Heft 20/04 - Retro-Artikel

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Der Autor

Mickey Wiese ist verheiratet mit einer Lobpreistänzerin, Vater von zwei wunderbar wilden Kerls und Pastor. Er hängt mit seinem Freund Gott in Frankfurt ab und versucht, die bedingungslose Liebe Jesu in den Alltag von Jugendlichen zu übersetzen.

Mein Freund Gott und ich

Gemeindeatmosphäre

// Als mein Freund Gott mit mir einmal eine Zugfahrt »Witten-Frankfurt über Ruhrgebiet« unternahm, fand ich dabei ganz viel über die »normale« Atmosphäre in vielen unserer Gemeinden heraus. Und das kam so.

Alles begann damit, dass die Regionalbahn von Witten 5 Minuten später losfuhr. Mitten auf der Strecke hielt der Zug dann plötzlich an. Nach 5 Minuten Stille meldete sich eine Stimme mit der Nachricht, es würde gleich weitergehen. Nach weiteren 5 Minuten bekannte dieselbe Stimme, es würde wohl doch noch ein paar Minuten dauern. Wiederum einige Minuten später erfolgte dann endlich eine erste Erklärung, dass nämlich eine falsche Weichenstellung uns daran hindere, auf normalem Wege zu bleiben und dass von jetzt an überhaupt die ganze Fahrt anders verlaufen würde. Hoffnung keimte in mir auf, als ich mich plötzlich daran erinnerte, dass womöglich auch der ICE eine seiner üblichen Verspätungen haben könnte. Das versuchte ich sofort mit der ersten roten Mütze auf dem Hauptbahnhof Bochum zu besprechen. »Welcher ICE?«, fragte mich der Rotmütz freundlich. »Naja, mein ICE«, antwortete ich verwirrt, »der ICE, den ich gebucht habe und der vor ungefähr 10 Minuten von hier nach Frankfurt fahren sollte.« – »Ja, der fuhr heute sowieso nicht durch Bochum, der wurde umgeleitet über Gelsenkirchen.«

Verwirrt ging ich zum Informationsbüro, um mich zu erkundigen, wie ich denn nun nach Frankfurt kommen solle. Dort zeigte man sich nun aber ganz erstaunt darüber, dass der ICE heute nicht durch Bochum gefahren sein sollte. Ich gab mich als Betroffener und Augenzeuge zu erkennen und man begann mir zu glauben und wies mir einen IC nach Mainz zu, von wo aus ich dann mit der S-Bahn nach Frankfurt fahren sollte. Wieder auf dem Gleis angekommen, fragte der freundliche Rotmütz, was ich denn hier wieder machen würde, ich wolle doch nach Frankfurt? Ich erzählte ihm von dem IC nach Mainz, der mir im Informationszentrum soeben zugewiesen worden war. Na, der würde doch heute auch nicht durch Bochum fahren, weil der nämlich ebenfalls über Gelsenkirchen umgeleitet worden sei. Ich müsse jetzt die Regionalbahn nach Essen nehmen, dort würde ich diesen IC erreichen. In der Regionalbahn traf ich dann auf den zweiten freundlichen und sich wirklich bemühenden Bahnbeamten an diesem Tag, den Zugführer Akin. Den Namen erfuhr ich, weil er ihn erbosten Fahrgästen mehrfach buchstabieren musste.

Herr Akin telefonierte, blätterte in seinem Fahrplan und bemühte sich wirklich redlich, Licht in das Dunkel zu bringen. Sein eigener Zug hatte bereits 20 Minuten Verspätung und das alles wegen einer gebrochenen Schiene auf der Hauptstrecke, wie ich von ihm zum ersten Mal erfuhr. Telefonisch wurde ihm zugesichert, dass der IC in Essen auf uns warten würde, was uns alle, Herrn Akin eingeschlossen, ziemlich entspannte. In Essen angekommen, sahen wir, dass der IC zu unserem Glück direkt auf dem anderen Gleis an demselben Bahnsteig wartete. Eine Gruppe von ungefähr 50 Fahrgästen hastete aus der Regionalbahn dem rettenden gegenüberliegenden Ufer zu, als das Unfassbare geschah. Zwei Rotmützen, einer halb im Zug und die andere auf dem Bahnsteig, stießen uns zurück, schlossen die Türen und ließen den Zug ohne uns abfahren, um den Fahrplan einzuhalten. Ein schneller Blick auf den Fahrplan, verriet mir, dass von Essen nun gar kein Zug mehr in Richtung Frankfurt zu fahren schien. Zum Glück hatte Herr Akin mit seinem Zug noch keine Weiterfahrerlaubnis bekommen und lud mich ein, mit ihm weiter nach Duisburg zu fahren, von wo aus er mir einen Zug nach Frankfurt aus seinem Fahrplan zauberte. Ich habe volles Verständnis dafür, dass er sich in der Aufregung vertan hatte und sein Zug mich nur zum Frankfurter Flughafen gebracht hätte. Der Zug, der mich schlussendlich dann doch »nur« 2 Stunden später als geplant nach Hause brachte, war wieder ein ICE.

Inzwischen hatte ich von meiner Frau telefonisch erfahren, dass ein Erdbeben die Schiene zerbrochen hatte. Vielleicht hätte diese Information uns Reisende milder gestimmt, ich weiß es nicht. Als der Zugführer durchgab, dass aufgrund eines technischen Defekts das Bordrestaurant heute nur auf Selbstbedienungsbasis funktionieren würde, konnte ich meinem Freund Gott jedenfalls nur noch müde zulächeln. Und dann hörte ich wieder diese sanfte unverwechselbare Stimme in meinem Kopf: »So wie du heute müssen sich wahrscheinlich viele Nichtchristen vorkommen, wenn sie versuchen, die christliche Welt zu bereisen.« Ich schlug die Bibel auf, las 1. Petrus 3,15 (»Seid aber jederzeit bereit zur Verantwortung jedem gegenüber, der Rechenschaft von euch über die Hoffnung in euch fordert, aber mit Sanftmut und Ehrerbietung; und habt ein gutes Gewissen.«), nahm den Weckruf an und packte mich für den Rest der Fahrt an meiner eigenen Nase. //