Heft 1/00 - Retro-Artikel
Der Autor
Dr. Andreas Franz
Geboren 1958 in Balingen/Württemberg. Theologiestudium in der Schweiz, in Deutschland und in Belgien. 1991 Promotion im Bereich Religions- und Missionswissenschaft. Lebte und arbeitete etwa sechs Jahre in verschiedenen Ländern Europas und Afrikas. Seit der deutschen Wiedervereinigung Leiter des Missionswerks »Horizonte weltweit e. V.« und seit 1995 Studienleiter der Theologisch-Missionswissenschaftlichen Akademie (TheMA) in Uhrsleben/Sachsen-Anhalt. Veröffentlichung: Mission ohne Grenzen. Hudson Taylor und die deutschsprachigen Glaubensmissionen, Gießen/Basel: Brunnen Verlag, 1993 (357 Seiten; vergriffen).
Verantwortung übernehmen (Raus jetzt)
Zehn praktische Schritte in die Außenmission
// Jesus hinterließ seinen Jüngern vor seiner Himmelfahrt den Missionsbefehl: »Geht hin und macht alle Völker zu Jüngern!« (Mt 28,18). Sein Auftrag gilt bis heute und immer noch gehen Menschen in alle Welt, um diese Aufgabe zu erfüllen. Nicht jeder wird bis ans »Ende der Welt« gehen können. Wer dies aber möchte, sollte sich gut darauf vorbereiten. Die folgenden Ausführungen sollen eine Art Checkliste zur effektiven Vorbereitung sein.
1. Göttliche Berufung
Missionar ist weder ein Job noch ein Beruf. Wer in die Mission gehen will, muss um eine persönliche Berufung wissen. Gott ruft selten durch eine hörbare Stimme. Meist ist es die innere Klarheit, dass jede andere persönliche Lebensplanung falsch wäre. Sie lässt auch in schwierigen Zeiten durchhalten. Abenteuerlust hat nichts mit göttlichem Auftrag zu tun. Ebenso wenig genügt es, sich auf Dringlichkeit oder prophetische Worte zu berufen. Diese Dinge können nur als Bestätigung der inneren Gewissheit dienen. Wen Gott beruft, wird er aussondern und vorbereiten.
Frage:
Weiß ich, dass Gott mich eines Tages in einem fremden Land gebrauchen möchte?
2. Familiäre Vorbereitung
Die klarste Berufung hilft nichts, wenn man sich eine(n) Ehepartner(in) aussucht, der/die keine Berufung in die Mission hat. Die zukünftige gemeinsame Lebensplanung muss vorab ehrlich abgestimmt werden. Wenn der Partner den Weg in die Mission nicht sieht, ist eine Ausreise nicht möglich! Ebenso muss klar sein, dass der Dienst nicht auf Kosten der Kinder geschieht. Kleinkinder können sich überall schnell zurecht finden. Anders wird es, wenn sie die Pubertät erreichen. Kinder sollte man in der Phase der Identitätsfindung (12 bis 16 Jahre) nicht einem Kulturschock aussetzen. Es ist wünschenswert (aber nicht zwingend), wenn die (Schwieger-)Eltern die Entscheidung mittragen können. Schwieriger wird es, wenn die Eltern pflegebedürftig sind. Hier sollten vor einer Ausreise klare Lösungen gefunden werden.
Fragen:
Hat meine (zukünftige) Familie die gleiche Berufung?
Können alle Familienglieder die Entscheidung mittragen?
3. Geistliche Vorbereitung
Christen sind Nachfolger Jesu. Missionare sollen ihren Herrn im fremden Land vertreten. Daher will Gott ihren Charakter »Jesus ähnlich« machen. Dies geschieht durch anhaltende Gemeinschaft mit Jesus (im Gebet) und das Einhalten seiner Gebote. Charakterbildung ist wichtig und braucht Zeit. Die Bibel nennt dies Heiligung. Es geht nicht darum, perfekt zu sein. Aber Charakterschwächen, die sich in der Heimat noch überdecken lassen, können in einer fremden Kultur voll durchbrechen.
Die Zeit in der Heimat muss genutzt werden, in der eigenen Gemeinde mitzuarbeiten und so Erfahrung zu sammeln. Hier kann jeder seine geistlichen Gaben kennenlernen und einüben. Schließlich wird jeder dort am meisten Frucht bringen, wo er begabt ist (als Evangelist, Hirte, Lehrer … ). Wer in der Heimat keine Frucht bringt, wird es auch in der Mission nicht tun.
Fragen:
Bin ich bereit, heilig zu leben?
Wo liegen meine geistlichen Gaben?
Bringe ich schon heute geistliche Frucht?
4. Interesse für den Einsatzort
Oft wird eine Berufung von großem Interesse für die andere Kultur begleitet. Es ist hilfreich, schon früh damit zu beginnen, Material zu sammeln. Dies können Reiseführer, Geschichtsbücher, Dokumentationen oder Berichte von Missionaren sein, die in jener Gegend arbeiten. Wer es irgendwie einrichten kann, sollte einen Urlaub oder ein Praktikum im (möglichen) zukünftigen Land verbringen. Dadurch kann sich die Berufung bestätigen, oder es wird klar, dass es nur ein Wunschtraum war. Man kann sehen, was gebraucht wird und welche weiteren Vorbereitungen dafür nötig sind. Es ist daher ratsam, schon früh mit Missionaren oder Missionswerken Kontakt aufzunehmen, die im späteren Einsatzgebiet tätig sind.
Fragen:
Welche Wege gibt es, möglichst umfassende Informationen über den späteren Einsatzort zu erhalten?
Zu welchen Missionaren oder Missionsgesellschaften kann ich Kontakt aufnehmen?
Gibt es die Möglichkeit eines befristeten Auslandsaufenthaltes?
5. Gesundheitliche Vorbereitung
Körperliche und seelische Gesundheit sind eine wichtige Voraussetzung für den Missionsdienst. Wer an Diabetes leidet, kann nicht monatelang fernab jeder Apotheke leben. Es gibt durchaus auch Beispiele von behinderten Menschen, die einen sehr wirksamen Dienst taten. Dies kann aber nur in Regionen sein, in denen die Behinderung behandelt werden kann. Psychische Probleme verstärken sich im Ausland. Wer in der Heimat emotional nicht stabil ist, kann unter fremdem Kulturstress nicht bestehen. Man sollte daher schon bei der Vorbereitung auf eine gesunde Lebensweise achten. Ebenso sind alle wichtigen Impfungen einzuholen. Die Betriebsgenossenschaften fordern von Missionaren in den Tropen z. B. eine Tropentauglichkeits-Untersuchung, die an Tropeninstituten gemacht wird. Der Lebensstandard im fremden Land sollte gewährleisten, dass die körperliche und seelische Gesundheit nicht geschädigt wird.
Fragen:
Bin ich gesund? Lebe ich gesund?
Welche Impfungen brauche ich?
Sind spezielle Untersuchungen erforderlich?
6. Sprachliche Vorbereitung
Sobald klar ist, welche Sprache man in Zukunft sprechen muss, sollte man sich um sie bemühen. Ohne Sprache findet man keinen Zugang zu den Menschen. Je besser man einen Dialekt beherrscht, desto leichter wird man in der Regel akzeptiert. Wenn möglich, sollten schon in der Heimat erste Grundkenntnisse erworben werden (Schule, Volkshochschule, Hochschule). Dies kann später viel Zeit und Kosten sparen. Eine Sprachschule im Ausland wird sicher irgendwann eingeplant werden müssen. Diese wird je nach Sprache 6 bis 24 Monate dauern. Dabei ist es empfehlenswert, die Sprachausbildung gleich in dem Land zu machen, in dem man später arbeiten möchte. So lernt man neben der Sprache gleich weitere kulturelle Eigenheiten.
Fragen:
Sind vielleicht mehrere Sprachen oder Dialekte zu lernen?
Wo gibt es gute Sprachschulen? (Es müssen keine christlichen Sprachschulen sein. )
Wo habe ich schon jetzt die Möglichkeit, Sprachkenntnisse zu erwerben?
7. Kulturelle Vorbereitung
Genauso wichtig wie das Erlernen der Sprache, ist das Erlernen der neuen Kultur. Darauf sollte mindestens so viel Energie verwandt werden, wie auf das Sprachelernen. Dieser Bereich wird häufig unterschätzt. Jeder wird kulturelle Fehler machen. Und jeder wird eine Zeit des Kulturschocks (oder bestenfalls des Kulturstresses) durchleben müssen. Es ist daher dringend ratsam, schon vorab einen Kurs über fremde Kulturen zu besuchen, wie ihn manche Missionsschulen anbieten. Dieser kann helfen, grobe Fehler zu vermeiden, sensibel Türen zu öffnen und den Kulturschock leichter zu bewältigen. Beim Erlernen der fremden Kultur sollte man über sich selbst lachen können (Humor!), die eigene Anpassungsfähigkeit trainieren und eine demütige, dienende Haltung vorweisen. Teamfähigkeit ist ein großer Vorzug.
Fragen:
Wo habe ich die Möglichkeit, mehr über fremde Kulturen zu lernen?
Gibt es in meiner Umgebung Ausländer aus jenem Land, mit denen ich eine Beziehung aufbauen könnte?
8. Berufliche Vorbereitung
Sobald deutlich wird, zu welchem Dienst man berufen ist, sollte man die Vorbereitung darauf konzentrieren. Ein Missionsarzt, Ingenieur oder Hochschullehrer sollte die internationale Anerkennung seiner Ausbildung anstreben, ohne die er sonst im Land nicht arbeiten darf. Ebenso die Krankenschwester, Hebamme oder der Techniker. Gerade in sogenannten »geschlossenen« Ländern sind Fachberufe oft der einzige Weg, ins Land zu kommen. Ein Missionspilot wird die landesspezifische Luftfahrtprüfung ablegen müssen. Und der Geistliche muss den Anforderungen der einheimischen Kirche und Regierung genügen. Da Missionare in der Regel einen geistlichen Dienst tun, muss eine spezielle theologische Vorbereitung erfolgen (siehe nächster Punkt).
Fragen:
Welche fachlichen Qualifikationen werden am zukünftigen Arbeitsort verlangt?
Wo und wie kann ich sie erlangen?
9. Theologische Vorbereitung
Die meisten Missionsgesellschaften verlangen heute eine mindestens 2-jährige theologische Ausbildung, auch für Krankenschwestern, Mechaniker etc. Je nach Dienst kann sich diese Vorbereitungszeit bedeutend verlängern. Wer als Gemeindepastor arbeiten will, muss mindestens die gleiche Ausbildung nachweisen, wie einheimische Pastoren. Auch wenn es heute noch manche Gebiete mit Ausbildungsnotstand gibt, wird das theologische Bildungsniveau einheimischer Pastoren in Deutschland gerne unterschätzt. Wer heute an einem Lehrinstitut (Bibelschule, College) unterrichten will, muss seine Lehr-Qualifikation nachweisen. Meist werden dabei die international bekannten Abschlüsse wie Bachelor, Master oder Ph. D. verlangt. Einzelne Staaten sind auch bereits dazu übergegangen, nur noch denjenigen Geistlichen Visum und Arbeitsgenehmigung zu erteilen, die solche Nachweise erbringen können. Ob wir es richtig finden oder nicht, diese Tendenz verstärkt sich. Es sollte eine Ausbildung gewählt werden, die einerseits auf Mission vorbereitet und andererseits die persönlichen Gaben fördert.
Fragen:
Welche theologische Qualifikation wird langfristig von mir verlangt werden?
Wo kann ich eine für meinen zukünftigen Dienst angemessene theologische Ausbildung machen?
10. Finanzielle Vorbereitung
Missionsgesellschaften haben in der Regel nicht das Geld, die Bewerber aus eigenen Kräften auszusenden. Daher ist es ratsam, sich eine Gemeinde zu suchen und/oder einen Freundeskreis aufzubauen, die später die finanziellen Herausforderungen mittragen. Kurzfristig ist es möglich, mit sehr wenig Geld auszukommen. Mittel- und langfristig bindet dies aber unnötig viel Kraft und verhindert manche Möglichkeit. Es ist daher wünschenswert, schon in der Heimat einen Dienst zu tun, den die Menschen schätzen. Wichtig ist, dass die Freunde die Vision teilen und sich bereit erklären, regelmäßig für den Dienst zu geben und zu beten. Dabei sollte man sich schon jetzt in klarer Kommunikation üben. Denn von Ferne wird es schwieriger (und wichtiger) sein, die Freunde in der Heimat regelmäßig zu unterrichten.
Fragen:
Welches monatliche Einkommen ist in dem fremden Land mindestens erforderlich?
Welche Kosten sind für Sprachschulen, theologische Ausbildung und Reisen einzuplanen?
Welche Gemeinde oder Freunde könnte meine Berufung teilen? Wie kann ich sie regelmäßig unterrichten?
Auch wenn wir menschlich unsern Anteil einbringen und viele Aspekte bedenken können, muss letztlich doch Gott Türen öffnen oder verschließen. Wunder gehören nun mal zum Missionsdienst dazu. Und es gibt derzeit weltweit zehntausende Missionare, welche Gottes Ruf in fremde Länder gefolgt sind.
Checkliste:
Weiß ich, dass Gott mich eines Tages in einem fremden Land gebrauchen möchte?
Wenn ja: weiter. Wenn nein: Gott will dich in der Heimat gebrauchen.
Hat meine (zukünftige) Familie die gleiche Berufung?
Wenn ja: weiter. Wenn nein: Unterstütze aktiv einen Missionar.
Können alle Familienglieder die Entscheidung mittragen?
Wenn ja: weiter. Wenn nein: Unterstütze aktiv einen Missionar.
Bin ich bereit, heilig zu leben?
Wenn ja: weiter. Wenn nein: Geistlicher Dienst ausgeschlossen.
Wo liegen meine geistlichen Gaben?
Bringe ich schon heute geistliche Frucht?
Wenn ja: weiter. Wenn nein: Wo könnte ich schon heute Frucht wirken?
Welche Wege gibt es, möglichst umfassende Informationen über den späteren Einsatzort zu erhalten?
Zu welchen Missionaren oder Missionsgesellschaften kann ich Kontakt aufnehmen?
Gibt es die Möglichkeit eines befristeten Auslandsaufenthaltes?
Bin ich gesund? Lebe ich gesund?
Welche Impfungen brauche ich?
Sind spezielle Untersuchungen erforderlich?
Sind vielleicht mehrere Sprachen oder Dialekte zu lernen?
Wo gibt es gute Sprachschulen? (Es müssen keine christlichen Sprachschulen sein.)
Wo habe ich schon jetzt die Möglichkeit, Sprachkenntnisse zu erwerben?
Wo habe ich die Möglichkeit, mehr über fremde Kulturen zu lernen?
Gibt es in meiner Umgebung Ausländer aus jenem Land, mit denen ich eine Beziehung aufbauen könnte?
Welche fachlichen Qualifikationen werden am zukünftigen Arbeitsort verlangt?
Wo und wie kann ich sie erlangen?
Welche theologische Qualifikation wird langfristig von mir verlangt werden?
Wo kann ich eine für meinen zukünftigen Dienst angemessene theologische Ausbildung machen?
Welches monatliche Einkommen ist in dem fremden Land mindestens erforderlich?
Welche Kosten sind für Sprachschulen, theologische Ausbildung und Reisen einzuplanen?
Welche Gemeinde oder Freunde könnten meine Berufung teilen? Wie kann ich sie regelmäßig unterrichten?
Kenne ich jemanden, der mir in diesen Fragen weiterhelfen kann? ///

