Heft 20/04 - Retro-Artikel

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Der Autor

Mickey Wiese ist verheiratet mit einer Lobpreistänzerin, Vater von zwei wunderbar wilden Kerls und Pastor. Er hängt mit seinem Freund Gott in Frankfurt ab und versucht, die bedingungslose Liebe Jesu in den Alltag von Jugendlichen zu übersetzen.

Mein Freund Gott und ich

Konfirmandenfreizeit

// Als mein Freund Gott und ich einmal auf Freizeit fuhren, überraschte er mich wieder einmal total mit seiner Gnade. Und das kam so.

Mit einer kleinen Gruppe von 12 Jugendlichen, die davon überzeugt waren, dass die Bibel ein uraltes Buch sein müsse, das bestimmt mindestens 100 Jahre alt wäre, machte ich eine Wochenendfreizeit. Natürlich waren wir gut vorbereitet und das Team war guter Dinge, den Jugendlichen die große Wahrheit des Evangeliums begreiflich machen zu können, dass Jesus auf diese Erde gekommen ist, nicht um sie zu richten, sondern um sie zu retten.

Aber die Jugendlichen hatten ganz andere Dinge im Kopf, als nur meinen Predigten zu lauschen. Sie wollten lieber den Wahrheitsgehalt »Bedingungs-loser« Liebe testen und die Grenzen der Freiheit des Geistes ausloten, auch wenn ihnen und uns das auf einer intellektuellen Ebene natürlich nicht bewusst war. Ihr Benehmen war – christlich gesprochen – eine Herausforderung. Die ganze Nacht lang jagten sie dem Leben hinterher, nur unterbrochen von kleinen Szenenauftritten schlaftrunkener Leiter. Kaum gab es eine unwidersprochene Ansage, egal, worum es ging, und mit dem Kuchen zum Kaffee spielten sie Frisbee. Mein Zorn wuchs, wollte ich ihnen doch schließlich nur Gutes. Sie aber schienen sich an das alte Schülermotto zu halten: »Ihr wollt zwar nur unser Bestes, aber wir geben es euch nicht.« Ich meinerseits war enttäuscht, weil ich ihnen ja mein Bestes geben wollte, sie es aber nicht annahmen.

So wurde der Ton immer rauer und schärfer, bis mein Freund Gott mich daran erinnerte, dass Jesus am Kreuz denen, die ihn so »geärgert« hatten, Vergebung zufließen ließ. »Stimmt«, dachte ich, »und diese Jugendlichen wissen ja auch nicht, was sie tun.« Da wir als Team aber noch nicht vollkommen Jesus ähnlich waren, setzten wir uns zusammen und ließen doch erst einmal so richtig Dampf ab vor dem Herrn und setzten die Psalmenmethode ein: »Fluch, tob, jammer, brüll, schrei, seufz, aber dennoch bist du der Größte … – Hilf uns bitte!« Da glätteten sich plötzlich die Wogen in unseren Herzen.

Wieder einmal hatte mein Freund Gott einen Sturm erfolgreich gestillt. In der wohligen Sattheit seiner Gegenwart gaben wir sämtliche Bestrafungspläne auf und waren plötzlich auch fähig, Vergebung fließen zu lassen. Wir wurden an eine Stelle aus dem Lukasevangelium erinnert, wo mein Freund Gott einen ganz besonderen Plan offenbart: »Und du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten genannt werden; denn du wirst vor dem Angesicht des Herrn hergehen, seine Wege zu bereiten, um seinem Volk Erkenntnis des Heils zu geben (durch) Vergebung ihrer Sünden.« (Lk 1,76+77) Gotteserkenntnis kommt also nicht durch Wohlverhalten zustande, sondern durch vergebenden Umgang mit dem, was sich nicht gehört. Da waren wir doch erschrocken darüber, dass wir beinahe bereit gewesen wären, unter einem pädagogischen Deckmantel die Gelegenheit einer Begegnung mit Gottes tatsächlich bedingungsloser Liebe abzubrechen. Denn, so sagt mein Freund Gott immer wieder – und wer will ihm da schon widersprechen –, Gott liebte uns (auch uns Mitarbeiter!) schon zu der Zeit, als wir noch Sünder waren, mit derselben Liebe und in der gleichen Intensität, wie der Vater den Sohn liebt (Röm 5,6-8; Joh 15,9).

Voller Ehrfurcht machten wir das »Maria-Ding«: Wir sagten den Jugendlichen nichts und bewogen diese Worte in unseren Herzen (Lk 2,19). In der nun folgenden Gruppenstunde war »wie durch ein Wunder« alles anders. Die Jugendlichen sangen die Lobpreislieder voller Inbrunst, fast schon mit Stadionintensität, und zum Ende der Freizeit hin bekehrte sich über die Hälfte von ihnen ganz einfach und unspektakulär.

Erstaunliche Dinge passieren, wenn man auf meinen Freund Gott hört, seiner Gnade Raum gibt und vom Bösen fastet (Jes 58). Denn oft genug sind unsere Reaktionen, die oberflächlich gut, heilig und richtig aussehen, immer noch tief an der Wurzel mehr von Rache und anderen Dingen wie von Pilz befallen, als von der Liebe, nach der wir uns eigentlich sehnen. Am Abend, als alles vorbei war, habe ich meinem Freund Gott jedenfalls dankbar in die Augen geschaut, und er hat mir zugezwinkert. Dann hüllte uns auch schon das Abendrot ein und wir haben uns auf die »1.Kor 13,12-Zeit« gefreut. //