen Teams. Michael steht seit über 20 Jahren in einem vollzeitigen Lehr- und Predigtdienst, dessen Schwerpunkt zurzeit die Restauration des apostolisch-prophetischen Dienstes im Leib Christi ist. Er lebt mit seiner Frau Andrea und seinen fünf Kindern in der Nähe von Hannover.

Jesus folgen (Prophetie)

Joseph, der Träumer

// Wenn ich die verschiedenen Personen der Bibel betrachte, empfinde ich, dass im Moment auf Joseph eine besondere prophetische Bedeutung für unsere Zeit liegt. Dies wird noch verstärkt, wenn man sein Alter und die Art seiner Berufung berücksichtigt und dabei das momentane Wirken des Heiligen Geistes auf der kommenden Generation beobachtet. Als er siebzehn Jahre alt war, bekam er Träume, die eine deutliche Aussage über seine Zukunft machten: Er würde eine besondere Stellung von Gott bekommen und seine Brüder und selbst seine Eltern würden sich vor ihm beugen (lies bitte dazu 1 Mose 37,1-11). Wie wäre es, wenn du einen Traum von Gott bekommen würdest, in dem du dich Zeichen und Wunder wirken siehst und deine Eltern würden von Gott nicht in demselben Maß gebraucht werden? Ein solcher Traum wäre bestimmt eine starke Ermutigung, die auch momentane Schwierigkeiten vergessen ließe, aber gleichzeitig eine sehr große Herausforderung an deine Demut. Demut ist nichts anderes als uns genau so zu sehen, wie Gott uns sieht. Dies schließt die wunderbare und einzigartige Weise (Ps 139,14) ein, wie er uns gemacht hat, aber auch unsere absolute Abhängigkeit von ihm und das negative Potential unseres »alten Menschen«. Für unsere Fehler haben wir oft schnell eine gute Entschuldigung parat, aber mögliche Erfolge stecken wir zu gerne in unsere eigene Tasche und benutzen sie, um uns besser zu fühlen oder sogar unseren Wert zu definieren.

Wenn wir schauen, wie Joseph reagiert hat (1 Mose 37, 8. 10), müssen wir uns schon fragen, warum er seinen Brüdern und seinem Vater sofort von diesen Träumen erzählt hat. Ich würde aus dieser Reaktion schließen, dass er versucht hat, seine Familie zu beeindrucken. Entsprechend war die Reaktion seiner Umwelt: Eifersucht, Neid und Hass. Dies wirft die Frage auf: Was sollen wir mit einer Vision oder einem Traum für unser Leben tun?

Hier können wir einiges aus dem Leben der Maria, der Mutter von Jesus, lernen (lies hierzu Lk 1,26-38). Die meisten Bibelausleger gehen davon aus, dass Maria zu der Zeit ihrer Verlobung mit Joseph (nicht zu verwechseln mit dem Joseph aus 1 Mose 37-47) etwa zwischen 14-16 Jahre alt war. Als sie vermutlich noch im Haus ihrer Eltern war, erschien ihr ein Engel. Niemand sah ihn außer ihr. Dieser Engel sagte ihr sehr erstaunliche Dinge voraus und erklärte, dass der Heilige Geist über sie kommen würde und sie dann schwanger werden würde. Normalerweise reicht allein die gewaltige Erscheinung von Engeln aus, um Furcht in uns auszulösen. Deshalb lesen wir so oft, dass sie als Erstes »Fürchte dich nicht« sagen. Das ist nicht die typische Begrüßung im Himmel, sondern ein Dienst an uns, denn ihre Worte bringen göttlichen Frieden in unser Herz.

Maria jedoch war recht gefasst, nur die Botschaft schien sie zu beunruhigen. Sie gab uns ein sehr gutes Vorbild durch ihr »geistlich richtiges« Verhalten. In Vers 38 heißt es: »Maria aber sprach: Ich bin die Magd (ein altes Wort für Dienerin) des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort.« Sie drückte ihre Hingabe und auch ihre Dienstbereitschaft Gott gegenüber aus und öffnete ihr Herz und ihr Leben für die Absichten Gottes. Einen weiteren wichtigen Hinweis finden wir in Lukas 2,19. Dort erscheinen wieder Engel nach der Geburt von Jesus: »Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie (dachte darüber nach) in ihrem Herzen.« Sie dachte also darüber nach, was die Engel im Auftrage Gottes gesagt und verheißen hatten. Wir finden hier keinen Hinweis, dass sie diese Offenbarungen herumerzählt hat, um sich aufzuwerten.

Was würdest du denken, wenn dein bester Freund oder deine beste Freundin mit einer solchen Geschichte zu dir kommen würde? Wäre Neid, Eifersucht oder Hass in deinem Herzen?

Es ist der erste Schritt, Verheißungen Gottes in seinem Herzen zu empfangen und dann einigen wenigen Menschen diese vorzulegen. Wenn es sich um Menschen handelt, die nicht an solche Verheißungen glauben, kann eine Vision oder ein Traum auch geistlich getötet werden. Eine solche Verheißung Gottes ist wie ein übernatürlicher Samen, der in dem glaubensgetränkten Nährboden unseres Herzens eingewurzelt werden soll. Er wird dann über die Zeit wachsen und die Dinge hervorbringen, die uns verheißen sind.

Nach dem Empfangen der Verheißung Gottes nahm Josephs Leben einen eher turbulenten Verlauf. In 1 Mose 37,18 lesen wir, dass seine eigenen Brüder beschlossen, ihn zu töten, beziehungsweise ihn nach Ägypten zu verkaufen.

Er verlor sein Elternhaus als seinen Schutz, seine eigene Kultur und seine Freunde. Alles, was ihm blieb, war die Verheißung in seinem Herzen, die er vorher empfangen hatte. Wenn Gott uns eine Verheißung gibt, dann können keine Umstände und keine Schwierigkeiten auf der Erde ihn davon abhalten, sein Wort zu erfüllen. Das einzige, was Gott hindern kann, ist unsere Entscheidung, ihm nicht mehr zu vertrauen und statt dessen lieber unsere eigenen Wege zu gehen. Er hat uns zugesagt in Röm 11,29: Gott bereut unsere Berufungen nicht und ist durch nichts zu bewegen, sie zurückzunehmen. Unsere Schritte auf unsere Berufungen hin können pausieren, aber das ändert nichts an Gottes Absichten mit uns.

Da Gott allwissend ist, kennt er natürlich auch unsere Schwächen und hat uns trotzdem berufen. Er sagt: »So wirst du sein und das wirst du tun, wenn du dich mir anvertraust und mit mir gehst.« Dieses in uns gesetzte Vertrauen, welches nicht auf unseren Möglichkeiten basiert, sondern auf der Macht Gottes, kann uns in unruhigen Zeiten durchtragen. Umstände kommen und gehen, aber Gottes Verheißungen bleiben fest.

Diese Grundlage ließ auch Joseph nicht verzweifeln. Wir lesen weiter in Kapitel 39, dass Gott ihm Gunst und Gelingen bei seinem Herrn in Ägypten gab. Solche Segnungen sind ein Hinweis darauf, dass Gott mit Joseph war, aber auch darauf, dass Joseph sich Gott anvertraut hatte.

Etwas Ähnliches finden wir im Leben von Daniel. In Daniel 1,8 lesen wir, dass er sich in seinem Herzen vornahm, sich nicht an der Speise (die oft fremden Göttern geweiht war und sicher nicht den jüdischen Speisevorschriften, einer Grundlage des jüdischen Glaubens, entsprach) zu verunreinigen. Dieser Glaubensschritt wurde sofort von Gott mit Gunst gesegnet. Daniel 1,9: »Und Gott gab Daniel Gunst und Erbarmen vor dem Obersten der Hofbeamten.« Du kannst Gott auch darum bitten: »Herr Jesus, ich setze das Vertrauen meines Lebens auf dich. Gib mir bitte Gunst bei meinen Lehrern und auch bei meinen Mitschülern.« Du wirst sehen, dass der Segen Gottes auf deine Beziehungen kommen wird.

Sogar als Joseph schließlich von der Frau seines Herrn Potifar (Kapitel 39,7-21) verraten wurde, wankte sein Vertrauen zu Gott und Gottes Vertrauen in Joseph nicht. Er kam in das Gefängnis, weil ihm sein Gehorsam zu Gott wichtiger war, als die Meinung anderer Menschen.

Selbst dort ließ er sich nicht davon abhalten, Schritte mit Gott in Richtung auf seine Berufung zu gehen, Menschen von Herzen zu dienen und ein treuer Verwalter dessen zu sein, was ihm anvertraut wurde.

Wenn du heute diesen Artikel liest, befinden sich auf der ganzen Welt Hunderte von Jugendlichen in Gefängnissen, weil sie Christen sind und in Nationen leben, in denen Christen verfolgt werden. Dies soll dich nicht bedrücken, sondern anreizen, Jesus mit ganzem Herzen nachzufolgen und Gott mehr zu lieben als die Meinung von Menschen zu fürchten.

Gott hat die Zeit des Joseph im Gefängnis genutzt, um ihn von eigenen Plänen, Stolz und Bitterkeit gegenüber seinen Brüdern zu reinigen. Für die Position, die Joseph eines Tages haben sollte, wären Stolz auf eigene Macht und ähnliche Empfindungen eine Kraft, die ihn letztlich daran hindern würde, die Tiefe des Planes Gottes zu erreichen. Er wurde zum Versorger für sein eigenes Volk und hat gleichzeitig der Welt (Ägypten) die Macht, die Fürsorge und die Weisheit Gottes in unwiderlegbarer Weise demonstriert. Je höher die Position ist, zu der Gott dich beruft, umso länger und tiefer muss er dich reinigen von dem Verlangen der alten gefallenen Schöpfung, sich selbst zu erhöhen. Gott sucht ein Volk, das bereit ist, ein Gefäß seiner Kraft und Gegenwart zu werden. Nicht das Gefäß ist wichtig, sondern der Inhalt. Nicht durch wen er sich zeigt ist wichtig für Gott, sondern dass seine Macht und Liebe sichtbar werden.

Im Hören auf Gott während Gebetszeiten und im Gespräch mit Leitern aus dem In- und Ausland habe ich die große Dringlichkeit empfunden, mit der unser Herr Jesus Christus nach seinem Volk ruft und seine Hand besonders auf die kommende Generation legt. Aus diesem Grunde wird in den nächsten Monaten und Jahren die Zahl der Träume und Visionen unter Jugendlichen zunehmen, die Berufungen ausdrücken und Verheißungen für einen kommenden Weg aufzeigen.

Es braucht deshalb offene Herzen, wie wir bei Maria gesehen haben, diese Visionen zu empfangen und auch zu bewahren. Du kannst natürlich auch beten, wie Samuel zu Gott gebetet hat: »Rede Gott, ich möchte hören und dir dienen.« (vgl. 1 Sam 3,10)

Schreibe dir alles auf, was du als ein persönliches Reden Gottes zu dir empfindest. Es kann sich dabei um eine Predigt handeln, die dich besonders anspricht oder eine Bibelstelle oder auch ein Erlebnis der oben beschriebenen Art. Das Prinzip ist aber in jedem Fall dasselbe und es braucht ein Herz voller Glauben, Ausdauer und Geduld, um der Berufung auch nachzugehen. Gott bereitet eine neue Generation vor, um seine Herrlichkeit in alle Nationen zu tragen. Trotz seiner Macht braucht es aber auf unserer Seite Zeit, von seinem Heiligen Geist trainiert zu werden. Meistens gebraucht Gott dazu die Umstände, in denen wir uns gerade befinden. Trage den Samen seines Redens in dir und bewahre ihn, bis du zu der Person wirst, als die Gott dich geschaffen hat.

»Run your race – for his glory«. ///