Heft 20/04 - Retro-Artikel

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Der Autor

Mickey Wiese ist verheiratet mit einer Lobpreistänzerin, Vater von zwei wunderbar wilden Kerls und Pastor. Er hängt mit seinem Freund Gott in Frankfurt ab und versucht, die bedingungslose Liebe Jesu in den Alltag von Jugendlichen zu übersetzen.

Mein Freund Gott und ich

Rumbarasseln und Nonnen

// Als ich meinem Freund Gott das erste Mal begegnete, waren Rumbarasseln und Nonnen im Spiel. Und das kam so.

Ein paar Musikerfreunde und ich gingen zum Konzert einer christlichen Band, weil wir gehört hatten, dass deren Gitarrist extrem geil mit einem Wah-Wah-Effektgerät spielen könne. – Tat er aber nicht, was uns extrem frustrierte. Allerdings wurde das durch die extrem hübsche Sängerin der Band mehr als ausgeglichen. Und auch der kleine Keyboarder, der bei einem Gospelsong mit Rumbarasseln am Bühnenrand auf und ab hüpfte und ekstatisch ins Publikum schrie, »Das macht euch an, oder?!«, vermittelte uns das gute Gefühl, Christentum könne vielleicht doch nicht ganz so schlecht sein, wenn sie so gut drauf und dazu noch hübsch sein können.

Ein paar Tage später lud unser Religionslehrer, ein alter lutherischer Pastor, unsere Klasse über die Faschingstage in das Benediktinerinnenkloster Engelthal ein. Das fand ich natürlich total abwegig, bis ich erfuhr, dass auch die hübsche Sängerin mitfahren würde. Das würde mir schon über die vertrockneten Nonnen hinweghelfen, dachte ich. Als die uns dann aber schon an der Klostertür mit einer Lebendigkeit, die ihnen direkt aus allen Innereien floss (Joh 7,38), schier umhauten, ahnte ich schon, dass ich da auf etwas Besonderes gestoßen war.

Restlos überzeugt von einer ihnen eigenen Authentizität haben die Nonnen aber dann mit der Bemerkung, dass sie am Dienstag, wenn wir wieder weg seien, im Konvent ebenfalls Fasching feiern und sich dazu auch verkleiden würden. Ich kann mir gut vorstellen, wie mein Freund Gott in diesem Augenblick über meine entgleisten Gesichtszüge geschmunzelt hat.

Besagte Sängerin, auf die ich ständig »rein zufällig« traf, hatte natürlich längst gemerkt, dass ich total für sie schwärmte und hat das gnadenlos ausgenutzt. Sie war nahe daran, mir das Ohr blutig zu erzählen mit ihren Jesusgeschichten. Und dabei erzählte sie von ihm wie von einem Freund, mit dem sie tatsächlich in Kontakt steht. Das hat mich extrem neugierig gemacht, auch ihre Behauptung, Jesus habe sie schon mehrmals geheilt. Wenn das stimmt, dachte ich – und irgendwie sehen die hier alle so aus, als würde es tatsächlich stimmen – dann fehlt mir etwas total Wichtiges. Ich bin dann auf mein Zimmer gegangen, habe mich vergewissert, dass niemand da war und habe ganz zaghaft im Knien mein erstes Gebet irgendwo in die Mitte des Raumes hineingesprochen: »Also, Herr Jesus, ääh, also, wenn es dich wirklich gibt …, na ja …, also, Herr Jesus, ich möchte auch gerne diese Freude, diese Lebendigkeit haben, die die ganzen Jugendlichen da draußen und die Nonnen haben. Herr Jesus, ich vertraue dir jetzt mein Leben an, ich möchte zu dir gehören.« Zwar umleuchtete mich in diesem Augenblick kein Feuer, aber ein tiefer Friede breitete sich in mir aus und ich wusste ganz tief in mir drinnen, dass ich von nun an »dazugehörte«, auch wenn ich ja noch gar nicht so recht wusste, wozu ich nun dazugehörte. Dieser Friede hat mich seit diesem Tag im März 1976 nie wieder losgelassen, nicht in der größten Zappelei während des »Toronto-Segens« und auch nicht in der fürchterlichsten Depression in der Nervenklinik Hohemark.

Das Leben, auf das ich an Fasching im Kloster gestoßen bin, fließt jetzt auch in mir. Bis heute sitzen mein Freund Gott und ich regelmäßig zusammen und schauen uns Bilder von damals an. Dann reden wir über die »gute alte Zeit« und träumen davon, dass alle Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit kommen und gerettet werden und sich nicht durch ihre berechtigten Vorurteile den Christen gegenüber vom Leben abhalten lassen. Aber da hat mein Freund Gott ja auch immer schon selbst mit Hand angelegt (Ps 127,1) und sich nicht in die Gnadensuppe spucken lassen. »Mit Rumbarasseln und Nonnenfasching kommt ihr meinem Wort jedenfalls schon sehr nahe«, sagt er dann immer und spielt darauf an, dass wir der Welt ein Schauspiel und Narren um Christi willen geworden sind (1.Kor 4,9+10). Dann lachen wir uns kringelig, lassen das Leben weiter fließen und fahren fort, Fische ins Wasser zu werfen. //