Mein Freund Gott und ich
Beschenkt
// Als mein Freund Gott mir einmal eine Kinokarte für die Premiere eines neuen Science-Fiction Films schenkte, war ich doch etwas überrascht. Und das kam so.
Als ich eines Abends müde von der Gemeindearbeit nach Hause kam, klingelte das Telefon. Es meldete sich ein alter Bekannter von mir, den ich schon seit einigen Jahren nicht mehr gesehen hatte. Wie es mir gehe, wollte er wissen, und ob ich auch als Pastor immer noch Science-Fiction mögen würde. Er hätte nämlich noch eine Premierenkarte übrig für den heutigen Abend, allerdings würden sich Filmvorführung und Party bis in die frühen Morgenstunden hinziehen. Natürlich wollte ich gerne hingehen, in meinem Herzen war gleich Freude aufgekommen. Aber dann dachte ich an all die Aufgaben, die vor mir lagen und meine ganze Aufmerksamkeit fordern würden. Eine Nacht ohne Schlaf würde da den sowieso schon aufgebauten Stress bestimmt nicht kleiner werden lassen. Also nahm ich Anlauf, mit einem weinenden Auge um Gottes Willen abzusagen. Schließlich wollte ich die Aufgaben zu seiner Zufriedenheit erledigen, denn für Gott ist das Beste gerade gut genug.
In diesem Augenblick hörte ich seine Stimme so klar, wie es mir selten widerfährt, und wenn ich mich recht erinnere, sagte er ungefähr Folgendes: »Hey Mickey.« Und immer, wenn mein Freund Gott so anfängt, dann kann ich mir schon vorstellen, wie sich die Engel kichernd hinter seinem Thron zusammenrotten, im Chor funky grooven: »Hey Mickey, you’re so fine, you blow my mind, hey Mickey (clap, clap!), hey Mickey (clap, clap!)!«, um dann gespannt den weiteren Gesprächsverlauf abzuwarten. »Was fällt dir eigentlich ein, dieses Geschenk von mir zurückweisen zu wollen?« – »Aber Gott«, antwortete ich, »es wird mir Kräfte rauben und außerdem ist es ein Kinofilm, noch dazu einer aus dem Science-Fiction Genre. So etwas kannst du doch nicht verschenken, Herr, du weißt schon, da werden irreale Vorstellungen über das Leben und vielleicht sogar einige okkulte Fähigkeiten wie Gedanken lesen und dergleichen mehr gezeigt.« – Und wieder hatte ich den Eindruck, dass Gott antwortete, und das ging ungefähr so: »Was zerbrichst du dir meinen Kopf? Wenn ich dir etwas schenken will und es damit für dich und diesen Augenblick als rein erkläre, dann erkläre du es nicht für unrein. Und um deine Kräfte mach dir keine Sorgen, weil ich mich schon darum sorge.« – Da war ich aber baff. Auch darüber, dass unser ganzes Gespräch in Nullzeit gelaufen zu sein schien, denn mein alter Bekannter am Telefon zeigte keine Anzeichen von Ungeduld, als ich ihm freudig zusagte.
An diesem Abend habe ich so viel Freude aufgetankt, und das nicht nur wegen des Films und der Party und der vielen Gäste in Originalkostümen. Was mich richtig schweben ließ, war das Bewusstsein, dass mein Freund Gott mit mir im Kino war. Das war ein Erlebnis der Extraklasse. Meine Frau jedenfalls hat gesagt, dass meine Augen das Zimmer erhellten, als ich nachts um drei Uhr nach Hause kam und sie wecken musste, um nicht vor Glück zu platzen. Und auch wenn sie meine Science-Fiction Freude gar nicht teilen konnte, war sie mir nicht böse, weil sie von der anderen Freude nehmen konnte. Fast unnötig zu sagen, dass ich in den nächsten Tagen keinen Schlafverlust empfand und mir die vor mir liegenden Aufgaben leicht und mit Erfolg von der Hand gingen. Und auch wenn mir ein solches Erlebnis nicht jeden Tag widerfährt, zählt es doch zu denjenigen, die meine Gottesbeziehung geprägt haben. 1. Timotheus 4,4 (»Denn alles was Gott geschaffen hat, ist gut; und nichts ist schlecht, was wir mit Dank gegen Gott genießen.«) gehört seitdem zu meinem Standardrepertoire. Und wenn du denkst, dass man damit doch dann alles legitimieren kann, möchte ich dir Folgendes vorschlagen: Versuch doch einmal, das »Schlimme«, das du dir beim Lesen als »damit freigegeben« vorgestellt hast, mit aufrichtiger Danksagung vor Gott zu genießen … Ich bin gespannt, ob das funktioniert. Ich muss jedenfalls immer wieder schmunzelnd an diesen Abend denken, wenn ich heute Geschichten lese, wie Jesus den Leuten zu erklären versuchte, dass nicht das, was reingeht, unrein macht, sondern das, was rauskommt (Mt 15,1 ff.) oder wie er Petrus zum Essen eingeladen hat (Apg 10,9 ff.). Und dann schicke ich meinem Freund Gott dankbar augenzwinkernd einen Kuss nach oben. //

