Heft 1/00 - Retro-Artikel
Der Autor
Keith Warrington, von Beruf Mathematiklehrer, stammt aus Neuseeland und lebt seit 26 Jahren in Deutschland. Seit 1971 ist er Mitarbeiter bei JmeM; von 1983 bis 1993 war er Leiter von JmeM Deutschland; zurzeit gehört er u. a. dem europäischen JmeM-Leitungsteam an. Seine derzeitigen Arbeitsschwerpunkte sind Gemeindedienste und die Leitung der Initiative Marsch für Jesus. Keith Warrington lebt in Altensteig (Nordschwarzwald), ist verheiratet und Vater von vier Kindern.
Jesus folgen (Kompromisslos)
Jüngerschaft - Ein guter Start
// Es geht darum, den Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat, zu kennen, seine Wege kennenzulernen und seine Werke zu tun. Wir haben nur ein Leben. Jesus hat uns nahegelegt, zuerst nach Gottes Reich zu trachten und seine Gerechtigkeit vor allen anderen Dingen zu suchen.
Um das anzugehen, unterbreite ich folgende Grundsteine für das persönliche Leben, die jeder legen kann und muss:
1. Jesus ist Herr
Jeder von uns hat einen anderen Hintergrund, andere Wünsche, Bedürfnisse usw. Gott in seiner Vaterliebe weiß, wie er uns nachgehen und uns erreichen kann. Er kommt zu uns zu bestimmten Zeitpunkten und wir wissen, dass wir uns entscheiden müssen. Irgendwann bringt er uns zu dem Punkt, wo wir erkennen: Jesus ist der Sohn Gottes, sein Kreuzestod macht unsere Erlösung möglich und er ist auferstanden und Herr. Wenn es zu diesem Punkt kommt, dann meldet sich die Kernfrage: Wer wird mein Leben führen? Er oder ich? Wenn wir ihn anflehen, dass er uns annimmt und in sein Reich aufnimmt, dann gibt es eine Bedingung: Wir müssen dem alten Leben absagen und vor allem die alte Selbstbestimmung und den Egoismus ablegen. Wenn er sieht, dass wir dazu bereit sind, dann nimmt er uns gerne und ohne zu zögern auf. Und dann wissen wir es auch. Wenn wir dazu nicht bereit sind, können wir beten, wie wir wollen, aber er darf sich auf uns nicht einlassen und muss uns uns selbst überlassen. In vielen christlichen Kreisen wird ganz einfach gesagt, dass man Jesus nur annehmen muss. Dies wird oftmals billig verstanden und präsentiert. So treffen Personen eine billige Entscheidung, es geschieht aber keine Annahme von Gottes Seite her und dies führt im Laufe der Zeit zu Enttäuschungen und Frust. Dieses billige egozentrische Evangelium halte ich für die größte Not der missionarischen, christlichen Szene. Gott sieht dennoch jedes ehrliche Herz und bringt solche Menschen auf kurz oder lang durch – Gott sei Dank. Wie auch immer dies passiert, so kommen wir erst dann in Gottes Königreich, wenn wir bereit sind, die wichtigsten Dinge oder Sünden in unserem Leben ihm zu übereignen. Wenn dieser Grundstein gelegt ist, dann können die anderen folgen.
2. Gottes Person und seine Wege kennenlernen!
Dies ist schlichtweg das Abenteuer des Lebens. Nimm dir deine Bibel, lese, wie Gott der Vater Generation für Generation mit den verschiedensten Menschen umgegangen ist. Fang an mit dem Leben Jesu und lese weiter in der Apostelgeschichte, geh dann zurück in das Alte Testament und lese den Lebenslauf von Personen wie z. B. Josef, Josua, David, Daniel, Ruth, Esther. Lerne, wie sie in ihren jeweiligen Lebenssituationen mit Gott gegangen sind und er mit ihnen. Reiht man diese Lebensbilder nebeneinander, so sieht man ein Panorama: wer Gott ist, was er will und wie er mit Menschen, die ihn lieben, umgeht. So will er auch mit dir und mit mir umgehen.
3. Lass dich mit dem Heiligen Geist taufen!
Den Heiligen Geist kennst du schon, er hat dich zu Jesus geführt und dich zur geistlichen Geburt gebracht. Er will dir das gute Erbe als Tochter und Sohn Gottes vermitteln. Dies schließt ein, dass du immer wieder seine Stimme hören kannst. Er will dir für andere Menschen ein Herz der Liebe geben, wie auch für Gott den Vater und Jesus den Sohn. Er will dir auch die Bibel lebendig machen. Vielleicht müssen alte Gewohnheiten und Gebundenheiten in deinem Leben gesprengt werden. Dies will er tun. Er will dich ausrüsten mit Freimut und Kraft und dir seine übernatürlichen Gaben geben, damit du anderen Menschen helfen kannst. Du sollst lernen, mit seiner übernatürlichen Leitung umzugehen, damit dir die Dynamiken der geistlichen Welt vertraut werden. Er will dich erziehen, dass du Selbstvertrauen, Disziplin und Heiligkeit gewinnst. Er wird dich in manch schwierige Lebenssituationen führen, damit du lernst, deinen Egoismus abzubauen und gerade dort an seine Interessen und die Interessen anderer Menschen zu denken. Er will aus uns kleinen, selbstbezogenen Kindern großartige Männer und Frauen Gottes machen, die auf eigene Kosten anderen Menschen dienen. So wirst du ein Freund Gottes. Dies fängt damit an, dass er dich mit seinem Heiligen Geist tauft und erfüllt.
4. Anbeten und beten lernen!
Nimm dir Zeiten alleine mit Gott, am besten in deinem Schlafzimmer. Danke ihm für die guten Dinge, die er tut. Singe zu ihm und lobe ihn und verbringe Zeiten damit, ihm deine innigste Liebe auszudrücken. Gib ihm dein Herz und deinen Körper und dein Leben aufs Neue. Dies ist Anbetung. Bete mit deinem Verstand und bete in fremden Sprachen. Vielleicht sind dir hier Stellen aus dem Buch der Offenbarung, aus dem Propheten Daniel oder aus dem Leben des Mose eine Hilfe.
Bete für deine Freunde und Bekannten. Bringe ihre Situation vor Gott und bitte ihn darum, in ihr Leben zu intervenieren. Er will die Leute um dich herum segnen und dies darfst du im Gespräch mit ihm vorbereiten. Wir lernen hier, ein bisschen weniger an uns zu denken und ein bisschen mehr an andere.
5. Ein reines Gewissen!
Paulus sagt: Ich bemühe mich darum, vor Gott und vor Menschen ein reines Gewissen zu haben (Apg 24,16). Wenn Gott uns vergeben hat, und das tut er aus Gnade, dann ist seine Vergebung schon unsere Erfahrung. Es kann aber sein, dass du gegenüber Menschen vergangene Sünden gutzumachen hast. Vielleicht hast du Menschen angelogen, bestohlen, manipuliert, verachtet usw. Wenn du solche Dinge auf dem Gewissen hast, dann schreibe alles in deiner Gebetszeit auf. Es ist ratsam, an diesem Punkt oftmals einen weisen und vertrauenswürdigen Seelsorger um Hilfe zu bitten. Sie können dir Rat geben, wie man solche Altlasten aufarbeitet. Dann kannst du ansetzen, Briefe zu schreiben, Sachen und Geld zurückzubringen usw. Dies kenne ich aus eigener Erfahrung. Einige meiner Bekannten mussten auch zur Polizei zurückgehen und einer von ihnen ist im Gefängnis gelandet.
Es ist auch ratsam, von dem Seelsorger Gebet über die ganze Vergangenheit zu empfangen. Sie können alte negative Erbbelastungen über uns brechen und uns ggf. auch von dämonischen Bindungen freibeten. Sie können uns unter den Schutz und Segen Gottes stellen, damit wir weitgehend von falscher Verdammnis freikommen.
6. Lass dich taufen!
In der Taufe wird das alte selbstbestimmte Leben begraben samt den alten Werken und man wird auferweckt zu einem neuen Leben unter Jesus als Herrn. Die Taufe dokumentiert und versiegelt gegenüber Gott und den Menschen, dass wir von nun an Jesus gehören. Es ist auch der Appell eines reinen Gewissens Gott gegenüber. Es gehört zu dem »ABC« des christlichen Lebens.
Im Laufe der Kirchengeschichte hat es sehr viel Streit bis hin zu Blutschuld gegeben zu dem Thema »Kindertaufe« oder »Gläubigentaufe«, und dies gerade hier in Deutschland. Zum Glück hat sich einiges an dieser Auseinandersetzung entschärft. Ich kenne feine Christen unterschiedlicher Überzeugungen an diesem Punkt. Ich rate dir, einen klaren Standpunkt anhand der Bibel zu gewinnen und dementsprechend zu handeln.
7. Die Eltern ehren lernen
Wenn deine Beziehung zu deinen Eltern nicht in Ordnung ist, dann gewinne eine Haltung der Dankbarkeit und des Respekts ihnen gegenüber. Sind schwierige Dinge vorgefallen, die dich von deinem Zuhause her verletzt haben, dann suche wiederum die Hilfe eines vertrauenswürdigen Seelsorgers. Nenne alle diese schwierigen Erfahrungen, lass ggf. den ganzen Schmerz wieder hochkommen, vergib deinen Eltern, wo dies notwendig ist. Gott will dir ein neues Herz ihnen gegenüber geben. Wenn du vergibst, wirst du langsam in die Lage kommen, wo du auch deine Schuld ihnen gegenüber erkennst. Dann gehe bitte auf sie zu und bitte für deinen Teil der Schuld um Vergebung. Kommt es hier zur Entlastung, wirst du überrascht sein, wieviel Anlass es gibt, für deine Eltern dankbar zu sein. Bring das auch ihnen gegenüber zum Ausdruck. Je nach Alter könnte es ratsam sein, wieder für eine Zeit nach Hause zu ziehen. Lerne, Autorität und Leitung von deinen Eltern zu empfangen (natürlich entsprechend deines Alters). Lerne, deinen Vater als Haupt der Familie anzuerkennen. Zu diesem Verhalten und zu dieser Einstellung verspricht Gott Segen und ein langes Leben.
8. Anleitung akzeptieren, Verantwortung übernehmen
In den Alltagsbereichen, die über deine Familie hinausreichen, wie Schule/Arbeitsstelle, Gemeinde, Nachbarschaft, Interessengruppe, lerne, dich verbindlich und konstruktiv einzubringen. All diese Bereiche haben in unterschiedlicher Form Leiter. Stell dich innerlich unter diese Instanzen und lerne somit, mit dem Begriff Autorität umzugehen. Bring dich aufgeschlossen und gutwillig unter Freunden und Kollegen ein und, soweit es angemessen ist, teil ihnen dein Leben mit und nimm an ihrem Leben Anteil.
Nimm Verantwortung auf dich und werde zuverlässig. Lerne, bei der Arbeit initiativ, kreativ und freudig zu sein. Arbeit ist keine Strafe, sondern ein Teil unserer Berufung als Menschen. Tu es, so gut du kannst. Der Heilige Geist will dir auch immer neue Ideen geben; So lerne, dich positiv und kreativ einzubringen.
9. Finde eine lebendige Gemeinde!
Setze hier alles daran, eine Zelle zu finden, in der du die Belange deines Alltags mitteilen kannst. Du kannst hier deine Schwachstellen preisgeben, Rat, Gebet und Hilfe empfangen. Lerne dadurch auch, anderen zu helfen und dich an irgendeinem Punkt in deiner Gemeinde als Helfer einzubringen. Wie oben erwähnt, bringe dich verbindlich ein und übernehme in irgendeinem Bereich Verantwortung.
10. Herrschaft im sexuellen Bereich erlangen
Die Mehrzahl der Menschen bringen aus ihrem Hintergrund und bisherigen Lebensstil ausreichend sexuelle Fehlpraktiken und Bindungen mit – Selbstbefriedigung, Pornographie, falsche sexuelle Phantasien usw. Auch gebrochene Identität und Neigung zur Homosexualität kommt immer wieder vor. Teile diese Dinge wiederum einem vertrauenswürdigen Seelsorger an. Wenn es um tiefergehende Sachen geht wie Homosexualität oder vorehelicher Geschlechtsverkehr, dann bedarf es wahrscheinlich einer kompetenten Betreuung. Andere Bereiche brauchen eine Freisetzung von alten Gewohnheiten und die Bereitschaft, sich mit Disziplin einen gesunden Lebensstil anzutrainieren. Spätestens hier wird es nur funktionieren, wenn Jesus Herr ist und du bereit bist, deine falschen Trostzonen und Ersatzrealitäten um seinetwillen zu verneinen. Du brauchst auch die tief wirkende Kraft und den Trost des Heiligen Geistes. Nimm den Kampf auf gegen dich selbst, um dein Gedankenleben zu reinigen und zu pflegen. Du bist in diesen Kämpfen nicht allein und es hilft, vertrauenswürdige Gesprächspartner zu haben. So wirst du fit für Gottes Plan: Ein Mann und eine Frau, die sich in einer Ehe ein Leben lang treu bleiben. Hilfreich ist auch, zu gesunden Familien Zugang zu haben, wo man über gute Vorbilder Ermutigung bekommt.
11. Finanzen
Lerne, verantwortungsbewusst mit Geld umzugehen. Der bekannte englische Prediger John Wesley hat gelehrt: »Bekomme so viel du kannst, spare so viel du kannst, gebe so viel du kannst.« Arbeite, damit du nicht nur verdienst, sondern weißt, was dein Geld wert ist. . Stelle ein Monatsbudget auf, gebe deinen Zehnten, komme deinen Verbindlichkeiten nach, lege für die Zukunft an und gebe großzügig an Andere. Hole dir wiederum Rat von Vertrauenspersonen.
Die obigen elf Punkte stellen einen Überblick über die wichtigsten Lebensbereiche dar. Wenn du diese Lebensbereiche gut bestellst – und dies ist ein Prozess –, dann hast du eine gute Lebensgrundlage etabliert und einen guten Start gemacht. Auf diesem Fundament kannst du beginnen zu handeln, in Gottes Abenteuer zu kommen und Menschen rechts und links zu segnen; dies aber wäre Inhalt für einen zukünftigen Artikel.
Baue dein Fundament sorgfältig, in der Hoffnung auf Gottes Segen. So wird die Zeit für dich arbeiten und du wirst in Gottes Pläne für dein Leben und für deine Zukunft hineinfinden. Der Herr segne dich dazu. ///

